Jeder sechste Bürger unter der Armutsgrenze

20. Oktober 2009, 23:56
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Neue Berechnungsformel verschlechtert bisherige Annahmen - Alte Menschen besonders hart betroffen

Washington - Armut ist in den USA offenbar noch viel weiter verbreitet als bisher angenommen. Jüngsten Berechnungen zufolge lebten im vergangenen Jahr 47,4 Millionen US-Amerikaner unter der Armutsgrenze - das sind sieben Millionen mehr als in den amtlichen Statistiken der Regierung. Damit wäre etwa jeder sechste US-Bürger von Armut betroffen, was einer Quote von 15,8 Prozent entspricht, wie die Nationale Akademie der Wissenschaften (NAS) am Dienstag mitteilte. Laut dem Census Bureau der Regierung sind es 13,2 Prozent oder 39,8 Millionen Bürger.

In der Berechnungsformel der NAS wurden im Gegensatz zum Census medizinische Ausgaben und geografische Besonderheiten berücksichtigt. Auch Fahrtkosten und Aufwendungen für Kindererziehung wurden herangezogen. Die Census-Formel aus dem Jahre 1955 lässt all dies ebenso außer Acht wie Regierungsbeihilfen, die nicht in Bargeld erfolgen.

Den neuen Berechnungen zufolge liegt die Armutsquote der über 65-Jährigen fast doppelt so hoch wie bisher angenommen. Laut NAS sind in dieser Altergruppe 7,1 Millionen Menschen (18,7 Prozent) betroffen, während der Census von 3,7 Millionen (9,7 Prozent) ausgeht. Diese Diskrepanz führt die NAS vor allem auf die hohen medizinischen Behandlungskosten für ältere Menschen zurück.

Die Kinderarmut ist laut NAS hingegen geringer, weil viele allein erziehende Mütter staatliche Zuwendungen wie Lebensmittelmarken bekommen, die in den Census-Daten nicht enthalten sind. Demnach sind in den USA 17,9 Prozent aller Kinder betroffen und nicht 19 Prozent. Besonders hohe Armut wurde mit 29 Prozent unter den US-Bürgern lateinamerikanischer Abstammung registriert sowie unter Schwarzen mit 24,7 Prozent. Weiße europäischer Abstammung waren dagegen zu elf Prozent betroffen. (APA/AP)

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