Stresshormone im Mutterleib wirken auf Nachwuchs

21. Oktober 2009, 11:11
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Bei drohender Frühgeburt beschleunigen Hormone die Lungenreifung des Ungeborenen - Babys haben veränderte Hormonproduktion

Basel - Wenn eine Frühgeburt droht, erhalten Schwangere oft synthetische Stresshormone, um die Lungenreifung des Ungeborenen zu beschleunigen. Wissenschaftler der Universitäten Basel und Zürich sind nun zum Ergebnis gekommen, dass diese Glukokortikoide auch die Hormonproduktion des Kindes verändern, teilt die Universität Basel in einer Aussendung mit. Die Forschungsresultate wurde diese Woche online in der Fachzeitschrift "Endocrine Reviews" veröffentlicht.

Hormon beschleunigt Lungenreifung

Wenn Komplikationen in der Schwangerschaft auf eine Frühgeburt hinweisen, werden seit den 1970er-Jahren Glukokortikoide eingesetzt. Diese synthetischen Stresshormone helfen unter anderem, die Lungenreifung des Ungeborenen zu beschleunigen, damit es bei einer vorzeitigen Geburt auch außerhalb des Mutterleibs überleben kann. Die Glukokortikoide können aber die fötale Entwicklung nachhaltig beeinflussen. Vor allem das körpereigene Stresssystem, die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrindenachse (HHNA), reagiert besonders empfindlich auf vorgeburtliche Einflüsse durch synthetische Glukokortikoide.

Eine Arbeitsgruppe an der Fakultät für Psychologie der Universität Basel untersucht seit längerem wie der Nachwuchs auf Belastungen in der Schwangerschaft reagiert. Das Team wertete systematisch 49 Studien aus den letzten 40 Jahren aus, die den Einfluss von pränatal verabreichten synthetischen Glukokortikoiden auf die HHNA-Aktivität des Kindes untersuchten - sowohl im Mutterleib, als auch kurz nach der Geburt und in der frühen Kindheit.

Unterschiedliche Reaktion auf Schmerzen

Die Forschenden stellten fest, dass der vor der Geburt behandelte Nachwuchs eine reduzierte HHNA-Aktivität aufweist und somit zum Beispiel eine geringere Menge des Stresshormons Cortisol produziert, sowohl unter Ruhebedingungen als auch etwa in Reaktion auf Impfungen in den ersten Lebensmonaten. Während sich die Unterschiede unter Ruhebedingungen in den ersten zwei Lebenswochen aufheben, scheinen Unterschiede in Reaktion auf Schmerzen durch einen Nadelstich auch noch im Alter von vier Monaten zu bestehen. Die Forschenden berichten weiter, dass die Aktivität des Stresssystems auch von Parametern wie der Medikamentendosis abhängt.

Noch ist unklar, ob die veränderte Aktivität des körpereigenen Stresssystems kurz- und langfristig die Gesundheit der betroffenen Kinder beeinträchtigt. Die Befunde sollen dazu beitragen, das Verständnis der häufig lebenswichtigen Glukokortikoidgabe zu vertiefen und geben Anhaltspunkte für notwendige weitere Forschung, so die Wissenschafter. (red)

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    Erhalten Ungeborene während der Schwangerschaft synthetische Stresshormone, verändert dies auch die Hormonproduktion des Kindes. Dies kann zu einer unterschiedlichen Reaktion auf Schmerzen bei Kleinkindern führen, erklären schweizer Wissenschafter in einer neuen Studie.

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