Koalitionsstreit um EU-Kommissar

Strasser fühlt sich an Sanktionszeiten erinnert

21. Oktober 2009, 12:48
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    foto: apa/hochmuth

    Strasser: "Die SPÖ stellt wieder einmal parteitaktische Überlegungen vor die Interessen Österreichs."

VP-Delegationsleiter befürchtet wegen Kommissars-Debatte Schaden für Österreich - SPÖ: "Abstruser" Vergleich

Wien - Der Schlagabtausch zwischen den Koalitionspartnern SPÖ und ÖVP geht weiter. Ernst Strasser, ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament, beschwor am Mittwoch die Zeiten der EU-Sanktionen herauf und warf der SPÖ vor, Österreich in der Frage des EU-Kommissars zu schaden. SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas findet dagegen die VP-Haltung in dieser Personalfrage "äußerst befremdlich".

"Das erinnert ein wenig an die unselige Diskussion, die die SPÖ mit den Sanktionen vom Zaun gebrochen hat, um auch von den eigenen Sorgen abzulenken", sagte Strasser in Bezug auf das Jahr 2000, als die EU wegen der Koalition der ÖVP mit der FPÖ Sanktionen gegen Österreich erließ. "Die SPÖ stellt wieder einmal parteitaktische Überlegungen vor die Interessen Österreichs", meinte er: "Die Debatte, die hier vom Zaun gebrochen wurde, ist dazu angetan, dass Österreich dadurch vielleicht um ein wichtiges Ressort in der Kommission umfällt."

Zu den Chancen der derzeitigen Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner sagte Strasser, dass Bundeskanzler Werner Faymann ihr mit seiner Unterstützungserklärung einen "ganz schlechten Dienst" erwiesen und sie für seine parteipolitischen Zwecke eingespannt habe: "Und das hat sie nicht verdient." Ein klares Bekenntnis zum früheren Vizekanzler und Finanzminister Wilhelm Molterer als ÖVP-Kandidat ließ sich Strasser nicht entlocken. Das Vorschlagsrecht liege bei Vizekanzler Josef Pröll, dieses werde er zur gegebenen Zeit wahrnehmen.

Leichtfried: "Abstruser Vergleich"

Der SPÖ-Delegationsleiter im Europaparlament, Jörg Leichtfried, sieht die Position seiner Partei im Koalitionsstreit mit der ÖVP um den Posten der künftigen Vertretung Österreichs in der neuen EU-Kommission durch den jüngsten Brief von Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso gestärkt. Barroso hat in dem Schreiben die Staats- und Regierungschefs aufgefordert, mehr Frauen für die EU-Kommission zu nominieren. Den Vergleich von Ernst Strasser mit der Sanktionenzeit bezeichnet Leichtfried als "komplett abstrus".

Offenbar habe Strasser die "Dimension der Dinge nicht wirklich erkannt". Angesprochen auf den ÖVP-Europaabgeordneten Othmar Karas, der vor parteipolitischen Spielchen warnte und Barroso aufforderte, nicht den kleinsten gemeinsamen Nenner zu suchen, sondern ein ehrgeiziges Anforderungsprofil für Kommissarskandidaten den EU-Ländern vorzulegen, sagte Leichtfried, im Gegensatz zu Strasser seien die Aussagen von Karas "hochseriös".

Der ÖVP werde aber offenbar klar, dass es sich beim künftigen EU-Kommissar oder der EU-Kommissarin um ein "sehr ernstes Anliegen" handle. Es gebe zwar die Zusage der SPÖ, dass die ÖVP das Nominierungsrecht habe, doch "man muss in einer Koalition vernünftig und fair umgehen". Die ÖVP müsse "gewisse Rücksichten nehmen".

Koalitionsstreit nimmt an Schärfe zu

Bundeskanzler und SPÖ-Chef Werner Faymann warf der ÖVP im "Kurier" vor, "bewusst falsche Informationen" zu verbreiten, um Stimmung für den von der Volkspartei favorisierten Wilhelm Molterer zu machen. ÖVP-Obmann und Vizekanzler Josef Pröll wies dies in der "Zeit im Bild" postwendend zurück.

