Pum: "Jede Zeit hat ihre Helden"

21. Oktober 2009, 18:51
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Hans Pum ist seit mehr als einem Jahrzehnt als Sportdirektor für Österreichs alpinen Skilauf zuständig. Pum über fehlende Zugpferde und Abfahrer Raich

Standard: Was erwartet die Sportdirektion von der Saison?
Pum:
Bei Olympia fahren wir in jeder Disziplin um eine Medaille mit. Wir fahren auch um die Einzelweltcups. Und im Gesamtweltcup schätze ich Benni Raich am höchsten ein. Bei den Damen wird es schwierig. Marlies Schild muss nach der Verletzung schauen, dass sie überhaupt Slalom fahren kann. Niki Hosp war ja auch verletzt.

Standard: Gibt es außer Raich jemanden, der Svindal fordern kann?
Pum:
Ja, da hast du ein paar.

Standard: Österreicher?
Pum:
Österreicher sehe ich momentan sonst keinen, der um den Gesamtweltcup mitfahren kann.

Standard: Kann Raich eine Abfahrt gewinnen?
Pum:
Freilich. Nur ist jetzt die Zielsetzung, dass er in den technischen Bewerben, in der Kombi und im Super-G wieder punktet.

Standard: Mit Hermann Maier und Renate Götschl sind Zugpferde weg. Kann das ein Vorteil für andere ein?
Pum:
Kaum. Die zwei haben zusammen mehr als 80 Rennen gewonnen. Das ist schwer zu ersetzen. Aber jede Zeit hat ihre Helden.

Standard: Stellt Österreich auch heuer die stärkste Mannschaft?
Pum:
Wir wollen zum 20. Mal in Folge den Nationencup gewinnen. Die Schweiz hat hohe Prämien ausgesetzt, dass sie einmal gewinnt. Das hatte sie auch voriges Jahr. Wir haben trotzdem doppelt so viele Punkte gehabt wie die Zweiten und Dritten zusammen.

Standard: Es wird viel über Typen gesprochen, die nicht nur durch Siege, sondern auch durch ihre Art begeistern. Gibt der Skiverband auch eine Ausbildung in diese Richtung?
Pum:
Jetzt müssen Sie mir einmal sagen, wo es die Ausbildung gibt, dass man ein Typ wird.

Standard: Gibt es wohl nicht, aber gibt es eine präsidiale Vorgabe, was die Zahl von Medaillen und Kugeln betrifft?
Pum:
Bei den Medaillen sind es wie immer sechs bis acht. Voriges Jahr haben wir das nicht erreicht.

Standard: Wen schätzen Sie stärker ein, Herren oder Damen?

Pum: Im Vorjahr haben alle gesagt, wie schlecht die Herren sind, dabei haben sie die letzten drei Jahre gleich viel gewonnen, ein Drittel aller Rennen. Weil man bei der WM im Speed-Bereich nichts gewonnen hat, ist alles verteufelt worden. Bei den Damen haben wir vor zwei Jahren 23 Siege gehabt, voriges Jahr fünf, da hast du nicht viel gehört. Interessant. Bei den Herren hat es letztes Jahr 23 verschiedene Sieger gegeben, bei den Damen 16 verschiedene Siegerinnen.

Standard: Breite Spitze.
Pum:
Im Vorjahr gab es 17 neue Sieger. Es wird von allen alles gemacht für eine große Breite. Man darf aber nicht vergessen, dass man Heros braucht, in jeder Sportart. (Benno Zelsacher, DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 22. Oktober 2009)

ZUR PERSON: Der Oberösterreicher Hans Pum (55) begann 1977 als Kondi-Trainer, war Slalomcoach, Rennsportleiter, fürs Marketing zuständig. Direktor Sport Alpin seit 1996.

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    ÖSV-Sportdirektor Hans Pum steht ein Winter ohne Zugpferde ins Haus.

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