Studenten und Lehrende als Hausbesetzer

22. Oktober 2009, 10:36
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    Seit Dienstag ist - auch von aussen sichtbar - die Akademie der bildenden Künste besetzt.

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    "Education is not for sale"- Die Protestierenden stellen sich gegen die Ökonomisierung der Bildung.

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    Ein großes Plakat ziert die Säulenhalle. Manche Lehrveranstaltungen wurden in den offenen "Freiraum" verlegt.

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    "Dass es ein Junktim geben soll zwischen der Durchsetzung von Bachelor und Master und der Finanzierung ist ein womöglich gezielt gestreutes Gerücht", so der Professor Diedrich Diederichs. Dieses solle bewirken, dass die Hochschule in die Situation kommt, "ein Wohlverhalten an der Bachelor-/Master-Front, könne die Kürzung verhindern."

Die Akademie der bildenden Künste wurde aus Protest gegen den Bologna-Prozess und drohende Einsparungen besetzt

Normalerweise werden leerstehende Häuser besetzt. In Wien haben Studierende ihre Universität in Beschlag genommen. Die Akademie der bildenden Künste am Schillerplatz - genauer gesagt die Säulenhalle - ist seit Dienstag von ÖH und Senat besetzt. Schon von außen ist ersichtlich: Hier wird protestiert. Schillers Statue in der Mitte des Platzes ist umringt von großflächigen Dollar- und Euro-Zeichen am Asphalt, ein Transparent - „Education is not for sale" - hängt über dem Eingang. Die drohende Ökonomisierung der Bildung soll abgewendet werden. Nicht, weil Kunst und Ökonomie sich nicht vertragen - ein Student verweist in diesem Zusammenhang auf den kapitalistischen Kunstmarkt - sondern weil durch das Bologna-System der gesamte Bildungsbereich zu "arbeitsmarktorientierten Ausbildungsstätten" degradiert werden soll - heißt es in der Petition der Organisatoren der Akademie-Besetzung. Der Slogan "Malen nach Zahlen" ziert Johannes Hahns Konterfei die Plakate.

Säulenhalle zum "Freiraum" erklärt

Am heutigen Donnerstag steht diesbezüglich für die Akademie ein wichtiger Termin an. Rektorat und Ministerium wollen sich auf neue Leistungsvereinbarungen einigen, Budgetkürzungen werden von Studenten und Lehrende erwartet. Die Säulenhalle der Akademie wurde zum "Freiraum" und Zentrum der Besetzung in Akademie-Gebäude erklärt. Auch die Nacht wurde von einigen Studierenden hier verbracht. Hier wird diskutiert und geraucht, Plakat zieren die Wände und für Kaffee ist gesorgt. Zu Mittag durchzieht die Halle der Geruch von Suppe, eine sogenannte "Volxküche" versorgt die Protestierenden. Lehrveranstaltungen wurden teilweise in die Säulenhalle verlegt und „an die aktuelle Situation angepasst", so der ÖH-Vorsitzende René Stessl. Es ist ein friedlicher, geduldeter und von vielen Seiten mitgetragener Protest. Selbst zu Beginn der Besetzung traten keine Zwischenfälle auf.

"Bologna" und finanzielle Kürzungen

Neben den finanziellen Kürzungen scheint die Einführung Bologna-konformer Bachelor- und Master-Studiengänge für die am Protest Beteiligten am bedrohlichsten. Während der Diskussionsrunden gehen immer wieder Studierende, die gerade aus Lehrveranstaltungen kommen, durch die zentral gelegene Säulenhalle. Eine "Workshop"-Teilnehmerin ruft ihnen zu: "Ihr seid alle direkt betroffen!", ein paar mehr gesellen sich zu der Runde. Auch Lehrpersonal hat sich eingefunden. Sie diskutieren mit den Studierenden und nicht gegen sie, die Positionen sind ähnlich, Lehrende wie Studierende sind von den bevorstehenden Änderungen betroffen.

