Die 1,3-Millionen-Frechheit

8. Oktober 2009, 09:57
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Natürlich kann bei der Buwog-Privatisierung 2004 alles mit rechten Dingen zugegangen sein, die Immofinanz den Zuschlag auf Grund eines höheren Angebots erhalten haben, das ohne unrechtmäßige Insiderwissen aus dem Umfeld Grasser/Muhr/Meischberger/Hochegger zustande gekommen ist.

Aber wenn sich hinter der schiefen Optik doch eine schiefe Realität verbergen sollte, dann springt ein Aspekt ganz besonders ins Auge: Nehmen wir einmal an, Immofinanz-Chef Karl Petrikovics hat tatsächlich – von wem auch immer – die Information zugesteckt bekommen, dass sein Konkurrent CA Immo für das Buwog-Paket 960 Millionen Euro bereit ist zu bezahlen, und er nun die Möglichkeit hat, mehr zu bieten.

Wie viel legt der Chef des größten Immobilienkonzerns des Landes für eine seiner wichtigsten Transaktionen, mit der er sich eine goldene Nase zu verdienen hofft, drauf? 1,3 Millionen Euro oder ganze 1,35 Promille. Das Mehrgebot für ein Geschäft, das im später 400 Millionen an Gewinn einbringen würde, war ihm nicht einmal fünf oder zehn Millionen Euro wert. Wozu auch, wenn es mit weniger geht, hat sich Petrikovics damals möglicherweise gedacht.

Dass das Ganze dadurch auch auf unvoreingenommene Beobachter wie eine Schiebung wirken könnte, war ihm offenbar gleichgültig. Er fühlte sich so sicher, dass er keinen Grund sah, irgendwelche Spuren zu verwischen. Noch einmal: Es mag auch ganz anders gewesen sein, der minimale Preisunterschied war vielleicht ein Zufall, und es gilt die Unschuldsvermutung. Aber wenn es doch so war, dann würde das in die Kategorie Chuzpe gehören und ein erschreckendes Sittenbild über diese Ära und diesen Kreis zeichnen.

Nun hat diese Geschichte auf der einen Seite ein moralisch halbwegs befriedigendes Ende. Die gleiche Unverfrorenheit hat Petrikovics in seinen anderen Geschäften an den Tag gelegt. Das machte ihn im Boom ungemein erfolgreich und führte dann im Crash zu seinem tiefen Fall, der ihn je nach Ausgang der Justizverfahren sogar ins Gefängnis führen könnte.

Das gleiche überschießende Selbstbewusstsein, gekoppelt mit Sorglosigkeit, war auch das Markenzeichen von KHG und seinen Kumpanen. Meischberger und Hochegger ist das Lachen inzwischen vergangen, aber Grasser setzt in seinen öffentlichen Auftritten immer noch auf das Prinzip Frechheit als beste Verteidigung. Es wird spannend zu sehen, ob er damit durchkommt.

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