Quelle am Abgrund

20. Oktober 2009, 17:59
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Mit Quelle geht ein weiteres Stück Tradition den Bach hinunter

Mit Quelle geht ein weiteres Stück Tradition den Bach hinunter. Der deutsche Konzern war über Jahrzehnte das Synonym für den Versandhandel schlechthin. Schwer wie Ziegel türmten sich seine Kataloge in den Haushalten, schillernde Unternehmerfamilien zogen die Fäden. Wie bei Opel und Conti weicht aber auch bei Quelle die Tradition nackten Fakten, und die enthüllen ein Trauerspiel.

Der Versandriese hat die Konkurrenz des Internets jahrelang unterschätzt, um dann auf einen hektischen Zickzackkurs einzuschwenken. Der Vertrieb über eigene Shops und technische Fachgeschäfte hing wie ein Klotz am Bein. Der Trend zu Spezialversendern wurde verschlafen. Mittlerweile graben Quelle hunderte kleine Mitbewerber das Wasser ab, Handelsketten und die Markenindustrie kochen am Online-Markt ihr eigenes Süppchen. Bei der Schaffung der Handelsgruppe Arcandor wurde Quelle mit anderen Kranken in ein Bett gelegt. Von sattem Gewinn für die Eigentümer war die Rede - entstanden ist ein unsteuerbarer Koloss.

Die Rettung als Ganzes scheiterte, die versprochenen Investoren lösten sich in Luft auf. Jetzt sollen zumindest für rentable Töchter im Ausland Partner gefunden werden: Für Österreich geht es um alles oder nichts, allein ist Quelle hier nicht überlebensfähig. Lässt Konkurrent Otto als Käufer aus, sieht es düster aus. Wieder einmal zeigt sich, dass jede noch so glänzende Marke sterblich ist. Was bleibt, ist der bittere Beigeschmack, dass durch Missmanagement tausende Arbeitsplätze und Milliardenwerte vernichtet wurden. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2009)

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