Nicht ausverkauft – trotz Hamsterkäufern

21. Oktober 2009, 19:11
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Mit jeder Viennale geht auch das große Kartenjagen los

Wien - Ein Filmfestival ist eben mehr als die Summe seiner Filme: Ein paar Tage nach Beginn des Vorverkaufs ist das anfängliche Server-Koma inklusive Stillstand des Telefon-Ticketings fast schon wieder vergessen. Und wer sich beim mehrstündigen Anstellen im Jonasreindl Frostbeulen holte, zeigt diese nun stolz im Freundeskreis herum: Seht her, was mir mein Antichrist wert war.

Im Internet bieten Fans die vor ein paar Tagen noch rasend begehrten Tickets bereits zum Weiterverkauf an. Bei der heuer erstmals eingerichteten Ticket-Tauschbörse auf dem Webportal des Radiosenders FM4 scheinen manche User ihren gesamten Kartenbestand loswerden zu wollen. Um Gewinnmargen geht es dabei nicht: Die Preise liegen im Schnitt unterm Einzelverkaufswert.
Das kann sich im Lauf des Festivals freilich noch ändern. Bisher scheint zwar noch niemand auf die Idee gekommen zu sein, begehrte Tickets aufzukaufen, um sie auf Ebay zu verscherbeln, "aber wir beobachten das sehr genau", sagt Viennale-Pressesprecherin Katharina Sekulic. Schließlich gab es schon immer Fans, die sich pünktlich zum Gong beim Kartenverkauf einfanden und um Tickets für jene Filme zitterten, die wenig später ohnehin regulär im Kino liefen.

Was in den ersten Stunden verkauft wird, ist aber ohnehin nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was das Festival zu bieten hat. Zu Vorverkaufsbeginn zählen großer Name und großer Raum: "Namhafter Filmemacher, im Gartenbaukino am Wochenende, zur Hauptabendzeit" sei der Topseller, heißt es im Viennale-Telefonticketing.

Restlos ausverkauft ist bislang aber nur jeder fünfte Spielfilm des regulären Programms, deutlich besser sieht es bei den Kurzfilmen aus, und was die Retrospektive betrifft, sind noch alle Termine buchbar.

Eine kleine Gruppe von Filmfans ohne strenge Geschmacksgrenzen setzt seit längerem auf die Selbstüberschätzung der Hamsterkäufer. Er habe in den vergangenen Jahren „immer mindestens drei, vier super Filme" gesehen, weil Bekannte im letzten Moment doch keine Zeit hatten, erzählt Rainer Berger, Student aus Wien. Berger ist Second-handkäufer aus Überzeugung: "Ich brauch kein Filmprogramm lesen und hab trotzdem eine Empfehlung. Und noch dazu eine von Leuten, die ich kenne." (Maria Sterkl, DER STANDARD/Printausgabe, 22.10.2009)

  • Karten gesichert: Viele Termine sind noch zu haben.
    foto: maria sterkl

    Karten gesichert: Viele Termine sind noch zu haben.

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