Synchron menstruieren

  • Alles synchron? Der McClintock-Effekt besagt, dass sich bei Frauen, die viel Zeit miteinander verbringen, der Menstruations-Zyklus angleicht
    foto: reuters/tony gentile

    Alles synchron? Der McClintock-Effekt besagt, dass sich bei Frauen, die viel Zeit miteinander verbringen, der Menstruations-Zyklus angleicht

Gleicht sich bei Frauen, die viel Zeit miteinander verbringen, der Menstruations-Zyklus an? - Wissenschafter diskutieren seit Jahrzehnten

Die These der "synchronen Menstruation" ist seit mehr als 30 Jahren mehr oder weniger aktuell. Sie besagt, dass sich bei Frauen, die viel Zeit miteinander verbringen - gute Freundinnen oder Wohnungskolleginnen etwa - der Menstruationszyklus angleicht, sodass deren Periode relativ zeitgleich einsetzt.

Die umstrittene These geht auf Martha McClintock zurück, die Ende der 1960er Jahre Studentin des Wellesley College in Massachusetts war. Sie hörte bei einer Diskussion unter Forschern mit, die darüber sprachen, wie Pheromone als Duftbotenstoffe den Eisprung bei Mäusen steuerten und das Ei bei allen gleichzeitig reifte. Dass Selbiges auch bei Frauen geschehe, wollten die männlichen Wissenschafter der damaligen Studentin nicht glauben.

Den Beweis dafür erbrachte McClintock im Jahr 1971 mit einer Veröffentlichung in der Fachzeitschrift "Nature". Sie befragte 135 Studentinnen ihres Wohnheims über deren Periode. Bei engen Freundinnen lag der Zeitpunkt der Menstruation nach den Sommerferien im Schnitt sechseinhalb Tage auseinander. Während des Studienjahres, sieben Monate nach den Sommerferien, waren es nur noch viereinhalb Tage, so McClintocks Ergebnisse. Die Veröffentlichung der Studie wurde zu jener Zeit als ein Hinweis darauf betrachtet, dass Pheromone als unbewusst wahrgenommene geruchliche Signalstoffe nicht nur bei Tieren, sondern auch beim Menschen eine Rolle spielten und war Anstoß für weitere Untersuchungen zu diesem Thema.

Umstrittene Studienlage

Jahrzehnte lang wurde McClintock in ihren Studienergebnissen teils bestärkt, in anderen Fachpublikationen wurde ihre Studie hingegen widerlegt. Wissenschafter fanden Gründe, warum eine Synchronisation der Menstruation evolutionstechnisch von Vorteil sein könnte und nicht nur - wie wissenschaftlich eindeutig belegt - bei Tieren vorkommen sollte. Andere Untersuchungen warfen jenen Studien, die eine Annäherung von Menstruationszyklen bestätigen wiederum statistische und methodische Schwächen vor.

Statistische Schwächen

Eine statistische Schwierigkeit ergibt sich beispielsweise aus der unterschiedlichen Dauer der Menstruationszyklen. Eine Messung der Menstruations-Annäherung macht nur dann Sinn, wenn Frauen, ohne hormonelle Verhütungsmittel einzunehmen, dieselbe Zykluslänge aufweisen. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: Angenommen, bei einer Frau dauert ein Menstruationszyklus 29 Tage, bei ihrer Wohnungskollegin 27 Tage. Bei Ersteren setzt die Periode am 10. November ein, bei der Zweiten am 24. November - das sind 14 Tage Differenz. Im darauffolgenden Monat beginnt die Periode der ersten Frau (29-Tage-Zyklus) am 9. Dezember, bei der zweiten (27-Tage-Zyklus) am 21. Dezember. Nun besteht nur mehr eine Differenz von 12 Tagen- ohne die Wirkung von Pheromenen, lediglich durch die unterschiedliche Zyklendauer.

Obwohl nach McClintocks Artikel in "Nature" viele Frauengruppen auf den Effekt hin untersucht wurden - beispielsweise lesbische Paare oder Spielerinnen eines Basektballteams - war eine eindeutige Klärung der Frage nicht möglich. Vielmehr splittenten sich die Lager in Befürworter und Gegner.

Viele Frauen vom Effekt überzeugt

Viele Frauen sind dennoch vom McClintock-Effekt überzeugt. Dies hat möglicherweise damit zu tun, dass sich die Perioden von Freundinnen oder Wohnungskolleginnen oft zufällig überlappen. Angenommen der durchschnittliche Monatszyklus einer Frau beträgt 28 Tage, dann ist die höchst mögliche Zeit, die zwischen dem Menstruationbeginn zweier Frauen liegen kann, 14 Tage. Daraus ergibt sich ein durchschnittliches Auseinanderliegen von 7 Tagen, die Hälfte der Zeit beträgt der Unterschied weniger als 7 Tage. Diese Tatsache kann zu einer subjektiven Wahrnehmng einer "fast zeitgleichen Periode" führen.

"Auch wenn seit McClintocks Veröffentlichung mehr als 30 Jahre an intensiver Forschung vergangen sind, gibt es noch immer keinen eindeutigen Beweis für die Existenz dieses Phänomens", fasste Wissenschafterin Anna Ziomkiewicz die Forschungslage 2006 in der Zeitschrift „Human Nature" zusammen. In ihrem Artikel publizierte sie zugleich eine Studie, die den McClintock-Effekt nicht bestätigte. Bei mehr als hundert Frauen, die in polnischen Studentenheimen in 2- bzw. 3-Bett-Zimmern wohnten, war über die Dauer von fünf Monaten keine Annäherung der Periode zwischen den Studienteilnehmerinnen feststellbar, so Ziomkiewiczs Ergebnisse.

