Die Rückkehr in die realen Werte

21. Oktober 2009, 16:57
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Von US-Häusern sollte man noch die Finger lassen, heimische Werte bieten laut Experten wieder Chancen

Es war die Blase auf dem US-Immobilienmarkt, deren Platzen die Finanzkrise ausgelöst hat. Die ewigen Spekulationen auf steigende Immobilienpreise sind irgendwann nicht mehr aufgegangen. Das ist mittlerweile zwei Jahre her.

Seit dem Höhepunkt des US-Immobilienbooms im Jahr 2006 haben sich Wohnimmobilien in den 20 wichtigsten Großräumen der USA um 32,6 Prozent verbilligt. Leute wurden sogar in eigens dafür arrangierten Bus-Touren zu jenen Häusern chauffiert, die zum Verkauf standen.

Zuletzt sind die Preise für US-Wohnimmobilien den dritten Monat in Folge zwar wieder gestiegen - um 1,6 Prozent -, binnen Jahresfrist fielen die Preise allerdings um 13,3 Prozent. Höchste Zeit also, der Frage nachzugehen, ob sich Investments in Immobilien wieder lohnen.

"Das hängt von den Umständen ab", erklärt Hans Engel vom internationalen Aktienresearch der Erste Group. Bei US-Privatimmobilien ergebe sich nämlich ein ganz unterschiedliches Bild "je nach Region", sagt Engel. Von einer generellen Erholung könne man jedenfalls nicht sprechen. Es werde dauern, bis man wieder Preise wie vor der Krise sehen werde. Engel: "Die Preise waren teilweise massiv überbewertet. Es kann Jahrzehnte dauern, bis sich das erholt hat." Gewinnen würden nur "wirklich gute Lagen".

Auch von US-Gewerbeimmobilien rät der Erste-Group-Analyst noch ab. "Viele Shoppingcenter stehen leer, weil zu schnell zu viel gebaut wurde." Das sei an der Nachfrage vorbeigegangen. Hinzu komme, dass die Leute an Kaufkraft verlieren. Die breite Masse müsse mit weniger Geld auskommen. Die Arbeitslosigkeit bezeichnet Engel daher als "wichtigen Indikator für eine Erholung".

In Summe sieht der Analyst US-Immobilien als "nicht brüllende Idee", man müsse derzeit noch stark differenzieren.

Anders sieht Walter Wittmann von der Premium Immobilien AG die Lage. Das Unternehmen saniert Wiener Zinshäuser mit der Beteiligung von Anlegern. Das Interesse an dieser Art der Immobilienbeteiligung ist "ungebrochen" , sagt Wittmann zum Standard. Es seien die realen Werte, die die Anleger schätzen. "Wir renovieren nur Zinshäuser in Wien und nur solche mit guter Verkehrsanbindung. 'Sein‘ Objekt kann sich der Anleger daher täglich anschauen".

Anleger werden immer jünger

Zu seinen Kunden zählt Wittmann institutionelle Investoren wie Privatanleger. Ab 30.000 Euro kann man bei Premium eine Beteiligung kaufen. Bis zu fünf Prozent Rendite könne man damit pro Jahr verdienen. Rund tausend Anleger hätten sich laut Wittmann schon für eine Beteiligung entschieden. Und die Kunden würden immer jünger. Wittmann: "Rund 25 Prozent unserer Kunden gehören bereits zur jüngeren Generation. Ab circa 30 Jahre fangen die Leute an, bei uns zu investieren".

Durch die Finanzkrise seien Investoren zwar vorsichtiger geworden, die Nachfrage nach Immobilienbeteiligungen sei bei Premium aber gestiegen. Wittmann: "Statt in Aktien investieren die Leute jetzt verstärkt in reale Werte."

Auch aktienseitig sei der heimische Immobilienmarkt wieder attraktiv, erklärt Alexander Hodosi, Analyst der UniCredit. "Man hätte schon im März einsteigen sollen". Seither sei durchschnittlich eine Verdreifachung möglich gewesen.

Auch Aufwärtspotenzial sei noch da, "weil viele Aktien noch immer unter ihrem inneren Wert notieren". Trotzdem seien Rückschläge durch ein negatives Aktienumfeld nicht ausgeschlossen. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Printausgabe, 22.10.2009)

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