Deutsche Bahn stellt Weichen auf Sparschiene

21. Oktober 2009, 17:43
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13.000 DB-Arbeitsplätze gefährdet, bei ÖBB sind es 4000

Berlin/Wien - Bei der Deutschen Bahn (DB) stehen mittelfristig bis zu 13.000 Stellen zur Disposition. Davon geht zumindest der Vorsitzende der Verkehrsgewerkschaft Transnet, Alexander Kirchner, aus. Bisher waren lediglich Zahlen der Güterbahn DB Schenker genannt worden, die zwischen 4000 betroffenen Stellen von Unternehmens- und rund 7000 von Gewerkschaftsseite schwankten. Begründet wird der Stellenabbau mit der Wirtschaftskrise und Rationalisierungsmaßnahmen.

Die Zahl resultiert offenbar aus Überlegungen der DB zur Mittelfristplanung, die jeweils im Herbst für fünf Jahre neu ausgerichtet wird und im Dezember vom Aufsichtsrat gebilligt werden soll. Die mögliche Streichung tausender weiterer Stellen wird laut Kirchner unter anderem mit der notwendigen Reaktion auf die aktuelle Wirtschaftskrise gerechtfertigt. Die DBbeschäftigte Ende 2008 rund 240.000 Mitarbeiter, davon knapp 180.000 bei der Tochter Mobility Logistics AG. Transnet spricht von 180.000 "Eisenbahnern" , also Mitarbeitern, die mit Schienenverkehr im weitesten Sinn beschäftigt sind.

Die Planer gehen laut Kirchner zurzeit davon aus, dass das Gütervolumen auf der Schiene 2011 immer noch um elf Prozent unter dem von 2008 liege. DB-Vorstandsmitglieder hatten bereits erklärt, dass bei dem erwarteten Anstieg der Arbeitslosigkeit auch der Personenverkehr betroffen sein dürfte. Dennoch wolle die Bahn offenbar die zu erzielenden Werte so hoch setzen, dass in dem Planungszeitraum die Kapitalmarktfähigkeit wieder erreicht wird.

Das für Transport und Logistik zuständige DB-Vorstandsmitglied Karl-Friedrich Rausch hatte zuletzt von knapp 4000 Menschen gesprochen, für die während und nach der Krise keine Arbeit mehr da sei. Die Gewerkschaft sprach von bundesweit 6000 bis 7000 Stellen. Das unter DB-Chef Rüdiger Grube gestartete Programm zur Strukturanpassung namens react09 umfasst möglichen Stellenabbau auch in anderen Konzernbereichen, sodass sich die Zahl laut Gewerkschaftskreisen auf 10.000 summiert. Weitere 1500 Stellen seien in der Verwaltung betroffen. Die Zahl der Kurzarbeiter bei DB Schenker Rail seit März bezifferte Kirchner mit 10.000. Er hält das Programm dieser strukturellen Anpassung für eine "Überreaktion auf die Krise" . Es sei "völlig falsch" , sich jetzt aus der Fläche zurückzuziehen, sodass bei einem Wiederanziehen des Wachstums die hinzukommenden Mengen nicht transportiert werden könnten. Die Gefahr von Arbeitslosigkeit sei für Betroffene nicht akut, beruhigt Gewerkschafter Kirchner, weil die DBein Beschäftigungsbündnis mit den Gewerkschaften geschlossen hat, das bis Ende 2010 läuft. Laut DB-Chef Grube konnten drei von vier Arbeitsuchenden innerhalb des Konzerns vermittelt werden.

Sparschiene in Österreich

Der Rückzug aus der Fläche, also die Stilllegung von bis zu 56 Regional- und Nebenbahnen (das sind 1600 Kilometer Schienen), durch die ÖBB sorgt auch in Österreich für Unruhe. Eine Entscheidung darüber steht ebenso in den Dezember-Aufsichtsratssitzungen an wie über das von Berater Roland Berger erarbeitete Restrukturierungskonzept. In Rail Cargo Austria (RCA), Traktion, Verschub, Technische Services und Personenverkehr wackeln rund 4000 Stellen. Das beunruhigte den Nationalrat nicht, dort stritt man am Mittwoch darüber, wer an der ÖBB-Krise schuld sei. (AP, ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.10.2009)

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