Uni-Gipfel

Kommen mehr Zugangsbeschränkungen?

Michael Kremmel, 21. Oktober 2009 16:51

Universitätsvertreter tagen im Wissenschaftsministerium - Der "Notfallparagraf" könnte theoretisch auf noch mehr Studien angewandt werden

Derzeit sind in Österreich Zugangsbeschränkungen für die Studien Medizin, Psychologie, Tiermedizin und Zahnmedizin möglich. Beschränkungen für Kommunikationswissenschaften und Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sind angefragt und auf dem Prüfstand. Doch der so genannte "Notfallparagraf", auf den sich die Unis berufen können, könnte und soll laut Wissenschaftsminister Johannes Hahn dafür genützt werden, dass in Zukunft noch mehr Studienrichtungen EU-konforme Beschränkungen einführen.

Die rechtliche Grundlage

Absatz sechs, Paragraf 124b im Universitätsgesetz besagt, dass alle österreichischen Studienrichtungen, die in Deutschland von einer Numerus Clausus-Regelung betroffen sind, ein qualitatives Aufnahmeverfahren einführen können. Voraussetzung dafür ist, dass "durch die erhöhte Nachfrage ausländischer Staatsangehöriger die Studienbedingungen an diesen Studien unvertretbar sind". Dafür müssen alle Unis, die das betreffende Fach anbieten, gemeinsam einen Antrag an das Wissenschaftsministerium stellen. Dann muss noch die Bundesregierung dem Antrag zustimmen. Es gibt - außer den Studien, die bereits um Hilfe gerufen haben - aber noch einige mehr, die in Deutschland dem Numerus Clausus unterliegen und somit potenzielle Anwärter wären. Vorausgesetzt, die Studienbedingungen sind durch den Zustrom ausländischer Studenten unvertretbar geworden.

Keine festgelegte Prozentzahl

Dass dieser Notfallparagraf sehr offen formuliert ist, ist laut Nikola Donig, Pressesprecher von Wissenschaftsminister Hahn, beabsichtigt: "Dieser Notfallparagraf ist für die Universitäten gemacht, sie müssen eine Begründung abgeben, warum die Bedingungen unvertretbar sind. Es ist nicht so, dass das Ministerium durch das Land fahren und den Universitäten sagen kann, wo sie Zulassungsbeschränkungen einzurichten haben." Deswegen würde es auch keine Quotenregelungen geben, ab welcher Prozentzahl an Deutschen Zulassungsbeschränkungen einzuführen sind. "Das hat dann zu passieren, wenn die Universitäten die Anzahl der Studierenden nicht mehr administrieren können", so Donig.

Erwartet uns also eine Welle an Studiengängen, die um Beschränkungen ansuchen? Neben Kommunikationswissenschaften und Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sind im Ministerium bisher keine anderen Studienrichtungen bekannt, die Zulassungsbeschränkungen einführen wollen. "Es wurde den Universitäten aber signalisiert, dass, wenn sie solche wollen, sie das in den nächsten Wochen zu geschehen hat." Wie derStandard.at aus Universitätskreisen erfuhr, tagen heute hochrangige Vertreter der Universitäten mit Minister Hahn genau zu diesem Thema. Das Ministerium bestätigte das Treffen auf Anfrage. Dass danach noch weitere Studiengänge um Hilfe ansuchen werden, ist zu erwarten.

Welche Studien sind betroffen?

Georg Winckler, der Rektor der Universität Wien, sagte im STANDARD-Interview, neben den Kommunikationswissenschaften seien auch Naturwissenschaften wie Biologie und Ernährungswissenschaften vom Studentenansturm besonders betroffen. Betriebswirtschaftslehre habe - im Gegensatz zur Wirtschaftsuniversität - eine geringere Priorität. Bei der Universität für Bodenkultur will man in Anbetracht des Gipfels keine Auskunft geben, gibt aber an, dass es interne Diskussionen zum Thema gibt; ebenso bei der TU in Graz. Die Universitäten Innsbruck und Salzburg sind bei deutschen StudentInnen besonders beliebt. Aber auch hier gibt es noch keine offiziellen Auskünfte. Nach dem heutigen Gipfel dürfte das anders sein. (Michael Kremmel, derStandard.at, 21.10.2009)

Kommentar posten
23 Postings
Mr Neutron
22.10.2009 13:41
Wie jetzt?

Liebe Online-Redaktion.
Bitte die Artikel auch so schreiben, dass man sie versteht. Einmal heißt es Kommikationswissenschaft(en), dann Publizistik (link funktioniert nicht). Ist das jetzt das selbe, oder nicht?
Wieso an die Unis nur in Salzburg und Innsbruck ausschließlich deutsche Frauen wollen, bedürfte auch einer Erläuterung...

Redaktion Inland
22.10.2009 14:29
Lieber Mr Neutron

Ad 1: Ja, es ist das selbe - wir nahmen an das das klar ist, haben es aber jetzt geändert.
Ad 2: Das mit dem Link kann ich nicht nachvollziehen, hier geht er.
Ad 3: Das "i" gehört groß, danke für den Hinweis.
Mfg Die Redaktion

DieMuse
 
22.10.2009 10:06
Laufende Proteste

Sehr witzig, da sind seit Dienstag ständig Leute damit beschäftigt einen Protest, eine Demo usw. zu organisieren und der Standard schreibt nichts darüber?
Wie wärs mit ein bisschen Unterstützung für die Leute?
Es handelt sich hier nicht um ein rein "studentisches" Problem, es ist ein gesamt-gesellschaftliches.

