Mehrheit gegen Filesharer-Sperren

21. Oktober 2009, 09:19
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70 Prozent der Briten fordern faire Gerichtsverfahren statt Restriktion

70 Prozent der britischen Bevölkerung sprechen sich gegen Netzsperren von vermeintlichen illegalen Filesharern aus. Die Mehrheit plädiert dafür, verdächtigten Personen ein faires Gerichtsverfahren zu ermöglichen, anstatt automatisch den Internetzugang zu kappen, wie dies von der britischen Regierung geplant ist. Künftig sollen die Internetserviceprovider (ISPs) per Gesetz dazu gezwungen werden, jene Nutzer vom Netz zu nehmen, die im Verdacht stehen, illegal Inhalte heruntergeladen zu haben.

Doch die Regierungspläne stoßen auf zunehmenden Gegenwind. Weder die Provider selbst, noch die Öffentlichkeit sprechen sich positiv gegenüber der Netzsperren aus, wie nun eine Erhebung von YouGov belegt. Nur 16 Prozent der Befragten sind für die automatischen Sperren auf Grundlage des bloßen Verdachts bzw. der Beschuldigung vonseiten der Rechteinhaber aus.

Nur per Gerichtsbeschluss

"Diese Umfrage zeigt, dass die Menschen dem Internet vertrauen und eine überwiegende Mehrheit denkt, dass der Zugang wenn, dann nur per Gerichtsbeschluss gekappt werden sollte", sagt Jim Killock von der Open Rights Group, die die Erhebung in Auftrag gegeben hat. Etwa ein Drittel sei eher abgeneigt, eine Partei zu wählen, die sich für Internetsperren ausspricht. Bei jüngeren Usern komme dies sogar so sehr zum Ausdruck, dass diese aufgrund des Themas "Netzsperren" Wahlentscheidungen ändern würden.

Sperren leicht zu umgehen

Die ISPs kritisieren, dass die Netzsperren ohnehin nicht wirksam wären. Wer es darauf anlege, könne entweder seine Webaktivitäten verschlüsseln, fremde IP-Adressen oder auch ein fremdes WLAN benutzen. Auch die heimischen Internetprovider stellen sich klar gegen Netzsperren - die derzeit EU-weit zur Diskussion stehen und vor allem bei Datenschützern und Bürgerrechtlern auf Widerstand stoßen.

"Die österreichischen Provider sind strikt gegen Internetsperren. Für uns bedeutet das einen unzulässigen Eingriff in die Privatsphäre und die Informationsfreiheit", so etwa Andreas Wildberger, Generalsekretär des österreichischen Branchenverbands ISPA. Grundsätzlich, müsse es auch andere Möglichkeiten geben, dem Problem Herr zu werden. "Internetsperren würden zudem die Betroffenen aus der Informationsgesellschaft ausschließen", meint Wildberger.(pte)

 

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