Seither setzte sich das bisherige Szenario ähnlich fort: Auf Publikationen, die den McClintock-Effekt bestätigen, folgen andere, die ihn widerlegen. (Ursula Schersch, derStandard.at, 05.11.2009)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 57
1 2
Möchte zu bedenken geben

das wenn dem so wäre in ziemlich vielen Büros die Frauen gleichzeitig menstruieren müssten. In meiner Arbeit sind hauptsächlich Frauenbeschäftigt(geschätzt 70%) und da man kontinuierlich kaum mehr Zeit miteinander verbringen kann als während der Arbeitszeit müssten die alle gleichzeitig auf der Welle schwimmen und da mir noch nie verstärkter Metalgeruch aufgefallen wäre denke ich nicht das es nur was mit der physischen proximität zu tun hat.

ach ja und... hihahu ich kann kung fu

Evolutionstechnisch

wäre der asynchrone Zyklus vorteilhafter....
Allerdings ist bei vielen Tiergattungen die Brunft ja auch nur einmal pro Jahr, was sich leicht durch die Witterungs- und Nahrungsverhältnisse erklären lässt. Auf das scheint das alles zurückzugehen....
Im Menschen steckt mehr Tier als ihm/ihr lieb ist

Es wird wohl weniger um das gleichzeitige menstruieren

gehen, sondern darum, dass bei den Weibchen der Eisprung zur gleichen Zeit einsetzt. Macht es den Männchen leichter, seine Herde zu begatten.
Kenne ich aus meiner Zeit in einer großen Wohngemeinschaft, da waren die girls auch alle zur gleichen Zeit "befruchtungswillig"!

bildkritik

sorry vorweg, daß ich mich naturgemäß unerfahrenerweise zu dem thema äussere, aber ich finde das bild (synchronschwimmerinnen) höchst phantasielos und unpassend zum (sehr gutem) text.

bei zulu-völkern geht die synchronizität der menstruation soweit, daß alle frauen eines stammes etwa zeitgleich zu vollmond menstruieren, habe ich mal gelesen.

grüsse, F

finde es interessant

diesen Artikel mit Synchronschimmerinnen in Verbindung zu bringen...

gemeinsam Blutspuren im Wasser ziehen? na ich weiß nicht... *brrr*

Wahnsinnig interessantes Thema, bitte dranbleiben und weiter ausführlich darüber berichten.

Inwieweit sollte das "evolutionstechnisch" von Vorteil (gewesen) sein ?

alle hatten vielleicht auch zugleich das PMSSyndrom

.... und wenn alle zur gleichen Zeit unter PMS leiden, war das restliche Monat vielleicht angenehm und ohne viel Aggressivität ....

Man hat die Haie

nicht das ganze Monat über vorm Dorf rumschwimmen.

Die Überschrift und dazu das Bild...

Schock!

Mammamia, 661 Wörter, 4933 Zeichen

um einen einzigen Satz zu umschreiben:

Keine/r weiß ob sich der Zyklus zusammenlebender Frauen angleicht, Studien dazu bringen konträre Ergebnisse.

Offensichtlich ist Zeilenhonorar ein falsches Konzept.

Das sehe ich anders. Es enthält nämlich jeder Absatz Information die für das volle Verständnis wesentlich ist -- nur ein schlechter Student würde behaupten dass der Artikel "unnötig lang" ist.

Ob das einmal

die Welt retten wird, oder wenigstens eines der 12 oder 50 drängensten Probleme des Globus lösen kann, das Forscherhirnchen auf so einen Schmarrn und jede Menge anderen Nonsens anzusetzen und zu glauben es gäbe gerade eh nix besseres zu tun?

(>_<)

Hülfe...

Seit man Menschen der Kategorie der Säugetiere zugeordnet hat, ich glaub' das war vor 200 Jahren oder so, also seitdem sind Schlüsse vom Tier auf den Menschen nicht mehr a priori falsch. Im Gegenteil, es stellt sich die Frage ob und wieso es bei Menschen anders sein sollte als bei Tieren. Und vllt. gibt's ja individuelle Unterschiede, dazu müsste man allerdings das Verhalten einzelner Individuen in unterschiedlichen Gruppen verfolgen...

grad bei der Menstruation unterscheidet sich der Mensch von anderen Tieren. Was wollen Sie da vergleichen?


Zu diesem Thema sollte auch unbedingt ein Sultan, Emir oder Kalif befragt werden...

LOL

ein großer "Fuhrpark" und alle Fahrzeuge beim Service ...

Hat in den 30 Jahren Forschung tatsächlich noch niemand ein Experiment gemacht? Probandinnen, die einige Monate zusammenwohnen, daneben stichprobengezogene Kontrollgruppe usw.?

Wäre doch naheliegend und relativ unschwer umzusetzen ...

man stelle sich einmal ein synchronisiertes PMS vor! es gäbe keine forderung von frauen die unter solchen umständen nicht durchsetzbar wäre

Siehe Parlament.

wo ja bekanntlich so viele frauen sitzen.

i waaß ned ....

des foto dazu is schon a bissl seltsam, oder?
synchronschwimmerinnen ham ja auch oberkörper (glaubte ich jedenfalls bisher).

Das wäre doch perfekt für lesbische Pärchen...

und wieaso hiaz genau, ha?

Posting 1 bis 25 von 57
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.