Casinos-Chef folgt Wallner

22. Oktober 2009, 20:03
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"Ist ehrenvolle Aufgabe" - Vorarlberger gilt als hervorragender Netzwerker und ist begeisterter Bergsteiger

Wien - Casinos-Austria-Chef Karl Stoss hat einen weiteren Gipfel seiner Karriere erklommen. Der 52-jährige Vorarlberger wurde am Freitag zum Präsidenten des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) gewählt. Stoss war auch schon im Berufsleben Leo Wallner nachgefolgt, der hervorragende Netzwerker und begeisterte Bergsteiger soll das ÖOC wieder in ruhiges Fahrwasser führen.

"Er ist gut vernetzt, sportaffin und eloquent. Wichtig ist, dass er das ÖOC auf neue Beine stellt und die olympische Bewegung wieder auf Vordermann bringt", hatte Sportminister Norbert Darabos Stoss schon vor dessen Wahl charakterisiert. Dem Casinos-Chef werden ausgezeichnete analytische Fähigkeiten und große Zielstrebigkeit attestiert.

"Ich freue mich riesig über diese ehrenvolle Aufgabe, sie ist mit einer großen Herausforderung verbunden", erklärte Stoss nach der einstimmigen Wahl durch die 38 anwesenden Vertreter der Dach- und Fachverbände. Er sei froh, dass er auch Gelegenheit habe, eigene Ideen zu den neuen Strukturen einzubringen.

In der Freizeit haben es dem dreifachen Familienvater die Berge angetan. Er war auch als Wasserballer und Schwimmer aktiv. Zu seinen Bergkameraden gehören unter anderem der österreichische Parade-Alpinist Peter Habeler und sein Kollege Friedrich Stickler. Bezwungen hat Stoss unter anderem den Kilimandscharo (mehrmals), den fast 6.000 Meter hohen Cotopaxi in Ecuador und zuletzt den Volcan Llullaillaco in Argentinien. Auch der Himalaya ist ihm nicht fremd.

Die Unterstützung der Bergrettung durch Casinos und Lotterien ist daher naheliegend. Einmal im Jahr laden Stickler und Stoss Vertreter aus Politik, Medien und Wirtschaft zur "Edelweiß-Bergtour" für wohltätige Zwecke. Heuer ging es dabei nach Lech am Arlberg.

Als "Spieler" zeigt der Casino-Boss seine Verbundenheit mit dem "Ländle": Zum Jassen trifft er sich unter anderem mit ORF-Informationsdirektor Elmar Oberhauser und Kardinal Christoph Schönborn - beide ebenfalls mit Vorarlberger Wurzeln - beim "Kirchenwirt", wie das Feinschmeckerlokal Do & Co am Wiener Stephansplatz bei den Stammgästen auch genannt wird.

Stoss wurde am 26. November 1956 als viertes von fünf Kindern eines Versicherungsvertreters geboren. Er studierte Betriebswirtschaft in Innsbruck und schloss dort das Doktoratsstudium ab. Gestartet hat er seine Karriere bei der Vorarlberger Landesversicherung in Bregenz. Von 1986 bis 1996 war er Partner und Bereichsleiter im Management Zentrum St. Gallen. Ein Kollege von damals ist Spar-Boss Helmut Drexel, ebenfalls ein gebürtiger Vorarlberger.

Seine Stationen in der Wirtschaft hatten Stoss danach unter anderem in die Österreichische Postsparkasse (PSK), die Raiffeisen Zentralbank (RZB) und in die Generali Vienna Versicherung geführt. Von 1996 bis 1997 war er Konsulent bei der Österreichischen Postsparkasse (PSK), dann ab 1997 stellvertretender Generaldirektor der Bank. Nach der Übernahme durch der PSK durch die BAWAG wurden ihm Friktionen mit dem damaligen BAWAG-Chef Helmut Elsner nachgesagt. Stoss ging zu Raiffeisen, wo er von 2001 bis 2004 im Vorstand der Raiffeisen Zentralbank (RZB) war.

Sein nächster Job führte ihn erstmals an die Spitze eines Unternehmens: Stoss wurde 2005 Chef der Generali Vienna, der Österreich-Tochter des italienischen Versicherungsriesen, die damals im Konzern auch noch für Osteuropa verantwortlich war. Seit Mai 2007 ist Stoss, der auch als Geschäftsführer der Österreichischen Lotterien fungiert, als Nachfolger von Leo Wallner Generaldirektor der Casinos Austria.

"Es hat keiner Überredungskunst bedurft, ihm das Amt des ÖOC-Präsidenten schmackhaft zu machen", erklärte Wallner nach der Wahl. Er hatte seinen "Kronprinz" schon länger auch als Nachfolger im ÖOC im Auge. Der Wechsel an der Spitze kam allerdings rascher als erwartet. Stoss hat als Gast bei Spielen schon Olympia-Luft geschnuppert, Wallner hält den Vorarlberger für die Idealbesetzung an der ÖOC-Spitze. "Ich habe ihn bei Olympischen Spielen beobachtet. Er hat gezeigt, dass er eine Liebhaberei für den Sport hat und er kommt bei den Sportlern mit seiner geradlinigen Art sehr gut an." (APA)

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