Körperschaftssteuer heuer nicht gesunken

21. Oktober 2009, 12:37
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KPMG-Studie: Krise könnte zu spürbaren Erhöhungen der indirekten Steuern führen

Wien - Die Wirtschaftskrise belastet weltweit die Staatshaushalte. Die Regierungen drehen an der Steuerschraube und sind beim Geldeintreiben strenger geworden. In Europa ist die Körperschaftssteuer heuer erstmals seit 13 Jahren nicht gesunken und liegt im Schnitt unverändert bei 23,3 Prozent, zeigt eine heute, Mittwoch, veröffentlichet Studie von KPMG. In den vergangenen Jahren hatte der Standortwettbewerb die Steuerbelastung für Kapitalgesellschaften teils massiv gedrückt. Viele Regierungen denken jetzt außerdem eine Erhöhung der indirekten Steuern sowie der Steuerbemessungsgrundlage an.

Österreich liege mit einem Körperschaftssteuersatz von 25 Prozent zwar über dem europäischen Schnitt, aber "die attraktive Gruppenbesteuerung, die Holdingbegünstigung sowie das Vertrauen in die Stabilität des Steuersystems machen Österreich nach wie vor zu einem sehr attraktiven Standort", so KPMG-Geschäftsführerin Barbara Polster-Grüll laut Aussendung. Sie warnte davor, dieses Vertrauen durch "abrupte Maßnahmen bei den Steuerbemessungsgrundlagen" zu gefährden.

Die heimischen Steuerbehörden würden sich künftig verstärkt mit den Verrechnungspreisen auseinandersetzen, so KPMG. Die kürzlich in Begutachtung geschickten neuen österreichischen Verrechnungspreisrichtlinien sollen noch im Herbst veröffentlicht werden. KPMG-Geschäftsführerin Verena Trenkwalder rechnet mit einer "strengeren Handhabung".

Gestiegene Steuersätze bei indirekten Steuern

Auch bei den indirekten Steuern - in Österreich die Umsatzsteuer - macht sich die Rezession bemerkbar. Die Steuersätze in diesem Bereich seien in Europa im Vorjahresvergleich im Schnitt von 19,5 auf 19,8 Prozent gestiegen. Trenkwalder erwartet aufgrund der Krise "spürbare Erhöhungen". Weltweit haben derzeit 150 Länder ein indirektes Steuersystem - Tendenz steigend. Staaten, die bereits über ein solches verfügen, wollen künftig noch mehr Dienstleistungen indirekt besteuern. Der EU-Durchschnittssatz könnte im nächsten Jahr auf bis zu 20 Prozent angehoben werden, glaubt KPMG.

Viele Länder hätten sich auch über die Steuerbemessungsgrundlage neue Geldquellen gesucht. Beispielsweise sei die Verwertung steuerlicher Verluste zur Reduktion der Steuerbemessungsgrundlage eingeschränkt worden. Bei den Verrechnungspreisgrundsätzen, also bei der Beurteilung der Angemessenheit konzerninterner Verrechnungen zwischen Konzerngesellschaften, die in verschiedenen Staaten sitzen, sowie bei der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Zinsen sei man ebenfalls strenger geworden. Daneben nehme die Kooperation unter den Steuerbehörden "signifikant" zu - Stichwort Steuerparadiese.(APA)

 

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