Willkommen in Fekters Wonderworld

21. Oktober 2009, 20:31

Im Eifer, die Hintertür zuzuschlagen, wird gleich die Vordertür mitverrammelt - Von Michael Chalupka

„Human und gerecht" sei das neue Gesetz, indem es die „Hintertür für Kriminelle schließt, damit die Vordertür für Verfolgte offen bleibt", erklärt Maria Fekter im Standard (21. 10.). - Klingt zu schön, um wahr zu sein - Von Michael Chalupka

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Alles ist gut. Alles wird besser. Die Vordertür für die guten, schutzbedürftigen Asylwerber steht weit offen, den Bösen, die uns missbrauchen wollen, schlägt die tapfere Ministerin die Tür vor der Nase zu. Alle Einwände werden vom Tisch gewischt. Etwa dass der Verfassungsgerichtshofpräsident Karl Korinek vor mehr als einem Jahr heftige Kritik am Fremdenrecht geübt hat, weil sich die Vorschriften für Ausländer teilweise „sogar innerhalb der eigenen Gesetze" widersprechen würden. Wen soll das heute noch kratzen? Karl Korinek ist schließlich schon in Pension.

Die Welt ist schön, human, effizient und gerecht. So sieht Maria Fekter ihr Werk und lädt uns ein, ihr beizupflichten. Denn wer nicht für sie ist, ist gegen sie und „unterstützt nicht die Verfolgten, sondern Asylmissbrauch, Schlepperei und Kriminalität."

Herr I. ist ein Guter, letztendlich durch die Vordertür ins Land gekommener Asylwerber. Das hat er bestätigt von allen Instanzen. Mit dem gestern beschlossenen Gesetz hätte er wohl keine Chance, sondern würde als Missbraucher des Systems dastehen.

Herr I. aus der Demokratischen Republik Kongo war während einer Zwangsrekrutierung durch Rebellen, die vor seinen Augen seinen Bruder ermordet hatten, überhastet geflohen. Seine Frau und seine drei Kinder musste er zurücklassen. In Österreich wurde seine Asylgeschichte zunächst vom Bundesasylamt als unbegründet zurückgewiesen. Die Fremdenpolizei erließ einen Schubhaft_bescheid.
Durch die Beratung der Diakonie konnte er seinen Fall bis zum Verwaltungsgerichtshof hinauftragen, damals gab es noch unabhängige Rechtsberatung! Er bekam in zweiter Instanz Asyl. Heute ist Herr I. Österreichischer Staatsbürger und mit seiner Familie glücklich vereint.

Schmaler Grad, auf dem entschieden wird

Der Grat ist schmal, auf dem entschieden wird, ob man Verfolgter ist oder unter Missbrauchsverdacht gestellt wird. Der Weg zur Vordertür ist steinig und voller Fallen. Die neue Gesetzesnovelle fügt weitere Barrieren hinzu und schränkt den Zugang zum „unantastbaren Asylrecht" weiter ein. Um im Bild der Ministerin zu bleiben: Im Eifer, die Hintertür zuzuschlagen, wird gleich die Vordertür mitverrammelt.
„Das Recht auf Asyl ist unantastbar", und „Die Gesetze des Rechtsstaates müssen vollzogen werden." Maria Fekters Grundsätze sind richtig. Wenn die Grundsätze in der Praxis falsch umgesetzt werden, ist das ein Problem. Im Fall der Asylpolitik von Innenministerin Fekter heißt das: Ausschluss von Asylwerbern vom Zugang zum Rechtsstaat.

Asylmissbrauch begehen nicht jene, die geflüchtet sind und es wagen, einen Asylantrag in Österreich zu stellen. Es gibt viele gute Gründe, die es Menschen verunmöglichen, weiterhin in ihrem Heimatland auszuharren. Nur wenige davon führen zu einer Asylgewährung in Europa. Deshalb haben sie jedoch noch lange kein Recht missbraucht.

Um Leben und Tod

Niemand käme auf die Idee ein Unternehmen als Missbraucher zu bezeichnen, nur weil sein Antrag auf Wirtschaftsförderung nicht den strengen Kriterien entsprochen hat und deshalb abgelehnt werden muss.
In einem ist Maria Fekter beizupflichten: „Die Regelungen im Asyl- und Fremdenrecht sind besonders sensibel, weil sie menschliche Schicksale betreffen." Beim Asylrecht geht es um „Verfolgung, Repressalien, Verstümmelung, Mord." Letztendlich kann es um Leben und Tod gehen.