Im Kielwasser des Besuchs von EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso Ende vergangener Woche kursierten Informationen, wonach dieser Faymann das Agrarressort für Österreich angeboten, der Kanzler aber abgelehnt habe. Faymann hatte dies dementiert, beschuldigt nun aber die ÖVP, dieses Gerücht lanciert zu haben. Was deren Parteichef bestreitet: "Wir haben nie gesagt, dass uns das angeboten wurde", hielt Pröll fest. "Dieser Wunsch wurde von anderen Ländern geäußert, ob Österreich sich das vorstellen könnte."

Ihm gehe es darum, "ein starkes Ressort für Österreich auszuverhandeln", so Pröll. Doch darüber, was in der EU-Kommission "stark" ist, könnte sich die Koalition wohl auch bald streiten. Erst am Mittwoch hatte für die SPÖ, die seit Tagen die amtierende EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner pusht, Staatssekretär Andreas Schieder gemeint, dass für Österreich auch die Bereiche Nachbarschaftsbeziehungen oder Regionalpolitik wichtig seien.

Rudas für Ferrero-Waldner

SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas findet es dagegen "äußerst befremdlich", dass die ÖVP Ferrero-Waldner nun plötzlich in den Hintergrund spiele. Auch frauenpolitisch sei dies ein fatales Signal. In einer Aussendung reagierte sie auf Äußerungen von VP-Klubobmann Karlheinz Kopf. "Während sich die SPÖ klar für eine Kandidatin ausgesprochen hat, lässt die ÖVP, die hier wahlweise die Namen Molterer, Hahn und Plassnik nennt, jede klare Linie vermissen", so Rudas. (APA)

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Stachanow, Mitarbeiter des Monats!
 
00
22.10.2009, 18:44
Sollte die SPÖ ...

... nicht endlich dafür sorgen, dass Strasser wg. Amtsmissbrauchs vor Gericht gestellt wird?

ein schlechter Gutmensch
02
22.10.2009, 17:46
Strasser ist ein Schade für Österreich in der EU

.. und peinlich noch dazu (mir zumindest)....


... abndereseits aber eine Beweis für die nanoskalige Dicke der ÖVP-Personaldecke.

NaderNader
00
22.10.2009, 16:07
Na ja, nachdem er in Brüssel nix umfärben kann,

...ergeht er sich halt in Reminiszenzen an selige Zeiten. Eigentlich ein Armutszeugnis.

Verzweifelnd
00
22.10.2009, 11:56

Der Strasser,

der selber nicht einmal weiss was er in Brüssel überhaupt soll,

der aus Parteiräson dorthin geschoben wurde

dessen Gesichtausdruck beim Armin Wolf einfach nur noch legendär war, als er auf seine e-mails ansgesprochen wurde ("Jeder kann zu mir kommen, jeder Bürger kann sich an mich wenden, Herr Wolf")

Manfred Rott
 
01
22.10.2009, 11:38

diese Geschichte mit den Sanktionen ist wirklich ein klassisches Beispiel der kommunikativen Wahrheitsverdrehung, die jedem einigermassen international versierten Menschen klar sein muss: eine SPÖ hatte nicht und hat bei weitem nicht die Macht alle EU-Staaten zu überzeugen, (symbolische) Sanktionen gegen Österreich zu beschliessen. Das hat einfach damit zu tun, dass damals zum ersten Mal eine rechtsextreme Partei in der Regierung eines EU-Mitgliedsstaates aufgenommen wurde. Noch dazu in einem Land mit Nazi-Vergangenheit. Und das wo alle anderen Länder, mit durchaus konservativen Regierungen, die Dammmauer gegen den Rechtspopulismus aufrecht erhalten wollten.

perau1
 
00
24.10.2009, 23:28

dazu muss man noch bemerken, dass die sanktionen gg. die övp/fpö-koalition (von schüssel umgedeutet in sanktionen gegen österreich.wählerInnen, weil diese diese koalition gewählt haben - leider fallen noch immer menschen auf so einen schwachsinn hinein und meinen, sie wollen sich nicht von der eu vorschreiben lassen wen sie wählen sollen) von konservativen politikern ausging und die evp die övp sogar ausschließen wollte.

