"Investoren sollten bereit sein, mehr zu zahlen"

21. Oktober 2009, 12:15
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Anleger konzentrieren sich verstärkt auf soziale oder ökologische Gesichtpunkte ihrer Investitionen, wollen aber keine Rendite aufgeben. Das kann auf Dauer nicht funktionieren, sagt US-Ökonom Harrison Hong

An der Börse geht es nicht nur um Gier und Angst. Tatsächlich versuchen immer mehr Investoren, sowohl große Institutionen wie Pensionsfonds als auch Privatanleger, ihre Investitionen mit ihren eigenen Werten zu vereinbaren. Ein Umweltaktivist kauft keine Ölaktien, ein Pazifist keine Rüstungswertpapiere. Der private Vermögensaufbau wird damit auch zu einem politischen Statement.

Für Harrison Hong, Professor für Volks- und Finanzwirtschaft an der US-Universität Princeton, steht schon lange fest, dass auch am Aktienmarkt die Akteure nach ihren Überzeugungen und Werten handeln. "Klar beeinflussen persönliche Ansichten auch die Investitionen. In Ländern mit höherem Patriotismus etwa halten Anleger mehr heimische Aktien", so Hong im Rahmen einer Tagung in Wien (das Thema: Vermögensverwaltung von Universitätsstiftungen, initiiert von der Wirtschaftsuniversität Wien).

Hong zeigt sich daher wenig überrascht vom jüngsten Boom von SRI (Sustainable & Responsible Investments, siehe Wissen). Umfragen würden verstärktes Bewusstsein, etwa zum Problem des Klimawandels, zeigen, und das würde sich auch auf die Investitionsentscheidungen niederschlagen.

Dabei können Investoren mit verschiedenen Instrumenten dem Gedanken der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit gerecht werden. So werden von verschiedenen Anbietern Indizes zu nachhaltigen Unternehmen herausgebracht, etwa der "FTSE4good" oder die Serie der "Dow Jones Sustainability Index". Dort gebündelt werden Aktien einer Region, die nach einem gewissen Katalog (je nach Index) als nachhaltig oder ethisch klassifiziert werden.

Anleger können also selbst Aktien aus einem Index auswählen oder aber in einen Fonds investieren, der gewisse Selektionskriterien für Nachhaltigkeit verfolgt. Auch Indexzertifikate oder Indexfonds können Anleger für den nachhaltigen Vermögensaufbau nutzen.

Demokraten legen anders an

Doch mitunter geht es auch viel einfacher. Denn eine jüngste Untersuchung hat gezeigt, dass sich Fondsmanager, die den Demokraten oder Republikanern nahestehen, deutlich unterscheiden, was ihre Investitionen betrifft. Fondsmanager, die an die Demokraten Wahlspenden überweisen, verhalten sich fast genauso nachhaltig wie ein SRI-Fonds. Unternehmen, die in der Tabak-, Alkohol- oder Waffenindustrie tätig sind, finden auch in ganz normalen Aktienfonds, solange sie von Demokraten gemanagt sind, keinen Platz.

Also könnten Anleger auch darauf achten, dass der Fondsmanager oder die Vermögensverwaltung, die sie engagieren, mit ihren eigenen Werten übereinstimmt.

Doch einer Illusion sollten sich Anleger, die auf ihr Gewissen auch bei Geldfragen hören wollen, nicht hingeben, glaubt Princeton-Ökonom Hong. "Wenn man die Welt ein wenig verändern will, sollte man dafür auch mehr zahlen. Wie in einem nachhaltigen Supermarkt Brot 15 Cent mehr kostet, sind auch nachhaltige Unternehmen am Aktienmarkt teurer", so Hong. "Man sollte bereit sein, mehr für eine Aktie zu zahlen, die umweltfreundlicher ist." Die verstärkte Tendenz hin zu SRIwürde kurzfristig nämlich den Preis der Aktien nach oben treiben - mitunter sogar eine Blase kreieren -, langfristig aber würden die Sündenaktien durch den Abschlag profitieren.

Zudem bleibt ein grundlegendes Problem bestehen. Es werde immer schwieriger, wirklich engagierte Firmen zu finden, da immer mehr Unternehmen über Marketing versuchen, ihr Image aufzupolieren. Wie können Anleger nun abschätzen, wie nachhaltig Unternehmen agieren? "Das Einfachste wäre, einfach ihre Energierechnung anzusehen, aber die werden sie niemals herzeigen", lautet die zynische Antwort von Hong.

Also bleibt privaten Anlegern nur der Blick auf die SRI-Indizes, um ihrem Gewissen gerecht zu werden. Doch wer von nachhaltigen Investitionen unnachhaltig hohe Gewinne erwartet, wird deutlich enttäuscht werden. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Printausgabe, 22.10.2009)

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