100.000 Frauen gegen Macho Berlusconi

22. Oktober 2009, 17:50
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Überwältigendes Echo auf feministisches Manifest gegen den Premier - Mordaufruf auf Facebook

Rom - Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi steht ein weiteres Mal wegen sexistischer Ausfälle im Kreuzfeuer der Kritik. Mehr als 100.000 Frauen haben bis zum Donnerstag eine Petition der Zeitung "La Repubblica" unterzeichnet und erklärt, sie fühlten sich von dem Regierungschef angegriffen.

Grund ist eine beleidigende Äußerung Berlusconis gegenüber der 58-jährigen Exministerin Rosy Bindi. In einer Talkshow vor zwei Wochen sagte der Premier der Politikerin: "Sie sind stets schöner als intelligent". "Ich gehöre nicht zu den Frauen, die zu ihrer Verfügung stehen", antwortete Bindi.

Nach dem Ende seiner Ehe wegen einer mutmaßlichen Affäre mit einer Minderjährigen sowie seinen Escort-Girl-Eskapaden ist Berlusconi nun abermals in der Defensive.

Drei prominente Intellektuelle verfassten ein feministisches Manifest. Darin beklagen sie, der Regierungschef missbrauche die Körper von Frauen zu politischen Zwecken. Damit erniedrige er die Frauen und die Demokratie gleichermaßen. Mehr als 100.000 Frauen bekannten sich mittlerweile zu dem von "La Repubblica" veröffentlichte Manifest.

Viele von ihnen schickten Fotos zur Homepage der Zeitung, versehen mit Kommentaren wie "Vom Premierminister angegriffen" und "Nicht zu ihrer Verfügung". "Dieser Mann greift uns an. Stoppt ihn!", heißt es in der Petition. Zu den Unterzeicherinnen gehören zahlreiche prominente Künstlerinnen, Musikerinnen und TV-Moderatorinnen.

Eine noch drastischere Aktion wurde am Donnerstag gestoppt. "Lasst uns den Premier töten", lautete der Aufruf auf einer Facebook-Seite. Innenminister Roberto Maroni ordnete die Schließung der Seite an. (APA/AP)

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    Italiens Ministerpräsident Berlusconi lieferte sich in einer TV-Sendung ein verbales Gefecht mit der Parlamentarierin Rosy Bindi.  Als diese ihn wiederholt wegen seiner Attacken gegen die Verfassungsrichter und Verschwörungstheorien kritisierte, antwortete Berlusconi der 58-jährigen Abgeordneten höhnisch: "Ich stelle fest: Sie sind schöner als intelligent." - "Ich bin eine Frau, die nicht in ihrem Dienst steht", erwiderte Bindi in Anspielung auf die Sexskandale, wegen denen Berlusconi seit Monaten im Rampenlicht internationaler Medien steht.

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