Der "falschen Hexe" die "Bude anzünden"

20. Oktober 2009, 20:10
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Streit um Kraftwerk in Murauen eskaliert, Anrainerin schaltete Staatsanwaltschaft ein

Graz - Er würde ihr "am liebsten die Bude anzünden" und sie "ins LSF einliefern lassen". Das sind nur zwei Details aus einer Sachverhaltsdarstellung, die Notburga H. nun bei der Staatsanwaltschaft gegen einen leitenden Mitarbeiter der Energie Steiermark einbrachte.

Seit vielen Monaten kämpfen Umweltschützer, unter anderem WWF, Naturschutzbund Österreich und die "Plattform zum Schutz der Murauen", gegen den Bau von zwei Wasserkraftwerken in den Murauen in Gössendorf und Kalsdorf südlich von Graz. Nun eskalierte offenbar ein Streit zwischen der Anrainerin H. und der Energie Steiermark. Die Frau sagt, ein Abteilungsleiter der städtischen Steweag-Steg habe sie wiederholt bedrängt, ihr Grundstück zu verkaufen. Die Frau habe ihn aber darauf hingewiesen, dass sie das Grundstück schon vor Jahren an den Naturschutzbund verkauft hatte. Doch weil die steiermärkische Grundverkehrsbehörde das Geschäft nicht genehmigte - ein Verfahren beim Verwaltungsgerichtshof ist anhängig -, gilt für die Energie Steiermark nach wie vor H. als Eigentümerin.

Vorwürfe zurückgewiesen

Bereits vor einer Woche soll der Mitarbeiter der Steweag-Steg Frau H. nicht nur mehrmals angerufen haben, sondern sie auch zu Hause aufgesucht haben und die 60-Jährige als "falsche Hexe" und "Kröte" beschimpft haben.

Urs Harnik-Lauris, Sprecher der Energie Steiermark, wies im Gespräch mit dem Standard alle Vorwürfe der Frau zurück. Der Beschuldigte K. sei ein Mitarbeiter, "mit dem es in fast 30 Jahren nie Probleme gegeben hat". K. soll aber bei einer unternehmensinternen Befragung zu der Causa sehr wohl bedauert haben, "ein wenig emotional geworden zu sein".

Andreas Türk, ein Sprecher der Umweltschützer, sieht das wenig überraschend anders: "Der Mann ist nervös geworden, weil es das letzte Grundstück ist, dass sie noch brauchen, um bauen zu dürfen. Jetzt haben sie am Donnerstag aber trotzdem schon mit dem Bau begonnen. Aber eine Enteignung dauert einige Wochen, diese Zeit haben die nicht mehr", meint Türk zum Standard.

Harnik-Lauris gibt sich derweil entspannt. Es stimme, dass ein Enteignungsbescheid für das Areal bereits vorliege, aber "wir halten die Türe für Frau H. noch offen - wenn sie nämlich verkauft, kriegt sie sicher rund 3000 Euro mehr als bei einer Enteignung". (Colette M. Schmidt, DER STANDARD Printausgabe, 21.10.2009)

 

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