Männerberatungsstellen reagieren

22. Oktober 2009, 11:49
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Offener Brief an Soziologen Amendt, der Frauenhäuser als "Hort des Männerhasses" bezeichnet hat: "Keinerlei Zweifel an Existenzberechtigung"

Wegen der anhaltenden Angriffe des in Wien lebenden Professors Gerhard Amendt von der Uni Bremen gegen die Frauenhäuser (nachlesen) haben die Männerberatungsstellen Österreichs nun einen Offenen Brief an den Soziologen gerichet. Im Folgenden lesen Sie den Brief in genauem Wortlaut.

"Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Amendt,

Aus den Medien haben wir von Ihrer Forderung erfahren, Frauenhäuser abzuschaffen, u.a. da diese nicht der Problem von Gewalt in Beziehungen angemessen seien und dort Hass auf Männer gepredigt werde.

Die Arbeitsgemeinschaft der Männerberatungsstellen und Männerbüros Österreichs ist ein Zusammenschluss von Einrichtungen und Institutionen, die zum Teil bereits seit 25 Jahren in der männerspezifischen Psychotherapie und Beratung, Jugend- und Bildungsarbeit tätig sind. Wir bieten Männern zu einer breiten Palette an Themen Rat und Hilfe. Von Beginn an stand dabei auch die Arbeit mit jenen Männern im Brennpunkt, die in ihrer Beziehung gegen ihre Partnerin und/oder Kinder Gewalt anwendeten. Professionelle Arbeit mit diesen Männern ist nötig, um dem evidenten Problem von Gewalt in Partnerschaften durch Männer entgegen zu wirken. Der Bedarf an Beratungen und Gewalttrainingsprogrammen, der österreichweit gegeben ist, zeigt, dass es sich hier um eine ernst zu nehmende gesellschaftliche Problematik handelt.

Solange es eine gesellschaftspolitische Benachteiligung von Frauen gibt und Männer die Botschaft erhalten, dass Einschüchterung, Bedrohung und Ängstigung anderer Menschen ein legitimes Mittel ist, Interessen durchzusetzen, wird es Gewaltprobleme von/mit Männern geben. Die gesellschaftliche Stellung von Männern und das kulturell vermittelte Rollenbild wie Männer sich verhalten, stehen in engem Zusammenhang zum Gewalthandeln von Männern. Deshalb ist gendersensible Arbeit zu diesem Thema dringend nötig: dazu gehören auch unsere vielfachen Erfahrungen mit dem Leugnen, Bagatellisieren, Abstreiten und Herunterspielen der Taten, in der sich die mangelnde Fähigkeit widerspiegelt, die Folgen des eigenen Handelns zu erkennen.

Darüber hinaus arbeiten wir auch mit Männern, die Opfer von Gewalt in verschiedenster Form geworden sind, sei es im öffentlichen Raum, in der Familie, in Partnerschaften etc.. Keine Form der Gewalt lässt sich gegen eine andere aufrechnen, da dadurch nichts ungeschehen gemacht werden kann. Jede Form dieser Traumatisierung braucht einen eigenen spezifischen Rahmen der Aufarbeitung. Die geschlechtssensible Aufarbeitung ist in vielen Fällen ein zentrales Qualitätskriterium.

Unsere Arbeit mit Männern, die Gewalt gegen die Partnerinnen ausgeübt haben, führen wir in einer engen Vernetzung, Kooperation und Zusammenarbeit mit den frauenspezifischen Opferschutzeinrichtungen, Interventionsstellen, Frauenhäusern und Frauenberatungen durch. Frauenhäuser sind Einrichtungen über deren Existenzberechtigung es keinerlei Zweifel gibt!

Ihr Vorschlag diese Einrichtungen zu schließen, zeugt von Unkenntnis der Sachlage: Schutz-Räume und Einrichtungen für Frauen, in denen sie vor weiteren Misshandlungen in Sicherheit sind, wo sie traumatische Gewalterfahrungen bearbeiten und bestenfalls auch bewältigen können, sowie die Möglichkeit finden für sich neue Perspektiven zu entwickeln, sind unentbehrlich. Dass Auseinandersetzung mit dem Erlebten in einem geschützten Frauenraum stattfindet, sollte keiner weiteren Erläuterung bedürfen.

Die Kolleginnen aus der Frauen- und Opferschutzarbeit sind professionell agierende, höchsten ethischen Standards verpflichtete Fachfrauen, die quer durch verschiedene gesellschaftliche wie politische Institutionen hohe Anerkennung genießen. Ihre Professionalität bezieht sich nicht nur auf die Belange des Opferschutzes, sondern sie sind auch Mitstreiterinnen gegen den Missbrauch von Schutzmaßnahmen oder gegen verallgemeinernde Diffamierungen von Männern.

Ihre Aussage `Frauenhäuser seien ein Hort des Männerhasses´ schafft leider keine bessere Vorraussetzung um Gewalt in Beziehungen einzudämmen und sie ist mehr als entbehrlich. Auf Männerseite braucht es einen Blick der Männer auf sich selbst.
Dieser muss selbst-bewusst, verantwortungsvoll, sensibel, kritisch und politisch sein. Männer müssen sich für gleichberechtigte Geschlechterverhältnisse einsetzen und ihren Beitrag zu einem solidarischen Vertrauen von Männern und Frauen leisten.

Mit dem Ersuchen um Kenntnisnahme

AMÖ"

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