Es gab gestern eine riesige Podiumsdiskussion mit dem Rektor von der Akademie und das Ergebnis davon war eher unschön. Er hat sich aus allen Fragen irgendwie rausgenudelt, hat sich den Forderung sowieso verweigert und auch klargestellt, dass seine Ziele nicht die der Professoren und Studenten sind.

Redaktion Inland
22.10.2009 14:31
Liebe Muse

Wir hatten gestern und vorgestern und heute bereits Artikel dazu - sicher mehr als jedes andere Medium :-)
vll sehen sie sich einfach auf derStandard.at/Bildung um.
mfg Die Redaktion

Raphael
22.10.2009 09:10
Mehr Beschränkungen

40% mehr Studenten an meiner Uni dieses Jahr als sonst. Sehr cool. Aber darauf ist die Uni nicht ausgelegt. Überhaupt nicht.
Solange die Unis nicht auch 40% mehr Budget bekommen wenn mehr Studenten beginnen, ist das ganze ein Schuss in den Ofen. Wie soll bei 40% Studenten mehr die selbe Qualität erreicht werden?

westbahn
22.10.2009 09:35
Darum auch der Billigakademiker: Bachelor

Myname471
22.10.2009 09:29
...die Misshandlung der Unis ist schon 40 Jaher so gegangen,

wird also auch weiterhin gehen (erinnern wir uns an Firnberg, Fischer, Hahn, und wie sie alle hiessen).

westbahn
22.10.2009 09:42
Administrative Konsequenz der Politik

Unterrichtsministerium ->
Bundesministerium für Unterricht und Kunst ->
Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung ->
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Sport ->
Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten ->
Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst ->
Bundesministerium für Wissenschaft, Verkehr und Kunst ->
Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr ->
Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur ->

Adam Markus
21.10.2009 19:29

An dieser Stelle sei vielleicht die Besetzung der Angewandten als Protest für die kommende Konferenz erwähnt, welche von Personal wie Studierenden gleichermaßen getragen wird.

Über soetwas berichtet man hier aber nicht gerne, das könnte ja glatt revolutionäre Stimmung erzeugen.

jcMaxwell
21.10.2009 22:23
Veronika Lenz
21.10.2009 21:59

es ist die akademie der bildenden Künste nicht die angewandte, wo protestiert wird
und ein Protest, der hoch an der Zeit ist
hoffentlich ist es noch nicht zu spät
endlich wachen die Studierenden auf
wäre schön, wenn sich andere anschließen

slaine mcroth
21.10.2009 22:42


Es ist eine gute Sache, gegen Bologna aufzutreten, das aber in einem Atemzug mit Zugangsbeschränkungen zu erwähnen, ist nicht richtig. Ich befürworte nämlich das zweite, aber nicht das erste. Es wäre ja wohl höchst absurd, wenn ausgerechnet die Kunstunis sich über Zugangsbeschränkungen mokieren würden, also bitte nicht alles in einen Topf werfen.

champagne
21.10.2009 19:28

ist es nicht das ziel sämtlicher bundesregierungen gewesen die zahl der akademiker zu steigern?
hm. anscheinend will man das ja nicht mehr.
wie wärs wenn man ein paar arbeitsplätze schaffen würde und das lehrpersonal aufstocken und mehr räumlichkeiten zur verfügung stellen würde?

Wahl 09
22.10.2009 14:04

na mehr geld investieren war damit nicht gemeint.

was gemeint war einfach alle krankenschwestern zu promovieren um damit die akademikerquote zu steigern...

rasenmähermann
22.10.2009 00:39

Jein, weil es gibt ja auch so ein dumpfes Gefühl in der Bevölkerung gegen Akademiker, weil die eh nur gscheit daherreden.
Darum fürchtet man sich zum Beispiel aus Krankenpflege ein Studium zu machen, was zum Beispiel die Akademikerquote erhöhen würde.

VvL
21.10.2009 19:01
Zeitpunkt

ich frage mich, ob es tatsächlich gute gewählt ist, über Zugangsbeschränkungen ab dem SS 2010 zu verhandeln, solange die Zulassungsfrist für das WS 2009 noch offen ist? (30.11); Was glauben Sie, sehr geehrter Herr Glücksspielminister, wird die Folge sein?

ps: wenn schon, Herr Kremmel, dann umgedreht, nämlich in der Hierarchie von oben nach unten:
"§ 124b Absatz 6"

da egasba
21.10.2009 18:29

Und wo bleibt der Notfallparagraph für die Arbeiterschaft?
Oder dürfen die Löhne weiter stagnieren und die Schwarzarbeit florieren.
(Irgendeiner machts immer noch ein bisschen billiger, solange sich nur genug um einen Arbeitsplatz rangeln).

smea_gol
21.10.2009 17:51

schön - bald stehen maturanten auf der straße, und werden wegen den zugangsbeschränkungen keine ausbildungen mehr machen dürfen.

würg.

smea_gol
22.10.2009 15:06

der ausdruck würg stellt nichts anderes als abneigung gegen zugangsbeschränkungen dar. entweder lest ihr das posting zu ende, oder aber ihr hcokt in der VP Parteizentrale... was ist es genau?

per verser
21.10.2009 17:59

mit duldung der spö zerstört hahn österreichern die lebensentwürfe, während wir gratis für die deutschen ausbilden. das ist die övp, das ist die eu.

VvL
21.10.2009 19:21
die ÖVP: ja,

die EU: nein!

per verser
22.10.2009 12:24

die eu machts möglich. hahn beruft sich laufend auf die eu.

anonym92
21.10.2009 18:28

Ihr Posting ist wirklich pervers. Die böse EU natürlich wieder mal.

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