Die Digitalisierung des Boulevard

13. August 2009, 16:04
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SevenOne bemüht sich redlich, Fernsehinhalte des Mutterkonzern ProSiebenSat.1 als Videospiele unters Volk zu bringen.
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Noch nicht tief genug im Mediensumpf versunken? Tiefer geht immer. Es gäbe da zum Beispiel noch ein paar Belanglosigkeiten, mit denen man sich den Fernsehschrott auf den Computer oder die Konsole holen kann. Vorreiter solcher Infizierungen ist das Unternehmen SevenOne. Das Multimedia-Unternehmen der ProSiebenSat.1-Gruppe streut spielerisches Begleitprogramm zu "Galileo Mystery", "Germanys next Topmodel" und "Anna und die Liebe" und bietet daneben noch Finanzkrisenkompensation wie "Gina-Lisa Powershopping". (Sollte es jemand da draußen nicht wissen, Gina-Lisa ist eine ehemalige Kandidatin von "Germanys next Topmodel". Mit ihr muss man auf der Nintendo DS virtuelle Kleidung für Partys kaufen.) Die fortschreitende Digitalisierung des Boulevard holt nun endgültig auch jene von zu Hause ab, denen die "World of Warcraft" zu kompliziert, die für "Halo" zu jung und denen "Gehirn-Jogging" zu intellektuell ist.

Das Oktoberfest, über das die Sender des TV-Konzern zweifellos mit übertriebenen und übertrieben vielen Reportagen, Tratsch und Promibildern aufwarten wird, bleibt von der Multimedia-Sparte auch nicht verschont. Auf der Nintendo DS stellt "Oktoberfest – das offizielle Spiel zur Wiesn" Schenkelklopferunterhaltung in fünf Sprachen zur Verfügung: "Typische Festspiele" wie "Hau den Lukas", "Fingerhakeln" oder "Schuhplattler" (Bild) bewirbt die Aussendung von SevenOne, außerdem "Dirigieren" der Partyband und "Kellnern". Einer der unzähligen Clous des Spiels: "Je mehr gespielt wird, desto schneller sinkt die Bierskala im Maßkrug, die zugleich seine Lebensenergie darstellt." Ich befürchte, in diesem Fall sollte man doch auf die Real-life-Variante dieser Lebensenergie bauen. – Vielleicht sogar eine Grundvoraussetzung, um solche Spiele interessant zu finden. Kostenpunkt: 30 Euro.

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