Auslaufmodell Schulskikurs

21. Oktober 2009, 19:26
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Seilbahnwirtschaft und Bundesländer motivieren Lehrer und Kinder

Bergab geht es in der Statistik der Wintersportwochen. Immer weniger Kinder fahren auf Skiwoche. Das zeigt der alle drei Jahre erscheinende Bericht "Zur Situation der Schulveranstaltungen mit bewegungserziehlichem Schwerpunkt an österreichischen Schulen" des Unterrichtsministeriums: 2005/2006, im letzten erfassten Schuljahr, entfielen 52 Prozent oder 3077 der 5929 sportlichen Schulveranstaltungen auf Winteraktivitäten, verglichen mit 1999/2000 sind das 400 Veranstaltungen weniger. 148.240 Schülerinnen und Schüler aller Schulformen nahmen an Wintersportwochen teil, das sind 14 Prozent aller Schülerinnen und Schüler, etwa gleich viele wie 1975.

"Wintersportwochen sind zu teuer", begründet der Vorsitzende des Wiener Elternvereins für Pflichtschulen, Andreas Ehlers, das schwindende Interesse. Skiwochen kosten zwischen 150 und 350 Euro, je nach Bundesland werden sozial schwachen Familien Unterstützungen angeboten. Zu hoch seien, so Ehlers, vor allem die Nebenkosten wie jene für den Transport. Auch bei den Skipässen "könnte sich der Tourismus anstrengen, Skipässe sollten gratis sein".

Der Elternvertreter sieht aber noch einen anderen Grund für den Abwärtstrend: "Offensichtlich hat der Skisport einen anderen Stellenwert bekommen." Viele Jugendliche können nicht Ski fahren "und fragen sich, wie meine Tochter, warum sie eine neue Sportart lernen sollen".

Es sei das Vorbild der Eltern, das fehle, sagt Conny Berchtold, Fachinspektor für Bewegungserziehung und Sport beim Vorarlberger Landesschulrat. "Eine ganze Generation hat ausgelassen. Die jungen Eltern von heute waren schon selbst nicht im Skikurs."

Vor 15, 20 Jahren hätten die Bergbahnen Schulskikurse "eher als Belastung" gesehen, sagt Berchtold, "heute denkt man zum Glück wieder anders". Man versuche die Lehrer und Kinder für das Winter-Naturerlebnis zu begeistern und "über die Kinder die Eltern wieder auf die Pisten zurückzuholen".

Die Wirtschaftskammern wollen mit speziellen Angeboten den Abwärtstrend stoppen. Die "Go for Ski - school days", großteils kostenlose Schulskitage, werden in allen Bundesländern durchgeführt und bringen jährlich rund 50.000 Kinder in die Skigebiete. In den Bundesländern Kärnten und Tirol werden Gratis-Skiwochen oder Schulskitage angeboten, der steirische Tourismus geht mit Gratis-Skipässen in die "Schulskikurs-Offensive", Salzburg bietet regional unterschiedliche Preisreduktionen, Oberösterreich bemüht sich mit Gratis-Skitagen um Pistenflöhe, Niederösterreich und Wien ermöglichen Skitage zum Minipreis. In Vorarlberg lädt die Comic-Figur Flocke Volksschüler zum Skischnuppern, Gratisskitage gibt es auch für Erstklässler der Haupt- und Mittelschulen.

Auch der Kostenfaktor Ausrüstung lässt sich durchaus minimieren - durch Kauf bei Wintersport-Basaren oder günstige Leihangebote des Fachhandels extra für Schul-Skiwochen. (Jutta Berger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.10.2009)

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