Wenn die Ministerin etwa schreibt: „Über den Folgeantrag kann auch trotz Abschiebung entschieden werden." Dann könnte es passieren, dass der Asylanerkennungsbescheid in einen Folterkerker zugestellt werden müsste. (DER STANDARD Printausgabe 2.10.2009)

Zur Person: Michael Chalupka ist evangelischer Pfarrer und Direktor der Diakonie Österreich

    Kommentar posten
    Posting 1 bis 25 von 66
    1 2
    t-bonesteak
    12
    22.10.2009, 18:48
    eigentlich erübrigt es sich, zu diesem thema noch etwas zu posten

    die fronten sind festgefahren. gegen hass, angst und paranoia kommt man mit argumenten nicht an.

    die "politik" eines hc strache findet immer breiteren zuspruch, die övp hat sowieso kein problem damit und die spö hat sich selbst aufgegeben (spätestens an dem tag, an dem die genossen gusenbauer abgeschossen und faymann auf den thron gehievt haben). die nächste nr-wahl könnte (mit hoher wahrscheinlichkeit) zu einem triumph des mannes werden der es ohne probleme schafft 3 bier gleichzeitig zu bestellen.

    immerhin hat er (unterstützt von der kz) jahrelang darauf hingearbeitet, dass sich der durchschnittsösterreicher sogar schon davor fürchtet, sein eigener schatten könnte ihm den job wegnehmen.

    ordy
    01
    23.10.2009, 07:31

    Natürlich ist der Überbringer der schlechten Botschaft der böse.
    Aber keine Sorge. Eine Sachdiskussion wird die Zensur nicht zulassen.

    MarioV
    01
    22.10.2009, 16:18

    Herbergsuche ist gut, wenn man ihr 2000 Jahre später gedenkt.

    Diakonie Flüchtlingsdienst
    13
    22.10.2009, 15:07
    Ohne Rechtsberatung kein Recht

    Unser Engagement lässt sich nicht kürzen. Wir machen weiter. Der Diakonie Flüchtlingsdienst berät seit 20 Jahren Flüchtlinge in Traiskirchen. Seit September eben ohne staatliche Finanzierung und mit den Spenden jener, für die der Rechtsstaat beim Schutz der Schwächsten beginnt. Wir bitten um Eure/Ihre Solidarität mit Flüchtlingen. Online Spenden unter: http://fluechtlingsdienst.diakonie.at

    Ach ja, für alle die glauben Flüchtlingsarbeit sei ein Geschäft: Irrtum. Ohne Spendenfinanzierung hätten wir auch bisher keine professionelle Flüchtlingsberatung bieten können.

    FSK
    32
    22.10.2009, 20:35

    die Schlepper und sonstigen Profiteure werden sicher spenden.

    Raubmordkopierer
    00
    17.11.2009, 07:08

    Die Schlepper können sich ihre Rechtsberatung schon selber leisten. Bzw. sie pfeifen drauf.

    Herr und Frau Österreicher
     
    11
    23.10.2009, 08:34
    hörens doch auf mit ihren dummen verleumungen und informieren sie sich!

    van.der.stiege
    23
    22.10.2009, 14:09
    also diesen vergleich mit dem unternehmer...

    ... und der wirtschaftsförderung versteh ich nicht.

    antrag stellen. und dann wird abgelehnt. ok. thats it. wo ist da der missbrauch??
    antragstellen darf ja auch jeder mensch indem er nur auf österreichischen staatsgebiet das wort "asyl" fallen lässt.

    beide, asylwerber und unternehmer, muessen nach antragstellung den bescheid abwarten. nein, beim unternehmer ist nun mal nein.

    aber beim asylwerber könnte ich hier und da etwas an der geschichte ändern. verlorene dokumente sind behilflich da ja dann nirgendwohin abgeschoben werden kann.

    wenn der unternehmer seine zahlen "frisiert", dokumente unterschlägt oder falsche angaben macht verliert er wohl sein gesamtes unternehmen... da ist dann die entgangene förderung das geringste uebel !!!

