Präsidenten- und Parlamentswahl sowie Referendum über umstrittenes Gesetz am Sonntag
Montevideo- Etwa 30.000 Menschen haben am Dienstag (Ortszeit) in
der uruguayischen Hauptstadt Montevideo für die Bestrafung von Militärs und
Polizisten wegen Menschenrechtsverbrechen während der Militärdiktatur
(1973-1985) demonstriert. Redner riefen die Uruguayer auf, bei einem Referendum
am kommenden Sonntag für die Aufhebung eines Amnestiegesetzes für solche
Straftaten zu stimmen, das die uniformierten Straftäter seit 1986 schützt. Das
Referendum findet parallel zu den Präsidenten- und Parlamentswahlen sowie einem
weiteren Referendum über das Wahlrecht von Uruguayern im Ausland statt.
Auch der Oberste Gerichtshof des südamerikanischen Landes hatte das
Amnestiegesetz am Vortag für verfassungswidrig erklärt. Nach einer Besonderheit
des uruguayischen Rechtssystems hat diese Entscheidung jedoch zunächst nur
Bedeutung für den konkreten Fall, in dessen Zusammenhang die Richter zu
entscheiden hatten. Vertreter von Menschenrechtsgruppen wie Mirta Leites sagten
jedoch, die Entscheidung bekräftige gleichwohl die Notwendigkeit, die Amnestie
so schnell wie möglich aufzuheben.
Kurz vor der Demonstration hatten sechs Kinder von verschwundenen Opfern der
Diktatur das Referendum als "einzigartige Chance" bezeichnet, künftige
Menschenrechtsverletzungen durch den Staat zu verhindern. Während der Diktatur
ließen die Militärs etwa 120 ihrer Opfer für immer verschwinden, sperrten
hunderttausende Menschen ein und folterten viele von ihnen. Umfragen zufolge ist
die für einen Erfolg des Referendums notwendige Mehrheit von 50 Prozent plus
eine Stimme fraglich. (APA)
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