"Weitgehende Unterstützung" durch die Lehrenden

„Weitgehend wird die Aktion von den Lehrenden unterstützt. Auch der Senat hat ja gestern erklärt, dass er mit den Aktionen solidarisch ist", so Diedrich Diederichsen, Professor am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften. Der Entwicklungsplan, den der Senat der Akademie beschlossen hat und der keine Neueinführung von Bachelor- und Masterstudiengängen vorsieht, solle - so die Meinung des Senats - umgesetzt werden. Bei dem Treffen zwischen Rektorat und Ministerium gehe es aber vorrangig um die Finanzierung der Akademie. "Dass es ein Junktim geben soll zwischen der Durchsetzung von Bachelor und Master und der Finanzierung ist ein womöglich gezielt gestreutes Gerücht", so Diederichsen. Dieses solle bewirken, dass die Hochschule vermutet, "ein Wohlverhalten an der Bachelor-/Master-Front könne die Kürzung verhindern." Diederichsen sieht das Bachelor-Master-System nicht nur für die Kunstakademie als Problem.

Ein Großteil seiner Kollegen und der Studierenden lehne es wegen „grundsätzlichen" Problemen ab. „Man kann aber argumentieren, dass es für Kunstakademien besonders ungeeignet ist und dass ja auch in Deutschland die Kunstakademien vom Bologna-Prozess ausgenommen worden sind. Nur sollte man das nicht im Namen eines Kunstbegriffs, der Kunst für das komplett Andere hält, tun. Man sollte es unter der Bezugnahme tun, dass diese Maßnahmen grundsätzlich für keine Form der Lehre nützlich sind. An Kunst kann man vielleicht auch in einer öffentlichkeitswirksamen Weise deutlich machen, dass es nicht funktioniert", sagt Diederichsen im Gespräch mit derStandard.at.

"Erpressung" und "Druck"

Tobias Dörler, der den Stand der ÖH am Akademie-Eingang betreut, sieht auch bei den meisten Studierenden ein wachsendes Bewusstsein und Interesse. Es sei eine „Erpressung", die sich auch auf Studierende, die keine Änderungen im Studiensystem zu befürchten haben, auswirke (Gemeint ist der Verdacht, eine bessere Leistungsvereinbarung sei mit einer Zusage zum Bachelor-/Master-System möglich, Anm.). Man versuche möglichst viel „Druck" zu machen, damit Rektor Stephan Schmidt-Wulffen auf Seite der Studierenden stehe. Seine Position ist bei den teilnehmenden Studierenden mehr als unklar.  „Der Rektor ist schon ein paar mal hin und her gesprungen. Er ist halt dazwischen. Auf der einen Seite gibt es Hahn, der finanziell Druck macht, auf der anderen Seite gibt es die Studierenden und auch die Lehrpersonen hier im Haus, die sagen, dass sie es so nicht wollen."

Eine Studentin sagt zu den Beweggründen der Protestform: "Bei einer Besetzung geht es um mehr, nicht nur um Bachelor und Master, sondern darum sich einen Raum zu nehmen und die Universität für sich selbst zu reklamieren". Das Top-Down-Prinzip der Entscheidungen soll so durchbrochen werden.

Die Besetzung der Akademie der bildenden Künste mahnt das ein, was im Bildungsbereich oft nicht mehr selbstverständlich ist: Die Beteiligung der Studierenden und Lehrenden an der Schaffung ihrer Lern- und Lehrbedingungen. Die Besetzung soll heute zu Ende gehen. Ebenfalls für den heutigen Donnerstag sind Protestmaßnahmen geplant. Am Vormittag wollen die Studierenden vor dem Wissenschaftsministerium demonstrieren. Ab 12 Uhr  findet unter dem Titel "Die Uni brennt!" ein Demonstration im Sigmund-Freud-Park vor der Votivkirche statt. (Sebastian Pumberger, derStandard.at, 22.10.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 61
1 2
freigeist ungeist
00
25.10.2009, 10:10

Ich dachte immer, die heutigen Studenten sind lauter Egoisten. Bitte haltet durch, es geht auch um die Bildungszukunft unserer Kinder.
Volle Solidarität von einem der Euch mitfanziert.

ff7879
01
23.10.2009, 20:32
Runter mit Schmidt-Wulffen!