    Eine Kreatur
    31
    22.10.2009, 17:41
    als unternehmer werden und können sie

    juristisch perfekt beraten werden und sie werden es sich wohl auch leisten .. geschweige denn die interessensvertretung in ihrem rücken in form der wirtschaftskammer usw. ..

    von einem vergleich zwischen unternehmern und flüchtlingen kann somit gar keine rede sein ..

    aber sie haben offensichtlich nicht verstanden, was eigentlich gemeint war ..
    ein antrag der abgelehnt wird, macht den unternehmer nicht automatisch damit zum wirtschaftskriminellen ..

    genausowenig wie irgendwen in diesem land ein abgelehnter antrag zu einem kriminellen macht - im gegensatz zu asylsuchenden menschen .. die werden automatisch kriminalisiert und wie kriminelle behandelt, weil ein antrag abgelehnt wurde ..

    geht ihnen jetzt ein licht auf?

    jgpd
    00
    22.10.2009, 15:30

    ...oder stellen Sie sich mal vor, sie hätten als Unternehmer alles ordnungsgemäß beantragt und wären nach geltenden Recht berechtigt eine Förderung zu erhalten.
    Nun hat aber Ihr Anwalt einen Formfehler begangen und Ihr Antrag wird abgeleht.
    Stellen Sie sich jetzt vor, dass sie jetzt keine Chance mehr auf eine Korrektur, Neuantrag oder was auch immer haben.
    So geht es den Asylwerbern....

    Cr S
    00
    22.10.2009, 14:45
    Vollkommen falsch

    Ein "Nein" beim Unternehmer ist nicht "nun mal nein" sondern ist ein erstinstanzlicher Bescheid der in diversen Instanzen noch geändert werden kann. Genauso sollte es eigentlich beim Asylrecht sein, nur wurden dort mal gschwind Instanzen weg gekürzt weil es halt zu viel Aufwand wäre für Rechtssicherheit zu sorgen.

    Und wenn ein Unternehmer "seine zahlen "frisiert", dokumente unterschlägt oder falsche angaben macht" verliert er nicht sein Unternehmen (wo haben Sie das her?) sondern erhält eine Verwaltungsstrafe aufgebrummt.

    gefühlte Inflation
    00
    22.10.2009, 16:58
    "Fair trial" nach der EMRK

    Bei Entscheidungen einer politischen Behörde muss es nach der EMRK die Möglichkeit geben, an ein "Tribunal mit richterlichem Einschlag" zu appellieren. Im Ayslverfahren ist das in Ö der Asylgerichtshof, wo Richter iS des Bundesverfassungsgesetzes (Weisungsfreiheit, Unabsetzbarkeit, Unversetzbarkeit) entscheiden. Ö erfüllt daher die Forderung der EMRK.

    Weggefallen ist die Appellation an den VwGH. Geblieben ist die Möglichkeit der Appellation an den VerfGH.

    Die EMRK enthält keine Regel, in wie viel Instanzen entschieden werden muss. Mehr als eine muss es sein, die höchste ein "Tribunal mit richterlichem Einschlag". (Der ungewohnte Ausdruck "Tribunal" kommt übrigens von einer unglücklichen Übersetzung des engl. Originaltextes).

    Diakonie Flüchtlingsdienst
    11
    22.10.2009, 13:59
    Recht muss Recht bleiben!

    Unser Engagement lässt sich nicht kürzen. Wir machen weiter. Der Diakonie Flüchtlingsdienst berät seit 20 Jahren Flüchtlinge in Traiskirchen. Seit September eben ohne staatliche Finanzierung und mit den Spenden jener, für die der Rechtsstaat beim Schutz der Schwächsten beginnt. Wir bitten um Eure/Ihre Solidarität mit Flüchtlingen. Online Spenden unter: http://fluechtlingsdienst.diakonie.at

    Ach ja, für alle die glauben Flüchtlingsarbeit sei ein Geschäft: Irrtum. Ohne Spendenfinanzierung hätten wir auch bisher keine professionelle Flüchtlingsberatung bieten können.

    Franz Weinpolter
    31
    22.10.2009, 13:35
    Natürlich muss es Asyl in Österreich geben,

    immerhin ist es ja Bestandteil der Menschenrechte.
    Wo man sich aber natürlich auch einig ist: Asylanten sind lästig. Und natürlich soll die neue Gesetzesnovelle Flüchtlinge davon abhalten, einen Asylantrag in Österreich zu stellen. Genau das erreicht die strenge Fekter-Novelle, das ist das Ziel und das wird von einer breiten bürgerlichen Mehrheit im Parlament mitgetragen!