Schüssel Biograf Walter Moers
01
22.10.2009, 10:04

Wenn jemand in Österreich Amtsmissbrauch begeht?

Sitzt der dann in Brüssel?

Jo H
01
22.10.2009, 11:05

ja. des is die schwarze mafia.

masterjo
20
22.10.2009, 09:33

Ein verdeckter Ewiggestriger (a.k.a. ÖVP-Mitglieder der Führungsriege) - und damit mein ich nicht die späten Dreissiger sondern die 50er/60er/70er-Jahre des letzten Jahrhunderts.
Inzwischen hat sich die Welt etwas weitergedreht, aber das will eine gewisse Partei etwas verzögert nach Österreich übernehmen. Siehe Wahl der Koalitionspartner, Wille zur Veränderung, Haltung zur Kirche (Achtung - Kirche hier als institutionalisierter Glaube, nicht Religion selbst), etc.

Und ganz nebenbei: Grundeinkommen. Jetzt.

Toni Meister
00
22.10.2009, 09:32
Fehlende Vertrauensbasis ?

Staatssekretär Mag.Schieder warf Molterer vor, die Regierung in seiner Zeit als Finanzminister über die drohenden Spekulationsverluste bei der Bundes-finanzierungsagentur im Unklaren gelassen zu haben.
" Von einem EU-Kommissar erwarte sich die Regierung allerdings verlässliche Informationen über für Österreich wichtige Themen. Das ist keine gute Vertrauensbasis ", betonte Schieder gegenüber der APA.

h. meiler
05
22.10.2009, 08:33
Strasser sollte schweigen,

man möge ihn nur an seine Zeit als e-mail Innenminister erinnern....und so hat man Strasser enttarnt.... ein Parteisoldat erster Klasse
http://www.youtube.com/watch?v=BN6Ie3sEUXE

dekorhippe
00
22.10.2009, 08:11
und die sogenannte "europapartei"

övp stellt die angeblichen interessen österreichs wieder mal vor die interessen europas ....

haben die irgendeinen minderwertigkeitskomplex zu bewältigen, weil sie bereit sind so einen ..... wie molterer fürs landwirtschaftsressort durchdrücken zu wollen? v.a. was sollte österreich davon haben? also, welche interessen österreichs? oder gehts wieder mal darum, dem stimmvieh nach dem mund zu reden und dabei vollkommen außer acht zu lassen, dass es gerade mal wichtig ist, dass wir überhaupt einen kommissar haben und es, bis auf irgendwelche befindlichkeiten nationaler natur, vollkommen egal ist welcher das dann ist, hauptsache er/sie macht ihren job zufriedenstellend?

"hände falten, goschn halten" in der eu-kommission?

Curd Hombre
01
22.10.2009, 07:22
Hr Strasser - eine Frage:

...Woran, denken Sie, fühlt man sich erinnert, wenn man Sie sieht?

marcelmanuel
00
22.10.2009, 06:17
Ein Hinweis für alle Geiferer: Das Landwirtschaftsressort wurde Österreich gar nicht angeboten

wurde von Pröll in der ZIB höchstpersönlich bestätigt.

Max Kahlenberg
05
21.10.2009, 23:25
Und solche Vögel schicken wir nach Brüssel...

Spricht der überhaupt was anderes ausser unerträglichem NLP-Sprech
Fremdsprachen á Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, etc., etc., etc., .....

Karl Joda
00
22.10.2009, 01:05

Irgendwelche Trotte..inen müssen den doch auch gewählt haben ? Die VP hat eine ähnliche struktur wie die von Nordkorea.- da wählen auch alle (-die MÜSSEN!) den EINEN Kandidaten.- schlimm genug bei uns st es ähnlich...

rks
 
00
21.10.2009, 23:04

Wie wäre es mit jemandem, der parteiübergreifend als integer und sachlich kompetent respektiert wird? Warum nicht z.B. Othmar Karas, wenn es schon ein ÖVP-Mitglied sein muss? Mein persönlicher Favorit wäre ja Van der Bellen, aber das bleibt wohl Wunschdenken.

