Wirtschaftskrise lässt Eigentumsdelikte steigen

21. Oktober 2009, 21:14
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Arbeitslosigkeit fördert die Bereitschaft, krumme Dinger zu drehen - Integrierte Zuwanderer werden weniger oft straffällig als Inländer

Laut einer Studie der Donau-Universität befürchten Experten ein massives Ansteigen von Eigentumsdelikten und Kriminalität - Von Michael Simoner aus Saalfelden

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Mit der sprichwörtlichen Gemütlichkeit in Österreich könnte es bald vorbei sein. Wenn zutrifft, was zwölf von der Donau-Universität Krems befragte Experten (darunter Kriminologen, Psychologen und Mediziner) voraussagen, wird die Wirtschaftskrise die Sicherheit im Lande massiv beeinträchtigen: Eigentumsdelikte und Kriminalität, vor allem in den Bereichen Einbruch, Diebstahl und Betrug, werden demnach überproportional ansteigen. Arbeitslosigkeit fördert die Bereitschaft, krumme Dinger zu drehen, soziale Frustration entlädt sich in Vandalismus, lauten die allgemeinen Warnhinweise aus der qualitativen Expertenbefragung, die am Mittwoch bei den diesjährigen Sicherheitstagen des Kuratoriums Sicheres Österreich (KSÖ) in Saalfelden präsentiert wurden.

Gewalt in der Familie

Für Rosa Logar, die Leiterin der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt, ist das steigende Aggressionspotenzial das größte Problem. Schon jetzt werde Schätzungen zufolge bereits jede fünfte Frau in Österreich Opfer eines gewalttätigen Familienangehörigen. Besonders betroffen seien Migrantinnen. Die Hälfte aller Frauen, die Zuflucht in Frauenhäusern suchen, seien Migrantinnen. Da gerade diese Bevölkerungsschicht den zunehmenden Jobmangel als erste spüre, sei auch mit einem weiteren Anstieg von Gewaltdelikten in diesem Segment zu rechnen.

Rückgang bei schweren Gewaltverbrechen

Andere Experten beobachten jedoch gleichzeitig einen Rückgang bei schweren Gewaltverbrechen wie Mord und Totschlag. Dieser Trend sei aber bereits vor dem Einbruch der Wirtschaft erkennbar gewesen.

Wenig straffällige integrierte Zuwanderer

Illegale Migration wird aber generell als stärkster Einflussfaktor auf die Kriminalität gesehen. Laut Statistik sind Ausländer, die es nicht schaffen, sich zu integrieren, überdurchschnittlich oft in Straftaten verwickelt. Integrierte Zuwanderer hingegen werden weniger oft straffällig als Inländer.

Problembereich Adoptionen

Ein Bereich, wo kriminelle Aspekte oft nicht beachtet werden, sind Adoptionen von ausländischen Kindern. Wenn diese rasch über die Bühne gehen sollen, sei oft die organisierte Kriminalität im Spiel, meint die Psychologin Maria Peer. Neueste Schätzungen der EU gehen von rund zwei Millionen Kindern als Opfern von Kinderhandel aus. Auch hier ist die Tendenz stark steigend.

Organhandel

Prekär könnte die Lage auch im medizinischen Sektor werden: bei Organtransplantationen. Momentan erhalten nur zwei von zehn Menschen, die ein neues Organ brauchen, sofort eine Operation, weil es einfach zu wenig Spenderorgane gibt. Bisher wurde in Österreich noch kein Fall illegalen Organhandels gemeldet, doch weil der Bedarf weiter steigen wird, berge dieser Bereich ein großes zukünftiges kriminelles Potenzial, heißt es in der von Walter Seböck erstellten Studie. Zuletzt habe sich der illegale Organhandel von Asien nach Osteuropa ausgebreitet.

Sinkende Aufklärungsrate

Dass die Kriminalität über die Jahre nicht weniger wird, ist generell nichts Neues. 1979, im Jahr der ersten KSÖ-Tagung, gab es in Österreich 330.000 Anzeigen zu strafrechtlich relevanten Delikten. Seither gab es ein Plus von 173 Prozent. Die Aufklärungsrate ist in den vergangenen 30 Jahren von 55 auf 38 Prozent gesunken.(Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe 22.10.2009)

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    Arbeitslosigkeit und illegale Migration könnten die Kriminalitäts-Rate in die Höhe schnellen lassen - auch bei Einbrüchen ist mit einem weiteren Anstieg der Fälle zu rechnen

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