Rückenschmerzen sind die teuerste Diagnose

21. Oktober 2009, 14:09
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Experte: "Chronische Rückenschmerzen kosten das Gesundheitssystem mehr als alle Krebserkrankungen zusammen"

Wien - Das Risiko, irgendwann im Laufe des Lebens Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparates zu bekommen, liegt bei 70 bis 80 Prozent.
"Die moderne Schmerzmedizin ist durchaus in der Lage, diesem Problem mit einer Vielfalt an Behandlungsmethoden zu begegnen. Vor allem komplexe, chronische Schmerzsyndrome brauchen hier eine spezialisierte, interdisziplinäre Betreuung", sagt Peter Pauly, Vorstandsmitglied der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) aus Anlass der 9. Österreichischen Schmerzwochen.

Rückenschmerzen kommen teuer

Die entsprechende Therapie nach modernen Standards helfe nicht nur, individuelles Leid zu verhindern, sondern sei auch gesundheitsökonomisch gesehen ein Gebot der Stunde, betont der Experte in einer Aussendung der ÖSG: "Chronische Rückenschmerzen sind in den westlichen Industrienationen inzwischen die teuerste Diagnose überhaupt, sie kosten das Gesundheitssystem mehr als alle Krebserkrankungen zusammen." Das liege aber nicht daran, dass die Behandlung von Rückenschmerzen so teuer wäre - sondern daran, dass viele Betroffene gerade nicht die Behandlung bekommen, die ihnen wirklich helfen würde, kritisiert Pauly.

Falsche Behandlung

Das verursacht enorme Folgekosten: Laut Sozialversicherung sind Rückenschmerzen die häufigste Ursache von Krankenständen, Spitalsaufenthalten, Behandlungen bei niedergelassenen Ärzten und die häufigste Ursache für Frühpensionen im Alter von unter 45 Jahren. Pauly: "Das müsste nicht so sein, denn gerade beim Rückenschmerz gibt es ausreichend wissenschaftliche Beweise, wie wirksam und kosteneffizient entsprechende individualisierte Behandlungskonzepte sein können.

Basierend auf dem in den USA entwickelten Konzept der Functional Restauration wurde zum Beispiel in Göttingen ein interdisziplinäres Behandlungsmodell für Menschen mit chronischem Rückenschmerz umgesetzt." Unter dem Kürzel "SKRIP" (Salzkammergut Rücken-Intensiv-Programm) wird das auch in Oberösterreich umgesetzt.

Therapie stößt an Grenzen

Dieses Konzept, das unter anderem stark auf ein Training der Rückenmuskulatur und auf psychologische Verfahren setzt, erweise sich als sehr in punkto Behandlungserfolg und Kostenersparnis erfolgreich: "Trotz des nachgewiesenen medizinischen und ökonomischen Nutzens stoßen wir hier leider immer noch an die Grenzen des Systems. In ausreichendem Maß könnten solche volkswirtschaftlich vorteilhaften Konzepte der Rückenschmerz-Behandlung erst dann umgesetzt werden, wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür geschaffen seien, so Pauly. (red)

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