Spanische Opelianer drohen mit Streik

20. Oktober 2009, 18:33
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Im spanischen Opel-Werk Figueruelas sollen mehr als 1300 Arbeitsplätze abgebaut werden

Saragossa/Granada - Aus Protest gegen die Stellenabbaupläne des austrokanadischen Autozulieferers Magna für Opel, wollen die spanischen Mitarbeiter des Autobauers auf die Barrikaden gehen. Für vier Tage insgesamt (am 28. und 30. Oktober sowie am 3. und 5. November) haben Gewerkschaften und Betriebsrat zum Streik im Opel-Werk in Figueruelas aufgerufen.

Mit den Arbeitsniederlegungen wollen die Arbeitnehmervertreter Magna, die gemeinsam mit der russischen Sberbank die Mehrheit an Opel übernehmen will, zu weiteren Zugeständnissen bewegen.

Sollte Opel an Magna verkauft werden, drohen in Figueruelas der Abbau von 1333 Mitarbeiter sowie die Auslagerung wichtiger Produktionsschienen ins deutsche Eisenach. Das Werk ist mit seinen 7500 Beschäftigten das zweitgrößte im Opel-Verbund gleich hinter Rüsselsheim. Die Region hängt wirtschaftlich weitgehend von diesem Standort ab.

Harter Widerstand 

Sollte Magna nicht einlenken, kündigt Pedro Bona, Europa-Betriebsratsdelegierter der Gewerkschaft UGT im Standard Gespräch "weiteren und härteren Widerstand an". Noch habe Magna Zeit nachzubessern, doch fehlten Garantien für die Zukunft des Standortes. Den geplanten Entlassungen könne man keinesfalls zustimmen. Es gebe "andere Möglichkeiten, wie Zeitarbeit", schlägt Bona vor. Den angekündigten Streik bezeichnet er als "letztes Mittel".

Dass Magna von seinem ersten Plan abgerückt sei, in Spanien mehr als 2000 von anfangs insgesamt 10.500 Stellenkürzungen ganz Europa vorzunehmen, wird von Bona als "erstes Entgegenkommen" des Konzerns geschätzt. Auch soll Figueruelas an der Fertigung des neuen Corsa beteiligt werden.

Wenigstens 70 Prozent der derzeitigen Produktionskapazitäten der aktuellen Modelle Corsa, Meriva und Combo sollen ab 2013 in Spanien, der Rest in Deutschland in Eisenach gefertigt werden. Dies gehe auf einen gemeinsamen Vorschlag deutscher und spanischer Gewerkschafter zurück, nach dem Motto "Geteiltes Leid ist halbes Leid", sagt Bona.

Dazu passe auch, dass heuer sowohl in Figueruelas als auch Eisenach die Produktionsstraßen 33 bzw. 34 Tage still gestanden hätten. Die Fabrik in Thüringen wird nach Unternehmensangaben von Saragossa aus mit Karosseriebauteilen für den Corsa beliefert.

Politischer Rückhalt 

Bona fordert von Magna "Klarheit". Offene Punkte seien die Jahres-Kapazität von 478.000 Fahrzeugen und die Zukunft des spanischen Presswerks: "Wir sind uns bewusst, dass es mehr Fahrzeuge sind, als der Konzern im Jahr verkauft", sagt der Gewerkschafter. Auch hält er "Restrukturierungen" wegen der sinkenden Nachfrage als "unvermeidbar". Solche müssten aber "glaubhaft und gerecht sein".

Iberische Finanzhilfen für das Opel-Werk würden jedenfalls erst nach einer Einigung mit den Gewerkschaften fließen, sagt Bona, sichtlich nicht zufrieden über den politischen Rückhalt, den die Werksarbeiter genießen. Alberto Larraz, Wirtschaftsrat der autonomen Region Aragón will nun als Vermittler versuchen, den angekündigten Streik noch abzuwenden. (Jan Marot, DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2009)

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    Die Beschäftigten im nordspanischen Opel-Werk Figueruelas sind zum Streik entschlossen. Sie erwarten sich vom künftigen Besitzer Magna weitere Zugeständnisse für die Sicherung von Arbeitsplätzen.

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