Nationalrat

Dringliche Anfrage der Grünen zu Causa Buwog

21. Oktober 2009, 16:44

Pröll sieht transparenten Ablauf, und sich für diverse Fragen nicht zuständig - Opposition ruft nach Untersuchungsausschuss

Wien - Finanzminister Josef Pröll (VP) geht nach Informationen aus seinem Ressort davon aus, dass das Privatisierungsverfahren zur Veräußerung der Bundeswohnungen offen, transparent und objektiv abgewickelt worden sei. Das erklärte er in der Beantwortung der Dringlichen Anfrage der Grünen zu dieser Causa Mittwochnachmittag im Nationalrat. Auf Vermutungen, ob Ex-Finanzminister Karlheinz Grasser (VP) oder sonstige Mitarbeiter des Ressorts Informationen an die Bieter nach außen getragen haben könnten, ließ sich der Vizekanzler nicht ein.

Pröll, der entgegen ursprünglichen Angaben seines Büros doch die Anfrage selbst beantwortete und sich nicht durch Staatssekretär Reinhold Lopatka vertreten ließ, verwies darauf, dass er zum Zeitpunkt dieser Privatisierung nicht im Finanzministerium tätig gewesen sei und daher zu solchen Fragen keine Auskünfte geben könne. Details gab es somit wenige. Bestritten wurde von Pröll, dass der Bund erst nachträglich auf die so genannten Einweisungsrechte für 5.000 Wohnungen verzichtet hätte. Der Rechnungshof hatte kritisiert, dass hier eine finanzielle Entschädigung herauszuholen gewesen wäre.

Bekannt gegeben wurde von Pröll, wie viel Geld an den früheren Weggefährten Grassers, Peter Hochegger, bzw. dessen Firmen vom Finanzressort ausgeschüttet wurde. Die einzelnen Posten zusammengezählt ergaben sich für die diversesten Aufträge knapp drei Millionen Euro. Ob es auch von anderen Ministerien Aufträge an Firmen mit der Beteiligung Hocheggers gegeben habe, konnte der Finanzminister mangels Zuständigkeit nicht beurteilen.

Keine Aufträge an Meischberger

Keinerlei Aufträge gingen nach Angaben des Vizekanzlers an Firmen von Walter Meischberger, der ebenso wie Hochegger im Zuge der Buwog-Privatisierung Provisionszahlungen erhalten hat. Pröll schränkte bloß ein, dass sein Ressort nur jene Aufträge an Firmen kundtun könne, in denen eine Beteiligung von Einzelpersonen auch bekannt sei.

Wortkarg war der Finanzminister bei jenen Fragen, in denen es darum ging, ob Grasser bei der Finanzierung seiner Homepage durch die Industriellenvereinigung nicht doch Steuern bezahlen hätte müssen. Diese Einschätzung obliege einzig dem Finanzamt, erklärt der Finanzminister. Ob er sich für einen parlamentarischen U-Ausschuss zur Causa Grasser erwärmen könnte, wollte Pröll nicht direkt beantworten, da solch eine Entscheidung den Abgeordneten obliege. Für ihn sei jetzt die Justiz am Zug.

In der Begründung der Dringlichen hatte Grünen-Vizechef Werner Kogler die ÖVP aufgefordert, sich vom "System Grasser" abzukopplen: "Fürchtet euch nicht, es ist nie zu spät zur Umkehr." Konkret warf er Grasser vor, seine Freunde wie Hochegger aus der Staatskassa bedient zu haben. Beispielsweise angeprangert wurden die Kosten für Grassers KMU-Roadshow, die 2,4 Millionen aus dem Steuersenkel gekostet habe. Hier handle es sich um "klassischen Missbrauch", die ÖVP sollte das Geld zurückzahlen.

Rufe nach Untersuchungsausschuss

Die Opposition hat in der Debatte um die Dringliche Anfrage neuerlich einen Untersuchungsausschuss gefordert. Für die SPÖ lehnte Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter die Einrichtung einer parlamentarischen Untersuchung zum jetzigen Zeitpunkt ab. Er argumentierte damit, dass sich die Zeugen aufgrund laufender Justiz-Verfahren im Parlament der Aussagen entschlagen könnten.

Kräuter zeigte sich aber überzeugt, dass ein U-Ausschuss kommen werde. Wenn die Strafverfahren abgeschlossen seien, werde die politische Verantwortung zu klären sein. Kräuter sprach von einem "System Schüssel-Grasser", das restlos ausgemerzt gehöre und formulierte viele offene Fragen in der Causa. Altkanzler Wolfgang Schüssel (V) empfahl er, auf seiner Spirituell-Reise durch Tibet der "Irrlehre abzuschwören".

