Obduktion und Methoden der Pathologie

30. Oktober 2009, 16:53
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Über die pathologische Obduktion, die Arbeit mit dem Mikroskop und noch genauere Methoden

Im Gesetz ist die pathologische Obduktion in Österreich folgendermaßen geregelt: obduziert wird bei unklarer Todesursache, wenn jemand unmittelbar nach oder im zeitlichen Zusammenhang eines chirurgischen Eingriffs verstirbt. Ein anderer Standardfall für eine Obduktion ist eine völlig unklare Todesursache, beispielsweise kurzfristig nach Aufnahme des Patienten im Spital. Stirbt jemand direkt am OP-Tisch (mors in tabula, Anm.), ist das wiederum Sache der Gerichtsmedizin, ebenso, wenn ein Kunstfehler im Raum steht.

Nach österreichischer Gesetzeslage müssen Angehörige nicht mit einer pathologischen Obduktion einverstanden sein. An der Rudolfstiftung kommen Pathologen aber schon Wünschen der Angehörigen nach, wenn diese aus persönlichen oder religiösen Gründen keine Obduktion wünschen.

Manche Fälle sind aber so zwingend, dass man auf eine Obduktion nicht verzichten kann. In der Regel sei es so, dass Angehörige nach einem aufklärenden Gespräch der Obduktion zustimmen. Die Obduktionsquote betrage in österreichischen Spitälern zwischen 35 bis 40 Prozent.

Im Kerngeschäft der Histologie und Zytologie arbeiten Pathologen hauptsächlich mit dem Mikroskop. Die erste Stufe ist aber das bloße Auge. Relevant sind Größe, Form, Farbe und Geruch eines Präparats. Es ist ein Zugang mit allen Sinnen, manche Dinge müssen auch betastet werden. Was man makroskopisch nicht sieht und was nicht abmessbar ist, muss unter das Mikroskop und auf feingeweblicher Ebene erforscht werden.

Der Pathologe schaut, was normal ist und was nicht. Wenn nicht, stellt sich die Frage, ist es ein Tumor - gut- oder bösartig, eine Entzündung oder etwa eine abnormale Ablagerung von Substanzen in Zellen oder Geweben. Dazu werden klassische Färbungen benutzt um Gewebebestandteile zu unterscheiden.

In den vergangenen 20 Jahren sind noch genauere Methoden dazu gekommen wie zum Beispiel die immunologische Untersuchung phänotypischer Eigenschaften einer Zelle. Kommt man auf dieser Eben diagnostisch nicht weiter, ist es auch möglich, die genetische Matrix von Zellen zu untersuchen, etwa auf Abnormitäten in der Struktur oder Zahl von Chromosomen. Bei ganz wenigen spezifischen Fragestellungen kommt das Elektronenmikroskop zum Einsatz um einzelne Zellbestandteile anschauen. Die letzte Ebene sind biochemische Methoden bis hin zur Gensequenzierung.

Pathologen arbeiten sehr interdisziplinär mit allen operativ-tätigen Fächern zusammen, auch mit den internistischen Disziplinen wie der Gastroenterologie oder Hepatologie. (Marietta Türk, derStandard.at, 30.10.2009)

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    Mit dem Mikroskop wird die feingewebliche Ebene erforscht

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