Werte in Hülle und Fülle

21. Oktober 2009, 16:56
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Die seltenen Stücke der großen Modeklassiker legen kontinuierlich an Wert zu. Bereits getragene Teile - Vintage - gewinnen in der Gunst

Wenn Stars in langen, wallenden Roben aus den kostbarsten Stoffen über den roten Teppich schreiten, sind sie zugleich Werbeträger der berühmtesten Designer aus Paris, Mailand und New York. Seit Julia Roberts zur Oscar-Verleihung 2001 in einem Vintage- (bereits getragenen und mehrere Jahre alten) Valentino-Kleid für Furore sorgte, müssen es längst nicht mehr Kleider aus den neuesten Kollektionen sein. "Dieser Auftritt trat in den Vereinigten Staaten und Japan einen Haute-Couture-Vintage-Trend los, der in Europa erst jetzt an Schwung gewinnt", beobachtet Courtenay Smith, Modespezialistin im Münchener Auktionshaus Neumeister.

Dass wertvolle Originalstücke von klingenden Namen wie Chanel, Yves Saint Laurent oder Dior nicht nur aufgehoben, sondern gezielt gesucht und wieder getragen werden, sei dabei das Novum, sagt Smith. Gemeinsam mit der Nachfrage steigen die Preise für Kleider, die man nur mit sehr viel Glück in Secondhand-Läden findet. "Für Klassiker wie besonders frühe Stücke von Coco Chanel oder ausgefallene, fast als Kunst aufgefasste Werke von Paco Rabanne wird diese Tendenz anhalten", prognostiziert Smith Wertzuwächse.

Wertvolle Celebrities

Dass Celebrities wie Roberts und Penelope Cruz in Vintage-Klassikern glänzen, fördere diese Entwicklung zusätzlich. Ebenso wichtig sei jedoch, wer die zum Verkauf stehenden Kleider bereits getragen habe. "Jackie Kennedy Onassis oder Marilyn Monroe gelten nach wie vor als Stilikonen. Ihre Namen ziehen immer noch die Preise an", sagt Smith. Bei jüngeren Designern und Modehäusern sei die Preisentwicklung jedoch davon abhängig, was gerade envogue ist.

"Der aktuelle Hype um die 80er-Jahre hat auch Originalkreationen aus dieser Zeit zu einem Comeback über den Vintage-Markt verholfen", kommentiert Smith. Auf der von ihr kuratierten Münchener Auktion im Juli 2009 erzielten Kleider von Pierre Cardin Preise um 2500 Euro. Auch mit Kreationen von Missoni, Moschino oder Gucci deckt man sich wieder ein, um sie mit Zeitgenössischem zu ergänzen. Selbst der Modeschmuck dieser Marken aus den 80er-Jahren bringt über 200 Euro.

Nicht nur der Name des Designers, das Modehaus, die Epoche oder ihre Ausgefallenheit macht Einzelstücke zu begehrenswerten Sammlerobjekten. "Für seinen materiellen Wert kommt es stark auf den Zustand des Stückes an", weiß die Expertin. Je weniger es von seinem Originalzustand abweiche, umso besser: Die Knöpfe sollen echt und vollständig sein, der immer noch erste Reißverschluss funktionieren, das Originaletikett und eventuell die Stücknummer vorhanden. Gesammelt werden nicht nur die großen Roben, Kleider oder Mäntel. Vor allem Handtaschen spielen auf dem Vintage-Markt eine große Rolle. Hermes-Kreationen wie die Birkin-Bag oder die Kelly-Bag wechseln um über 5000 Euro ihren Besitzer. Selbst die schweren Koffer von Louis Vuitton aus den 1930ern bringen zurzeit über 4000 Euro ein.

"Diese Objekte macht auch ihre Haltbarkeit so interessant für Sammler", sagt Annemarie Bönsch vom Institut für Kostümkunde an der Wiener Hochschule für Angewandte Kunst. "Textilien sind sehr fragile Objekte. Besonders sensible Stücke müssen möglichst finster und vorsichtig aufbewahrt werden, sie zerfallen sonst", betont die Modehistorikerin.

Inspiration für Studenten

Die Kleider der Institutssammlung werden nicht mehr getragen. Österreichische Kleinode wie Kleider von Fred Adlmüller oder elegante Kostüme von Gertrud Höchsmann werden erhalten, ausgestellt und dienen den Studenten als Inspiration. "Institutionelle Sammler legen andere Kriterien als Privatsammler an. Wir konzentrieren uns auf den Bezug zur Hochschule", erläutert Bönsch. Nicht nur gestalterische, sondern auch technische Entwicklungen sollen dokumentiert werden - die nicht immer Verbesserungen bringen, wie Courtenay Smith bestätigt: "Viele Sammler schätzen Vintage-Kleider auch deshalb, weil sie einfach meisterhaft gearbeitet und heute leistbar sind." (Martina Bachler, DER STANDARD, Printausgabe, 22.10.2009)

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