Russlands Gasprom kommt bei South Stream voran

20. Oktober 2009, 18:47
posten

Türkei gibt Weg für Erkundungsarbeiten frei

Moskau - Russland ist der Verwirklichung des Gaspipeline-Projektes South Stream einen Schritt näher gekommen. Der türkische Präsident Abdullah Gül hat nach einem Telefongespräch mit seinem russischen Amtskollegen Dmitri Medwedew offiziell geologischen Erkundungsarbeiten für South Stream in den türkischen Hoheitsgewässern zugestimmt. Und das obwohl die türkische Energiegesellschaft Botas auch am EU-Konkurrenzprojekt Nabucco beteiligt ist.

Derzeit sieht es allerdings so aus, als ob South Stream größere Chancen auf eine Realisierung hätte. Die Pipeline, die von der russischen Gasprom und dem italienischen Energiekonzern Eni gebaut wird, soll auf dem Grund des Schwarzen Meeres verlegt werden und Noworossijsk mit der bulgarischen Stadt Warna verbinden. Von dort soll der eine Strang nach Italien führen, eine weitere Abzweigung könnte über Serbien bis nach Österreich führen. Serbien hat bereits einen Vertrag mit Gasprom unterzeichnet. Österreich könnte beim für Anfang November geplanten Besuch von Kanzler Werner Faymann in Moskau dem Projekt beitreten.

Der Chef des italienischen Energiekonzerns Eni, Paolo Scaroni, kündigte an, dass die Machtbarkeitsstudie für South Stream im kommenden Jahr erstellt werden soll. Mit dem Bau der Pipeline könnte Ende 2010 begonnen werden, sagte Scaroni im russischen Fernsehen.

Aserbaidschan droht Türkei 

Auch von anderer Seite kommt die unter der Federführung der OMV geplante Nabucco-Gasleitung unter Druck. Aserbaidschan hat der Türkei wegen ihrer Annäherung an Armenien gedroht, das Land künftig bei Gasgeschäften außen vor zu lassen. Der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew kündigte an, im nächsten Jahr mit Gaslieferungen nach Russland und eventuell dem Iran beginnen zu wollen. Damit hätte Russland bei der Sicherung von Gasquellen für South Stream gegenüber Nabucco die Nase vorne. (Verena Diethelm, DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2009)

Share if you care.