Mit Macht spielen

22. August 2009, 11:53
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Ein paar Überlegungen über das Vermögen, sich in Spielen durchzusetzen.

"Der Spieler soll die Macht spüren", sprach Peter Molyneux, Chef des von Microsoft aufgekauften Studios Lionhead vergangene Woche auf der Gamescom und bewarb damit den angekündigten dritten Teil der "Fable"-Adventure-Reihe.

 

In "Faible III" soll der Spieler mit dem Fühlen von "Macht" überrascht werden und Emotionen sollen eine Rolle spielen. Als Revolutionär sind Versprechungen zu machen, um Gefolgsleute zu binden. Aufgestiegen zum König oder zur Königin, konfrontiert mit den nunmehrigen Untertanen, müssen Entscheidungen fallen, zum Vor- oder Nachteil des Volkes. Köpfe abschlagen oder für die Leute sorgen? Man soll die Auswirkungen der Entscheidungen erfahren, in theaterhaft ausgeklügelten Szenen. Hört sich durchaus nach einem kommenden Meilenstein der Videospiel-Geschichte an.

Aber ohne jetzt allzuviel auf dem Werbespruch Molyneux' herumreiten zu wollen, und ganz grundsätzlich: Kann in Videospielen Macht erfahren werden? Die Frage lohnt deshalb, weil ein gängiger Grund, der von Psychologen für Spielesucht angegeben wird, eine Frage von Macht ist: In einer berechenbaren Welt, in der man die Regeln kennt, können sich Jugendliche geborgen fühlen, sagen sie, während die Kids in der realen, unberechenbaren Welt vor allem Machtlosigkeit erfahren.

Wir wollen trotzdem nicht glauben, dass Molyneux orientierungslose Leute zur Weltflucht in die schöne "Fable"-Welt verführen will, um dort den Mangel an real-life-Macht zu kompensieren. Es mag ein revolutionärer Schritt sein, große Entscheidungsfreiheit in einem Spiel zu erreichen und die entsprechenden Folgen vor Augen geführt zu bekommen. Trotzdem bleibt es nicht mehr als ästhetisches Abbild von Macht, wie in Filmen, noch ergänzt mit der Erfahrung, ein vorgefertigtes Regelwerk manipulieren zu können.

Machtgewinn im Spiel könnte man vielleicht Multiplayer-Games zugestehen, aber auch nur dann, wenn man den Spielern dort eine soziale Beziehung zueinander zugesteht. Immerhin kann man dort Leute als "Noob" beschimpfen ...
(Macht ist nach der gängigen Definition des Soziologen Max Weber, "jede Chance innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance besteht.")

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