Wahlkampf in der Warteschleife

20. Oktober 2009, 18:31
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Nachdem sich die SPÖ mit einem Wahltermin auf Herbst 2010 festgelegt hat, stellen sich die Parteien widerwillig auf einen langen Wahlkampf ein

Wien - Schuld an der Festlegung der Wiener SP auf einen Wahltermin im Oktober 2010 haben laut Bürgermeister Michael Häupl zum einen die Journalisten, zum anderen die Wirtschaftskrise: "Ich wollte alle Unsicherheiten beseitigen - schließlich haben wir einen Job zu machen."

Denn dass die weltweite Rezession in Wien öffentlich kaum wahrgenommen werde, sei auf die "harte Arbeit der Wiener Stadtregierung" zurückzuführen. "Wir sind damit beschäftigt, die Auswirkungen abzumildern - und haben auch vor, das weiterhin zu tun" , sagte das Stadtoberhaupt, das beim Bürgermeistergespräch gemeinsam mit Stadträtin Sandra Frauenberger einmal mehr den "Wiener Weg" in Sachen Integration lobte. Präferenzen bezüglich eines genauen Wahldatums ließ er nicht erkennen - sonst habe "die Journaille" nichts mehr zu fragen.

Monatelang kursierten im Rathaus Gerüchte über einen möglichen früheren Wahltermin - die vor allem von der Rathaus-Opposition geschürt wurden.

Je früher, desto lieber

Der Wiener VP-Chef Johannes Hahn ging noch im Frühjahr davon aus, dass im Herbst 2009 - rund um Häupls Geburtstag im September - gewählt wird. "Mir wäre ein früherer Termin lieber gewesen" , sagt Hahn - und bezweifelt gleichzeitig, dass die SP tatsächlich am Herbsttermin 2010 festhalten wird. "Ein Jahr ist schließlich eine lange Zeit." Dabei hat der Umstand, dass die SP die volle Legislaturperiode ausschöpfen will, möglicherweise auch Vorteile für die Schwarzen. Sollte sich Spitzenkandidat Hahn in den nächsten Wochen doch noch als EU-Kommissar in Richtung Brüssel verabschieden, hätte man immerhin ein Jahr Zeit, einen Nachfolger aufzubauen.

Sowohl Hahn als auch Landesgeschäftsführer Norbert Walter winken diesbezüglich allerdings ab: Dies sei momentan kein Thema. FP-Chef Heinz-Christian Strache begrüßt den nun fixierten Wahltermin: "Die Gründe dafür sind wohl in den miserablen Umfragewerten der SP und dem stetig steigenden Zuspruch für die FP zu suchen."

"Spaltungswahlkampf"

Die Wiener Blauen gingen trotzdem lange von einer vorgezogenen Wien-Wahl aus. "Ich gebe zu, da habe ich mich getäuscht" , sagt Landesparteisekretär Hans-Jörg Jenewein. "Einen allzu großen Unterschied macht das für uns aber nicht. Wir werden unsere Kampagne, die längst fertig ist, einfach etwas später starten."

Die Grünen-Landesparteichefin Maria Vassilakou sieht in der Festlegung der SP auf Herbst 2010 weder Vor- noch Nachteile für ihre Partei. "Wir präsentieren uns in Wahlkampfzeiten ja nicht ganz anders als sonst - im Unterschied zu den anderen Parteien." Diese hätten nun sehr viel Zeit, ihre Strategien für einen "Spaltungswahlkampf" zu entwickeln. (Martina Stemmer/DER STANDARD-Printausgabe, 21.10.2009)

 

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    H.-C. Strache muss das "Duell um Wien" nun bis Herbst 2010 ständig neu ausrufen.

  • Maria Vassilakou befürchtet einen noch brutaleren "Spaltungswahlkampf".
    foto: der standard/urban

    Maria Vassilakou befürchtet einen noch brutaleren "Spaltungswahlkampf".

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    Johannes Hahn hätte es lieber so schnell wie möglich hinter sich gebracht.

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