"Es gibt immer jemanden, der profitiert"

21. Oktober 2009, 16:58
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Wenn Staaten mit milliardenschweren Konjunkturprogrammen die Wirtschaft stützen, können Anleger davon ganz gezielt profitieren, sagt Fondsmanager Amit Lodha

STANDARD: Die staatlichen Rettungspakete versuchen jene Löcher zu stopfen, die die Krise in die Weltwirtschaft gerissen hat. Sie wollen mit einem Fonds von diesen Investitionen profitieren. Wie?

Lodha: Wenn private Investitionen wachsen, dann werden mehr Fabriken oder mehr Hotels gebaut. Doch wenn der Staat mehr Geld in die Hand nimmt, investiert er es in Straßen, in die Infrastruktur, in die elektrische Versorgung. Das sind sehr unterschiedliche Wachstumspfade. Als Investor muss man von diesen Segmenten profitieren können. Es stimmt schon, dass der private Sektor weniger investieren wird, aber der Staat investiert so viel, dass sich für Anleger attraktive Möglichkeiten bieten.

STANDARD: Aber ist es nicht schon etwas spät, um von staatlichen Konjunkturpaketen zu profitieren?

Lodha: Überhaupt nicht. Von den rund 750 Milliarden Dollar, die in den USA für staatliche Projekte vorgesehen sind, wurden erst 70 Milliarden ausgegeben. Das ist ein Grund, warum ich US-Straßenbauunternehmen derzeit sehr interessant finde.

STANDARD: Aber Aktien haben rund um den Globus bis zu 100 Prozent zugelegt. Sind sie nach dieser deutlichen Erholung nicht bereits deutlich überteuert?

Lodha: Das stimmt bedingt. Zahlreiche Aktien haben sich in kürzester Zeit verdoppelt, ja verdreifacht. Aktienmärkte sind aus Investorensicht natürlich nicht mehr so spannend wie im Februar oder März dieses Jahres. Aber es gibt noch viele langfristig interessante Anlagethemen für mich. Eine Stadt wie Peking, mit 4,5 Millionen Menschen, verfügt noch bei weitem nicht über die Infrastruktur einer europäischen Stadt wie Paris. Die Urbanisierung und Industrialisierung in diesen Regionen wird ein Investmentthema für die nächsten 15 bis 20 Jahre bleiben. Dazu kommt noch die kurzfristige Möglichkeit, von den Konjunkturpaketen, dem Ölpreis und steigender Inflation zu profitieren.

STANDARD: Sie gehen also von einer höheren Inflation in der Zukunft aus. Aber wie hoch wird die Teuerungsrate denn Ihrer Meinung nach steigen?

Lodha: Das Geld, das von Notenbanken gedruckt wurde, um die Wirtschaft zu stützen, und die Reserven, die auf den Bilanzen der Banken liegen, werden die Inflation steigen lassen. Wir gehen derzeit von deutlich höheren Inflationsraten, zwischen 2,5 und vier Prozent, ab 2010 aus. Bei einem Ölpreis von mehr als 100 oder 110 Dollar könnte die Inflation auch noch deutlich darüber steigen.

STANDARD: Wie können sich Investoren vor einer höheren Inflation schützen? Sind Aktien dabei wirklich ein guter Hedge gegen die Teuerung?

Lodha: Werte mit echter Substanz profitieren in einem solchen Umfeld überdurchschnittlich, etwa Unternehmen aus dem Rohstoffbereich. Natürlich zählt auch Gold dabei zu den Gewinnern. Generell funktionieren "harte" Werte, während Anleihen deutlich verlieren.

STANDARD: Doch gerade die Rohstoffmärkte schwanken sehr stark.

Lodha: Deswegen haben wir keinen einfachen Ressourcen-Fonds. Dieser Fonds soll die Volatilität besser managen, weil er über den gesamten Zyklus verschiedene Themen aufgreifen kann. Steigt etwa der Ölpreis, profitieren die Explorations- und Produktionsunternehmen, fällt er, gewinnen die Fluglinien. Als vor einem Jahr viele Analysten gesagt haben, dass Öl auf 200 Dollar je Barrel steigen wird, haben wir uns gefragt: "Brauchen wir wirklich so viel Öl?" Um Investoren zu schützen, habe ich dann Aktien von Fluglinien gekauft. Denn es gibt immer jemanden, der profitiert. Steigt der Stahlpreis, gewinnen die Stahlproduzenten, aber die Autoproduzenten verlieren. Wenn der Preis hingegen sinkt, profitieren die Autounternehmen. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Printausgabe, 22.10.2009)

Zur Person

Amit Lodha (36), CFA, ist Fondsmanager des Fidelity Funds - Global Real Asset Securities Fund. Davor verwaltete er den Global Industrials Fund für Fidelity. Insgesamt ist Lodha seit neun Jahren in der Investmentbranche tätig. Der Global Real Asset Securities Fund konzentriert sich auf Unternehmen aus den Bereichen Roh- und Wertstoffe, Energie, Infrastruktur, Investitionsgüter und Immobilien.

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