Untersuchungsbedarf ortete auch FPÖ-Mandatar Werner Königshofer. Dass Grasser am Beginn seiner Amtszeit von der FPÖ gekommen war, versuchte Königshofer zu relativieren. Zum Zeitpunkt der Affäre sei dieser im Schüssel-Kabinett II ÖVP-Finanzminister gewesen. Bei Martin Strutz vom BZÖ sorgte das für Belustigung. Die heutige Darstellung komme ihm vor wie die drei Affen, die sich Augen, Ohren und Mund zuhalten. Strutz warf zudem der Justiz vor, "wiedermal mit zweierlei Maß zu messen". Jeder "Hendldieb" werde sofort verfolgt, während man in diesem "Kriminalfall" Hausdurchsuchungen vorher ankündige.

Unzufrieden mit den Antworten von Finanzminister Pröll zeigte sich Gabriela Moser von den Grünen. Prölls mangelnde Aufklärung und die Rückdeckung für Grasser zeige, dass ein U-Ausschuss nötig sei. Sie hielt Pröll vor, die Gelegenheit ausgelassen zu haben, mit dem "System Grasser" Schluss zu machen.

ÖVP-Abgeordneter Günter Stummvoll warf wiederum den Grünen vor, das Instrument der Dringlichen Anfrage abzuwerten und es nur zur persönlichen Befriedigung einzusetzen. Er verteidigte Privatisierungen unter Grasser sowie die Finanzierung der Grasser-Homepage durch die Industriellenvereinigung. Ihm sei die Finanzierung durch einen "privaten Sponsor" lieber als durch Steuergelder.(APA)

 

 

Kommentar posten
24 Postings
alois hoeller
01
23.10.2009, 12:20
transsparent gelaufen, nicht zuständig?

€ 16.000 für eine wohnung und nicht zuständig.!!
ich kaufe sofort jede wohnung um € 16.000
verschenken von volksvermögen und nicht zuständig. ??
aber den meistens bedürftigen österreichern irgenwelche beihilfen vorhalten und eine neiddiskussion hervorufen. großartig!!!

Verzweifelnd
00
22.10.2009, 08:46

960 vs 961 Mio. €

Beherrscht Herr Pröll die Promille-Berechnung?

Ist ihm klar wie hoch die Chancen stehen dass zwei derartige Gebote ohne Verabredung zustande kommen?

Walter Kaiser
00
22.10.2009, 10:06
Promille Berechnung? Was soll denn das sein?

Meinen sie "Wahrscheinlichkeitsrechnung"?

Ich glaub' ja auch an illegale Weitergabe von Informationen, also Betrug, aber wenn man davon ausgeht, daß die Bieter das Kaufobjekt aufgrund ihrer Unterlagen bewerten, dann ists schon klar, daß die Größenordnung sehr ähnlich sein muss.

Aber wie auch immer, weder Wahrscheinlichkeitsrechnung, noch "Promille Berechnung" oder mein Glauben reicht für eine Verurteilung. Da müssen schon Beweise her.

Verzweifelnd
00
22.10.2009, 10:40

Mit "Promille-Berechnung" ist natürlich der Unterscheid der beiden Angebote zueinander gemeint ;-)

prove
01
21.10.2009, 23:12

Werde heute an meine Freundin auch eine dringliche Anfrage" zur "persönlichen Befriedigung" stellen.

Danke, Herr Stummvoll für die Idee!



mala leche
11
21.10.2009, 20:54
Ich schätze die Arbeit der Grünen wirklich sehr!

Nur, in diesem Fall finde ich hat Kräuter schon recht, wenn er meint, dass ein UA zum derzeitigen Zeitpunkt in's Leere laufen würde. Und übrigens hat er eindeutig signalisiert, dass sich die SPÖ sehr wohl eine Zustimmung zu einem UA vorstellen kann, nur eben jetzt nicht - siehe seine Argumentation im Artikel! -- Ich finde es kontraproduktiv, wenn die Grünen SPÖ und ÖVP plakativ in den selben Topf werfen und nicht darauf eingehen, dass es wieder einmal die ÖVP ist, die eindeutig gegen eine Aufklärung der politischen Verantwortlichkeiten ist!

Schwalbe
00
21.10.2009, 18:52

Wer war das doch geich, der hier "persönliche Befriedigung" erzielt hat?!

steppi1
11
21.10.2009, 20:28

Pröll wird aufpassen müssen. Wenn er sich nicht baldigst von den Typen distanziert, wird ziemlich viel Dreck an ihm hängen bleiben.
Die Entschuldigung, nichts gewusst zu haben, nehme ich keinem Politiker da oben mehr ab. Manche wissen ja sogar noch sehr gut, wie excellent alles unter Hitler funktioniert hat.

GRohnePunkte
01
21.10.2009, 17:49
Ein offenes und transparentes Bieterverfahren ..

