"Wollen eigene Campari-Läden aufmachen"

20. Oktober 2009, 18:37
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Campari wird in der Krise genauso gern getrunken wie vor der Krise, behauptet Firmenchef Robert Kunze-Concewitz

Campari wird in der Krise genauso gern getrunken wie vor der Krise, behauptet der Firmenchef Robert Kunze-Concewitz. Was der Österreicher mit der Getränkefirma vorhat, sagte er Thesy Kness-Bastaroli.

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STANDARD: In der Krise läuft das Luxusprodukt Campari weiterhin gut. Wie erklären Sie sich das?

Kunze-Concewitz: Damit, dass in Krisenzeiten mehr Aperitif getrunken wird. Wir haben in zahlreichen Ländern zweistellige Zuwachsraten. In Österreich ist 2009 sogar ein Plus bis zu 60 Prozent zu erwarten. Damit wird Österreich zu einem unserer Wachstumsmotoren.

STANDARD: Wie erklären Sie sich den Run auf den Aperitif?

Kunze-Concewitz: In Italien hat diese Kultur eine jahrzehntelange Tradition. Wir feiern heuer das 150-jährige Bestehen von Davide Campari. Der Aperitiv hat sich in Krisenzeiten gut bewährt. Denn neben Campari, Aperol oder anderen Aperitiv-Getränken werden auch Häppchen angeboten, die das Abendessen ersetzen. Natürlich zu einem günstigeren Preis und in einem gemütlicheren Ambiente.

STANDARD: Sie haben kürzlich erfolgreich einen siebenjährigen Bond (350 Mio. Euro, ) mit einer Verzinsung von 5,37 Prozent ausgegeben. Planen Sie neue Zukäufe?

Kunze-Concewitz: Wir haben in den letzten Jahren 16 Akquisitionen getätigt. Nun wollen wir vor allem mit den Bonds eine Umschuldung vornehmen. Derzeit haben wir keine neue Akquisition im Visier, mittelfristig soll unser Wachstumskurs durch Zukäufe im lukrativen Spirituosenmarkt fortgesetzt werden. Im Frühjahr haben wir mit dem US-Whisky-Hersteller Wild Turkey für umgerechnet 433 Millionen Euro die größte Akquisition unserer Geschichte getätigt.

STANDARD: Sie sind als Marketing-Genie bekannt. Mit dem neuen Campari-Kalender, wo James-Bond Protagonistin Olga Kurylenko für Campari und die Stadt Mailand wirbt, sollen Sie die Gründung eigenen "Campari-Bars" planen.

Kunze-Concewitz: Ja, wir denken mittelfristig daran, eigene Campari-Läden aufzumachen. Zuerst in Mailand. Übrigens wäre Wien auch ein ausgezeichneter Standort.

STANDARD: Mit dem Zukauf von Wild Turkey und der positiven Absatzentwicklung werden Sie 2009 erstmals eine Mrd. Euro Umsatz machen?

Kunze-Concewitz: Ich darf wegen der Börsennotierung keine Prognosen machen. Aber es ist anzunehmen, dass wir über eine Mrd. Euro umsetzen werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2009)

Zur Person

Robert Kunze Concewitz (42) ist seit 2007 CEO bei der Mailänder Firma Davide Campari. Der fünfsprachige Marketing Experte, Vater von zwei Kindern, ist ein passionierter Skifahrer und Mitglied des Skiclubs Arlberg. Er ist in der Türkei aufgewachsen und österreichischer Staatsbürger.

  • Artikelbild
    foto: campari
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