Lipstick Jungle: Ich will raus!

13. Oktober 2009, 13:20
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Die Heldinnen aus Lipstick Jungle sind "angekommen", zumindest zwei Drittel der Damenrunde ...

Die Heldinnen aus Lipstick Jungle sind "angekommen", zumindest zwei Drittel der Damenrunde. Nico Reilly (Kim Raver) ist Chefredakteurin eines Hochglanz-Modemagazins und Wendy Healy (Brooke Shields) ist Chefin einer Film-Produktionsfirma. Beide sind mit – zumindest bis zum aktuellen Serienstand auf ORF 1 – mit männlichen Sympathieträgern verheiratet. Wendys Gatte organisiert den Haushalt und Nicos seit 17 Jahren Angetrauter ist ein freundlicher Literaturprofessor, der bei FreundInnen und seinen StudentInnen sehr beliebt ist. Nur das Nesthäkchen der Runde, Modedesignerin Victory Ford (Lindsay Price), ist sowohl privat als auch beruflich noch nicht restlos gefestigt: Eine Kollektion, die maßlos verrissen wurde und ein Liebhaber, der die junge Frau mangels anderer Qualitäten mit den teuersten romantischen Gütern lockt. Damit bei ihr, aber auch bei den beiden anderen, nichts aus dem Ruder läuft, passen die drei aufeinander auf, schanzen sich schon mal Aufträge zu und halten sich gegenseitig die Auswein-Schulter hin.

Solidarität deponierte die Autorin Candace Bushnell schon in "Sex and the City" ins Zentrum der Erzählung rund um das Serien-Thema "Frauen heute". Wie in der Erfolgsserie Sex and the City sorgen auch in Lipstick Jungle Schönheit und Geld für die Ansehnlichkeit des Erlebten der Frauen, in der aktuelle Serie werden Wendy und Nico zudem noch mit beruflicher Macht ausgestattet. Das letzte Wort hat aber dann doch ein Mann mit dem bulligen Namen Hektor, dem gegenüber seltsamerweise sowohl Nico als auch Wendy Rechenschaft über ihre beruflichen Entscheidungen ablegen müssen – ihm gehören wohl alle Unternehmen in New York.

Die Serie wartet mit einigen feministischen Brocken auf, auf die fast alle Serien, in der ausschließlich Frauen als Hauptprotagonistinnen vorkommen, nicht mehr verzichten wollen. Im Lipstick Jungle verzichten die Gatten auf jegliche Macho-Attitüde, Wendy Healy kontert den Vorwurf, sie sei eine schlechte Mutter damit, dass sie sich das nicht anhören müsste, wenn sie ein Vater wäre und die weiblichen Hauptfiguren sind über 40, was aber nichts heißt, denn: Zwar müssen Wendy und Nico der Erzählung nach mindestens um die 42 oder 43 sein, haben aber dank wahrscheinlich 35 Stunden Training pro Woche extrem jugendliche Körper, die in sündteurer Mode stecken. Um auch Victory Ford trotz ihrer nicht so gesicherten finanziellen Lage glaubwürdig in edles Tuch hüllen zu können, wurde ihr der Designberuf und ein Milliardär-Liebhaber zur Seite gestellt. Der und ihre kindliche Aufgeregtheit, die über alles wachende Autorität Hektors im Hintergrund und schließlich das viele Geld schlagen aufs Gemüt und darüber helfen uns die feministischen Brocken auch nicht hinweg. (Beate Hausbichler, dieStandard.at, 13.10.2009)

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