Ich glaube ihm wohl. Wahrscheinlich war das ganze Verfahren am Ende doch ein bisserl zu "transparent". Jedenfalls dürfte einer der beiden Bieter bei der Einstellung des Transparenzwertes Dank eines oder mehrerer intern lasergesteuerter Quantenfreunde kurzfristig etwas übertrieben haben :)

Alexandre P
41
21.10.2009, 16:58
WARUM IST SPÖ GEGEN AUSSCHUß

Jetzt hätten sie nach all den Wahlniederlagen ein mal eine Chance sich beliebt zu machen bei der Bevölkerung und das System Grasser zu untersuchen und dann stimmen sie dagegen.. selber schuld, wo wird das nix

Nah&Frisch
01
21.10.2009, 21:52
Ich denke es macht schon Sinn ...

zuallererst die Strafrechtliche Konsequenz festzustellen zu lassen, bevor die politische Verantwortung vor dem Untersuchungsausschuss abgearbeitet wird.

Beschuldigte und Zeugen entschlagen sich der Aussage, weil sie von der Behörde noch nicht einvernommen worden sind etc., etc., und die Fakten versandeln dann irgendwo im politischem Unterausschußnirwana.

Die Chance ist vielleicht doch etwas grösser, dass am Ende zumindest irgendwas greifbares herauskommt, wenn man dabei Strukturiert vorgeht

a b4
15
21.10.2009, 17:41

Beiliebt?!
Das Polittheater geht den Leuten schon gehötig am Nerv.
Die interessieren solche "Skandale" nicht mehr, nicht einmal die "BAWAG" hat die Wähler beeinflusst.

Mooo
12
21.10.2009, 18:58
Das hättens wohl gern?

Das ist der Skandal des Jahrhunderts!

Großes Lob den Grünen! Den Letzten die sich noch um uns Steurzahler scheren.

Genowo
02
21.10.2009, 16:36
Es reicht!

Pröll war 2004 Mitglied der Bundesregierung, heute befällt ihn progressive Amnesie, wenn es um die Skandale aus dieser Zeit geht!

Pröll (VP) geht davon aus, dass das die Privatisierungen der Bundeswohnungen "offen, transparent und objektiv" abgewickelt worden sei.

Ist der gute Mann noch zu retten?

Ich jedenfalls gehe davon aus, dass die ÖVP ziemlich viel Dreck am Stecken haben muss, wenn sich der Herr Vizekanzler so "bled" stellt.

Wenn er so ein reines Gewissen hätte, wie er vorgibt, bräuchte er sich ja auch nicht vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss fürchten. Aber diesen blockieren die Schwarzen gemeinsam mit den Roten. (Verwicklung der roten Wr. Städtischen?)

Auffällig auch das dröhnende Schweigen der blauen Buberln!

Thinking_Citizen
 
05
21.10.2009, 16:05

Also wirklich, die Oppositionsarbeit der Gruenen in dieser Sache finde ich sehr gut und klar im Interesse der Bevoelkerung!

Ohne deren nachhaltiges Engagement waere diese BUWOG-Affaere wohl nicht so weit gekommen wie das jetzt schon der Fall ist.

per verser
02
21.10.2009, 16:22

das verbrechen schon, aber die aufdeckung wäre nicht so weit gediehen. nur, freuen sollten wir uns erst, wenn pröll einsitzt.

JobMotor
55
21.10.2009, 15:54
Die ÖVP wäre gut beraten die grünen Anfrage

offen und ehrlich zu beantworten !

Grasser, Schüssel waren die größten schwarzen polit. Zerstörer Österreichs, nach Dollfuss !

Franz Rinnerli
05
21.10.2009, 17:45

Doktor Dollfuß hat diesen komischen Sozialismus verboten und wird daher nun von der hl. Kirche zu recht selig gesprochen werden.
Wo liegt Ihr Missverständnis?

Walter Kaiser
11
22.10.2009, 10:18
Dollfuss war kein Demokrat - klar liebt ihn die Kirche.

Und weil er kein Demokrat war, ist er ein Zerstörer der politischen Kultur - wie Schüssel und Grasser.

Wo liegt Ihr Missverständnis?

per verser
44
21.10.2009, 16:23

schuschnigg ned vergessen. die övp tut das recht gern, aber schuschnigg war einer der ihren. auch ein mordgeselle, und ein übler dazu, wenn man sich die standgerichtlichen todesurteile und deren scheinlegitimierung ansieht. war vorbildgebend für hitler.

sabine reiterli
22
21.10.2009, 17:46

Um Himmels Willen, wer hat denn dich so verhetzt?!
Is ja schlimm.

Walter Kaiser
11
22.10.2009, 10:20
Schuschnigg war ein Mörder.

Da kommt man nicht dran vorbei. Wenn sie sich mit Mördern verhabern wollen - kein Problem, dann sind sie mit der ÖVP in bester Gesellschaft.

Meuterei auf der Boeing
06
21.10.2009, 15:14
Honoré de Balzac

Hinter jedem großen Vermögen versteckt sich ein Verbrechen.

Verzweifelnd
00
21.10.2009, 12:20

Lopatka wird die Anfrage an das Salzamt weiterleiten

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