Wer ein Postamt will, soll zahlen

4. August 2009, 13:28
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140.000 Unterschriften für das Volksbegehren gegen Postamtschließungen sind kein großer Erfolg für die Betreiber. Offenbar rührt das Thema die Mehrheit der Österreicher weniger, als es Postgewerkschafter und gewisse Politiker sich wünschen würden.

Das ist gut so. Die Kontroverse um Postämter ist einer jener Schein-Debatten, wo unterschiedlichste Argumente und Interessen in einem großen emotionellen Brei verührt werden, der mit den Fakten dann nicht mehr viel zu tun hat.

Für die Postbediensteten geht es hier scheinbar ums Eingemachte, um ihre Jobs. Aber die meisten von ihnen sind pragmatisiert, können anders als Millionen von Privatangestellten nicht auf die Straße gestellt werden. Natürlich wollen sie, dass möglichst viele Postjobs erhalten werden, aber wie die Post im liberalisierten Wettbewerb unrentable Postämter mit teuren Bediensteten betreiben soll, können sie nicht erklären.

Für die Gemeinden, wo Schließungen drohen, geht es in Wirklichkeit auch nicht um die Postdienstleistungen. Wenn der Greißler schließt, muss man ins nächste Dorf fahren, um Milch zu kaufen. Aber die Post ist per Gesetz verpflichtet, ihre Dienste flächendeckend anzubieten. Und sie möchte das zunehmend über Postpartner tun, weil dies günstiger ist als ein eigenes Postamt.

Für die Kunden kommt es aufs Gleiche heraus, für die lokalen Betriebe ist es eine Chance, etwas dazu zu verdienen und vielleicht dadurch das eigene Überleben zu sichern. Und auch die Öffnungszeiten lassen sich dann meist kundenfreundlicher gestalten.

Wenn Bürgermeister nun mit aller Kraft gegen Schließungen anrennen, dann kämpfen sie um die Symbolik, die ein eigenes gelbes Postamt einer Gemeinde bringt, nicht um die wirklichen Interessen ihrer Bürger.

Es ist dennoch das gute Recht der Kommunalpolitiker, dies zu tun. Aber warum andere (Post-Aktionäre oder Steuerzahler) dafür bezahlen sollen, dass das kleine Hintermberg alein eigenes Postamt hält, ist nicht einsichtig.

Die beste Lösung wäre, dass solche Gemeinden aus dem eigenen Budget dann einen Zuschuss leisten müssen - je weniger rentabel das Postamt, desto höher der Beitrag. Dann müsste man halt auf das neue Gemeindezentrum oder den neuen Kreisverkehr verzichten.

Das tut zwar weh, würde den Verantwortlichen etwas wirtschaftliche Realität und ökonomische Theorie nahebringen - vor allem das Prinzip der Opportunitätskosten. Was immer man für eine Sache ausgibt, steht für eine andere nicht zur Verfügung. Das gilt für die kleine Gemeinde genauso wie für den großen Staat. Wenn wir Postämter erhalten, müssen wir anderswo einsparen.



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