Wäre es nicht an der Zeit den Rektor Schmidt-Wulffen öffentlich zum Rücktritt aufzufordern? Nicht nur deshalb, weil er eine - dem vom Senat der Akademie bestätigten Entwicklungsplan - nicht entsprechende Leistungsvereinbarung unterschrieb, sondern vor allem auch, weil er die Frechheit besaß, zu behaupten, dass die Aufrechterhaltung der
bestehenden Diplomstudien gesichert sei und diese nicht durch Bachelorstudien ersetzt würden und damit den Akademieangehörigen ohne mit der Wimper zu zucken ins Gesicht log.

Oil
00
23.10.2009, 18:01
"Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung."

In diesem Sinne: Vielen Dank liebe Haupt- und Sonderschüler!

Übrigens: Das Zitat stammt von Wilhelm Busch. Nur für den Fall, dass ihr noch was lernen wollt.

Thomas Velky
123
22.10.2009, 15:57
Lachnummer

Die Akademie besetzt sich selbst. Wen soll den das beeindrucken?

Ohne Ende
00
24.10.2009, 10:20
Ja wen blos?

Am besten wir verabschieden uns von jeglicher Zivilcourage, legen die Hände in den Schoß, denn die da oben werdens schon richten... denn in Österreich, wie hoffentlich alle wissen, war das ja immer schon so, Gott schütze den Kaiser, Kanzler und... achja, nicht zu vergessen den Jörgerl...

Weckiwecki... könnten wir jetzt bitte alle mal in den Wachmodus wechseln. Es werden gezielt Desinformationen und Halbwahrheiten verbreitet. Es hat den Anschein, dass dahinter politisches Kalkül steckt. Die Universitäten werden vom Ministerium einzeln bearbeitet um mehr Druck auszuüben. Es wird versucht 2 Klassen Lehrende zu produzieren, indem man das Lehramststudium in Bachelorstudien umwandelt. Und da posten Menschen, dass die Proteste sinnlos sind?

derwilli
21
22.10.2009, 17:23

ja genau die besetzen und zahlen miete dafür hahaha

Franz Weinpolter
176
22.10.2009, 13:56
Hausbesetzungen sind illegal!

Herr Dr. Hahn sollte sich hier nicht auf der Nase herumtanzen lassen, noch dazu, wenn diese Herrschaften für ihre Ausbildung nicht einmal mehr Studiengebühren zahlen: Hundestaffeln, Wasserwerfer, Tränengas. Frau Dr. Fekter würde sicher gerne ein solches Spektakel organisieren!

geniusgenitalis
00
27.10.2009, 09:38

aha ... jetzt weiß ich, sie sind einer dieser leute die sich f*cken lassen und dann noch "mehr MEHR!" schreien...

Royal Flush
23
23.10.2009, 17:23

Das Spektakel, das Sie sich wünschen kosten genau soviel wie 10 Jahre Akademie.
Ihnen wurde doch auch die Sonderschule bezahlt, und die 3 Jahre die sie dort wiederholen mussten, oder?

Wasserpfeifer
24
22.10.2009, 13:40
Audimax Uni Wien besetzt!

Viele Leute, gute Stimmung!
Für bessere Studienbedingungen!
Hinkommen und weitersagen!

unterschichtskind auf dem weg nach oben
20
22.10.2009, 13:49

na Hauptsache - gute Stimmung. De~~~

Gregor-Jus
18
22.10.2009, 13:23
in diesen Minuten wurde

das Audimax der Uni Wien besetzt...

der d
01
22.10.2009, 13:38
SUPER!