    Cr S
    11
    22.10.2009, 14:55

    Asylanten sind lästig? Nein, darüber sind wir uns nicht einig!

    christoph hofbaur
    22
    22.10.2009, 14:28

    leider waelzt sich der buergerliche oesterreicher vorallem in apathischer xenophobie und kleinlicher angst vor allem, was es in seinem kuhdorf nicht gibt..

    FSK
    46
    22.10.2009, 11:44
    Beispiele!

    Wenn Ö so streng ist muß es doch hunderte Fälle geben, bei denen Asylwerber abgelehnt wurden und jetzt im Heimatland verfolgt werden.
    Warum kann nie einsolcher Fall gebracht werden?

    Eine Kreatur
    00
    22.10.2009, 17:46
    soso, jetzt müssen also abgelehnte asylwerberInnen ihre behandlung nach der abschiebung dokumentieren

    und den österreichischen staat verpflichtend davon in kenntnis setzen?

    was sie hier fordern, wäre die verpflichtung des österreichischen staates! denn daten von privaten organisationen vertrauen braune blindgängerInnen generell nicht

    damit machen sie also die bereits zweifachen opfer (vertreibung und abschiebung) zu dreifachen opfern, weil die noch im nachhinein beweisen müssen, dass die abschiebung falsch war

    der ö. staat behindert die juristische aufklärung der asylsuchenden aktiv in form der auswahl eines vereines und verbietet bzw. erschwert die unabhängige juristische beratung von anderen - ja wie soll da wer anderer als der ö. staat überhaupt wissen wer wann wohin warum abgeschoben wurde und recherchieren was später passiert ist?

    FSK
    01
    22.10.2009, 19:59

    nein müssen nichts dokumentieren, aber die Asylvertreter und engagierte Journalisten würden von dem ein oder anderen Fall etwas hören, und uns das sicher nicht vorenthalten.

    jose luis schuster
    00
    22.10.2009, 16:38

    ist halt schwierig im kongo mit messer im bauch einen neuen antrag stellen.

    Herr und Frau Österreicher
     
    22
    22.10.2009, 13:37

    manche sterben schon bei der abschiebung, manche erst danach. manche werden auch nur verstümmelt oder eingesperrt, misshandelt oder vertrieben. so ist das leben, ein ewiges auf ud ab. alles halb so schlimm...für FSK...

    per aspera ad astra
    36
    22.10.2009, 13:05
    Die gibt es!

    Wie Sie sich aber vielleicht vorstellen können, sind in den Folterkellern keine Handys erlaubt. Die können Sie also nicht anrufen um zu sagen wie es Ihnen dort geht. Außerdem ist es ihnen dann vielleicht auch schon nicht mehr ganz so wichtig, ob Sie ihr Informationsbedürfnis befriedigen können.

    FSK
    00
    22.10.2009, 19:55

    Widerstandsgruppen etc agieren gewöhnlich nicht allein. Irgendwen gibt es meist doch der berichten kann.
    Es geht um soviele Abgelehnte, natürlich kann es bei etlichen Gründe geben warum man trotz Verfolgung nichts hört, aber nicht bei 100%. Menschenrechtsgruppen sind internat. verbunden, da müßte etwas durchkommen.

    Herr und Frau Österreicher
     
    03
    22.10.2009, 13:34
    aber aber, alles böse in der welt ist doch nur eine Erfindung der "Gutmenschen"!

    Josef Obermaier
    137
    22.10.2009, 11:25
    Lieber Herr Chalupka


    Lieber Herr Chalupka, sie waren in die letzten Asylfesetzeswerdungen via Menschenrechts-Beirat eingebunden, haben dort Schlupflöcher hineinreklamiert und diese Schlupflöcher via "Rechtsberatung" bis zur Pervertierung des zugrundeliegenden Gesetzeswillen ausgenützt um eindeutig entschiedene "Asyl"fälle juristisch zu perpetuieren.

    Das Ergebnis war für Österreich wie auch für den Grundgedanken des Alsyrechtes mehr als unbefriedigend.

    Jetzt hat Fekter einen Entwurf ausgearbeitet und beschließen lassen, der ihre Bedenken nicht voll berücksichtigt. Gestatten sie auch dieser Novelle, genauso wie die vielen von ihnen und ihren Freunden geprägten, die Möglichkeit in der Praxis zu beweisen was sie können.

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    Posting 1 bis 25 von 66
    1 2

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