Scharfe Kritik des Kärntner Militärkommandanten an "nicht akzeptablen" Inhalten bei Ansprachen bei 10.-Oktober-Feier - BZÖ verteidigt Abwehrkämpferbund
Klagenfurt - Nach dem Ausstieg bei der Ulrichsbergfeier
kündigt das Militär nun auch dem Kärntner Abwehrkämpferbund (KAB) die
Unterstützung auf. Militärkommandant Gunther Spath kündigte brieflich
an, man werde an den 10.-Oktober-Feiern des KAB nicht mehr
teilnehmen. Das berichtet die "Kärntner Tageszeitung" in ihrer
Mittwoch-Ausgabe. Bisher hatte das Militär unter anderem die Musik
beigestellt. Grund für das Aus: Die Töne von KAB-Obmann Fritz
Schretter, der bei den diesjährigen Feiern erneut vor einer drohenden
Slowenisierung Südkärntens gewarnt hatte.
"Pauschal-Attacke"
Die Ansprache Schretter sei, so Spath in seinem Schreiben, "nicht
nur vom Inhalt her, sonder auch von Ton und Körpersprache" für
jemanden, der in Uniform als sichtbarer Repräsentant der Republik
Österreich anwesend sei, nicht akzeptabel. Spath weiter: "Ich kann
als hochrangiger militärischer Repräsentant unseres Landes nicht
widerspruchslos hinnehmen, wenn eine Volksgruppe oder ein
Nachbarstaat pauschal attackiert werden."
Er wolle es nicht so weit kommen lassen, sich Fragen seiner
Vorgesetzten beim Streitkräftekommando oder Verteidigungsministerium
gegenüberzusehen, bei denen er in Argumentationsnotstand geraten
würde, schreibt der Kommandant weiter. Er ehre das Gedenken an den
Abwehrkampf und die Volksabstimmung von 1920, doch ebenso wichtig sei
es, aus der Geschichte zu lernen, "Grenzen und Ressentiments in den
Köpfen abzubauen und das Miteinander zu finden", betonte der
Militärkommandant. Bei Schretters Ansprachen fehle dieses Verständnis
aber.
BZÖ für freie Meinungsäußerung
Das BZÖ Kärnten verteidigte am Mittwoch in einer Aussendung den Abwehrkämpferbund. BZÖ-Landesverteidigungssprecher Roland Zellot erklärte:
"Wir leben in einem freien demokratischen Land, wo jede
Meinungsäußerung ohne Androhung von Sanktionen möglich sein muss." Das Bundesheer habe sich immer durch Unterstützung der
Traditionsverbände ausgezeichnet, es sei nicht einzusehen, dass
"durch persönliche Ressentiments von Herrn Spath diese nicht mehr
gewährleistet sein soll", so Zellot. Militärkommandant Spath stoße mit seinen Äußerungen tausende
Mitglieder des KAB vor den Kopf.
Absage bei Ulrichsbergfeier
Erst im Herbst hatte Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) die
Unterstützung des Bundesheeres für die traditionelle Ulrichsbergfeier
im Vorfeld des 10. Oktober untersagt, die Veranstaltung wurde
daraufhin abgesagt. Anlass waren Berichte darüber gewesen, dass der
Obmann der Ulrichsberggemeinschaft NS-Devotionalien im Internet zum
Verkauf angeboten haben soll. Der Abwehrkämpferbund hatte wütend
gegen diese Entscheidung von Darabos protestiert. Nun muss auch er
künftig ohne Bundesheer auskommen. (APA/red)