Träume sind Schäume
91
22.10.2009, 12:48
Ich dachte Künsteler

leben von Luft und Liebe und wollen mit der schnöden Konsumgesellschaft nichts zu tun haben.

Für was brauchen die größere Budgets oder Räumlichkeiten?

recycle _or die
12
22.10.2009, 15:25

bitte zuerst informieren und dann posten

R.M. S.
92
22.10.2009, 12:46

Also bei einem Betrieb verstehe ich schon einen streik und besetzung der Fabrik, aber wen kümmert es wenn die Studenten sich weigern zu Lernen und das Gebaude zu verlassen?

Ich würde sie einfach machen lassen, solange sie nicht andere hinder zu studieren oder gewaltätig werden stören sie ja niemanden.

Gerhard Grabner
07
22.10.2009, 13:21
Sie haben keine Ahnhung...

..was eine Uni ist.

R.M. S.
00
22.10.2009, 21:15

Oh doch, habe sie mehrere Jahre besucht. Aber im ernst wen glauben sie beeindruckt es wenn mann als Student streikt?
Erklären sie mir bitte wie die das streiken und die Besetzung von Universitätsräumen irgend jemand zu irgend was bewegen soll?
Welchen Effekt hat es wenn sie für 6 Monate weiter streiken? Keinen da es niemandem, ausser hier auffallen würde.

tramezzino
83
22.10.2009, 12:12
ganz einfach:

strom und wasser abdrehen. bei der geballten kreativität finden die studenten und lehrer sicher eine lösung...

It'tksirkrk
35
22.10.2009, 11:52
Na endlich!

Das es nur die Kunststudenten und ihre Lehrer sind, die sich gegen die Top-Down-Strukturen wehren, die jetzt wieder verstärkt eingeführt werden sollen, ist eigentlich eine Schande für alle anderen Studenten. Sind alle Studierenden schon nur mehr glatt geschliffene Systemfolger?

Alles aus den 60ern vergessen? Keine Freiheit und keine Selbstbestimmung ist selbstverständlich. Es wird Zeit die Dinge wieder selbst in die Hand zu nehmen. Ich hoffe darauf, daß sich viele Universitäten die Kunstakademie zum Vorbild nehmen.

Niemand sollte einfach über sich und seinen Lebensweg andere entscheiden lassen. Zumindest muss der Versuch gemacht werden mitzubestimmen.

jack johnson
 
02
22.10.2009, 17:16
Mit dem Schönheitsfehler

dass diese Top-down Strukturen schon vor fast 10 Jahren eingeführt wurden....

Wie war des mit der Avantgarde?

unterschichtskind auf dem weg nach oben
82
22.10.2009, 13:49

und das wollen linke Studenten erreichen - Selbstbestimmung. ha ha ha - herrlich. diese Verdammten wollen die bestehende soziale Selektion aufrecht halten und sind nicht bereit ihre Laissez-faire-Einstellung aufzugeben. warum zum Teufel sollten Sie "Leistung" bringen - da könnte ja jeder kommen.
vielleicht sollten die Studenten dort, auf die Art und Weise kämpfen, wie sie die Aufnahmeprüfung geschafft haben. Interesse zeigen = Ar~~kriechen oder die Beziehungen der Eltern spielen lassen. dieser Haufen ist asozial.

recycle _or die
34
22.10.2009, 15:28

bleib doch bitte in der unterschicht und poste weiterhin deine hässlichen beiträge

unterschichtskind auf dem weg nach oben
01
22.10.2009, 18:02

2ter Versuch: da habe ich getroffen, was? und wie sozial Sie plötzlich sein können.

recycle _or die
10
22.10.2009, 18:39

letzter versuch: troll dich weiter

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