Gleich vier Industriepartner für nur ein Labor

20. Oktober 2009, 19:50
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Primärer Nutzen des siebenjährigen Unterfangens: Effizientere Produktionsabläufe

Das von Zlatko Trajanoski geleitete Christian-Doppler-Labor für Genomik und Bioinformatik wurde am 1. November 2002 eröffnet und läuft offiziell nur noch wenige Tage bis zum 31. Oktober. Allerdings wurde daran anschließend eine sechsmonatige Auslauffrist bewilligt, um laufende Dissertationen abzuschließen.

Die Ziele waren die Entdeckung und funktionelle Aufklärung jener Gene und Proteine, die beim Prozess der Vermehrung und Differenzierung von Knochenmarkstammzellen beteiligt und für die Diagnose und Therapie chronischer Lebererkrankungen relevant sind. Mithilfe von Genchips und Bioinformatik sollte die Gesamtheit aller Gene durchforstet und die Nutzbarkeit erforscht werden.

Erster Industriepartner des CD-Labors war das Grazer Biotech-Unternehmen Ecocell. Für dieses konnte nachgewiesen werden, dass die Vermehrung von Knochenmarkstammzellen bis zu einer klinisch relevanten Quantität nicht sechs, sondern nur zwei Monate dauern muss - also schnell genug.

Mit Oridis als Partner wurden genetische Marker für Lebererkrankungen beziehungsweise von Angriffspunkten für entsprechende Medikamente identifiziert. Hier stehen drei Mio. in Paraffin eingebettete Gewebeproben der Medizin-Uni Graz, die eine der größten österreichischen Gewebedatenbanken beheimatet, zur Verfügung.

Protaffin wiederum war als Partner interessiert an Datenbanken und Analysen zur Optimierung des Herstellungsprozesses für glycolisierte Proteine, die in der Immunologie eine wichtge Rolle spielen - hier darf man einige Innovationen auf dem Impfsektor erwarten.

Mit dem letzten Partner, Sandoz, erarbeitete das CD-Labor Optimierungen für die Produktion von Penizillin: Seit 50 Jahren nämlich ist der Preis für das Antibiotikum, dessen Genom erst 2005 entschlüsselt wurde, gleich hoch, einen Gewinn kann nur jener erzielen, der die Produktionskosten senken kann.

Kurz nach Eröffnung des Labors erhielt Trajanoski den österreichweit ersten Lehrstuhl für Bioinformatik. Inzwischen sind bereits sieben Professuren eingerichtet. (fei/DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2009)

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