Die Politik der Explosion

24. September 2008, 18:43
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Vom Versuch, im Ballerspiel "Mercenaries 2: World in Flames" politische Aspekte zu finden

 

Auf dem Cover des Spiels steht groß "Action und Zerstörung pur" und "Payback". Abgebildet ist ein Mann mit Irokesenschnitt und Zopfbart, der mit den Zähnen eine Handgranate entsichert. Ganz klein ist zu lesen, dass zum Spielen eine Internetverbindung benötigt wird. "Mercenaries 2: World in Flames" zählt nicht gerade zu den attraktivsten Titeln des Jahres.
Aber immerhin schrieb die angesehene Netzzeitung "Telepolis", dass man das Spiel als "politische Aufklärung" verstehen könnte, weil es um Rache, Geld und Erdöl geht. Ist es also vielleicht doch die 50 Euro (PC) bzw. 60 Euro (XBox, PS 3) wert?

"Er liebt es, wenn Regierungen stürzen und alles im Chaos versinkt." – Die Charakterisierung der Hauptfigur Mattias Nilsson klang schon sehr nach politischer Aufklärung. Ihn zu steuern, bedeutet möglichst große und möglichst viele Explosionen hervorzurufen, während er seine immergleichen Sprüche klopft. Das Politische kommt ins Spiel, weil am Schauplatz Venezuela geballert wird, weil es US-Ölfirmen, Guerilla-Gruppen und einen Regierungschef gibt, der sich eben erst ins Amt geputscht hat. Als Spieler kann man Aufträge für die verschiedenen Gruppen erledigen. Den Putschisten zu verfolgen ist Ziel des Spiels, aber nicht aus politischen Gründen, sondern - weil er Mattias in den A…Allerwertesten geschossen hat.

Aber wirklich politische Aufklärung? Mercenaries spielt mit Stereotypen von Söldnern, Ölkonzernen, Freiheitskämpfern, von politischen Krisenregionen. Stereotypen, die einer Medienwelt stammen, und die sich nur über deren Vermittlung auf die Wirklichkeit beziehen. Die satirischen und zynischen Anklänge könnte man zur Not als "Aufklärung" verstehen, blieben sie nicht in hohler Übertreibung stecken.

Manchen Werken muss man die Oberflächlichkeit, die sie repräsentieren, einfach zugestehen. Mercenaries hat sich einiges von den einfallsreichen, offenen Welten der GTA-Reihe abgeschaut, bleibt aber trotzdem ein recht konventionelles und etwas lieblos umgesetztes Ballerspiel, wenn auch im zeitgemäßen Outfit.

Dass mich der PC per Bluescreen mehrmals darauf aufmerksam machte, dass bald eine neue Grafikkarte fällig ist, verschuldet wahrscheinlich weniger das Spiel als das Betriebssystem. (Man darf drei Mal raten, welches.)


Telepolis: www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28640/1.html

Mercenaries: www.mercs2.com

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