Wolperdinger
00
21.10.2009, 22:58
"Strasser fühlt sich an Sanktionszeiten erinnert"

Als "Delegationsleiter" kümmert sich Doppelnull Strasser um die Sanktionszeiten.
Ja mei wenn das seine Aufgabe ist dann ist er fehl am Platz.

Ken Baumgartner
010
21.10.2009, 21:49
Strasser, ein letzter Fäkalrest aus der Ära Schüssel

Blut klebt an den Fingern des Ex-Innenminister!

Jambala Magdalena
01
21.10.2009, 20:23

Nun Gusenbauer wäre sicher geeignet, aber 1. ist er bei der SPÖ wohl in Ungnade gefallen und 2. hat man den Kommissar der ÖVP überlassen. Was also soll das jetzt?
Die ÖVP aber sollte einmal nachdenken, warum jene Leute, die sie unterstützt nicht dankbar sind. Ich erinnere da an Klestil, der ja offenbar der SPÖ näher stand. Und auch die Frau Ferrer Waldner stellt sich recht an, sie hat gewusst, dass sie gehen muss, also soll sie sich was anderes suchen und nicht weiter nerven.

perau1
 
00
24.10.2009, 23:44

mit ihnen wird der övp dieses furchtbare schicksal erspart bleiben, dass menschen die die övp unterstützte, plötzlich zum denken anfangen und eine eigene meinung entwickeln und die övp-weisung "hände falten, goschn halten" nicht mehr befolgen.
weiter so, die övp braucht menschen wie sie, den die denkenden laufen ihr davon.

Knieriem
94
21.10.2009, 20:05
"Abstruser" Vergleich?

Na, so abstrus ist der Vergleich nicht, denn die SPÖ macht wieder einmal das, was sie nachweislich schon einige Male in den letzten hundert Jahren getan hat, nämlich Innenpolitik über das Ausland zu spielen. Sie hat dabei jedesmal einen politischen Schaden für Österreich mehr als billigend zur Kenntnis genommen.

perau1
 
00
25.10.2009, 00:05

aha, in den letzten 100 jahren hat die spö nachweislich einige male die innenpolitik über das ausland gespielt. wirklich interessant.

nachdem sie sicher ein insider sind, werden sie diese informationen selbstverständlich aus erster hand haben und können uns unwissenden die nachweislichen fälle der letzten 100 jahre, in denen die spö die innenpolitik über das ausland spielte, auflisten und sind sicher auch imstande die beweise dafür zu liefern.

interessieren würde mich auch, wie d.spö 2000 schaffte, dass konservative politiker sanktionen gegen d.regierungsbeteiligung der fpö - nicht gegen die österreicherInnen wie ex-bk dr. schüssel gerne behauptete - verhängte und die evp die övp ausschließen wollte.

danke im voraus f.d.aufklärung

Dante Alighieri
14
21.10.2009, 22:34

Der politische Schaden für Österreich entsteht eher dadurch dass man Gestalten wie BFW oder Molterer nach Brüssel schicken will. Aber alle ÖVPler die brauchbar sind, wie Busek oder Fischler, hat die rechtsrechte Front natürlich abmontiert...

byron sully
12
22.10.2009, 00:14
da stimm ich ihnen zwar natürlich zu,

aber wenn zwischen den übriggebliebenen gruselgestalten bloß das kleinere übel zu wählen ist, würd ich grusel-molterer als landwirtschaftskommissar gegenüber grusel-ferrero noch immer bevorzugen. natürlich können beide mit busek, fischler & co. nicht im geringsten mithalten, aber molterer hat doch wenigstens eine ahnung von landwirtschaft (im unterschied zu umwelt, finanzen und vizekanzlerschaft). ferrero hingegen hat für berlusconis volxtheaterkarawane-geiseln keinen finger gerührt und war ganz allgemein (im unterschied etwa zu plassnik, die ich nicht übel fand) eine ganz schwache außenministerin. wenn nur noch die wahl zwischen molterer und ferrero bleibt (eine sehr schlechte wahl, ja), dann bin ich eindeutig für molterer.

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