7000 Euro Studiengebühren im Jahr

4. Juli 2009, 10:43
73 Postings

"OECD löst neue Debatte über Studiengebühren aus" titelte der Standard am Freitag, nachdem sich die in Paris ansässige Organisation der westlichen Industriestaaten deutlich für eine Neuordnung der Finanzierung von Universitäten ausgesprochen hat. Tatsächlich reagierte Wissenschaftsminister Johannes Hahn wohlwollend, die SPÖ ablehnend. Aber groß war das Echo insgesamt nicht.

Das ist schade. Was dieses Land brauchen würde, wäre eine breite Front von Politikern, Interessensvertretern und Intellektuellen, die lautstark eine rasche Wiedereinführung der törichterweise de facto abgeschafften Gebühren fordern.

Nicht nur das: Statt der Rückkehr zum Studienbeitrag von 363 Euro pro Semester sollte man die Erhöhung auf das Zehnfache fordern – also Studiengebühren von etwa 7000 Euro im Jahr.

Der Grund liegt nicht nur darin, dass die derzeitige Gratis- oder Diskont-Uni vor allem der oberen Mittelschicht zugute kommt, weil nach allen Untersuchungen nur sehr wenige Schüler aus den unteren Einkommensschichten das Angebot der höheren Bildung nutzen. Unser Uni-System ist daher eine Sozialhilfe für die Wohlhabenden. Aber dieses Faktum ist seit langem wohl bekannt und scheint die Verfechter sozialer Gerechtigkeit dennoch nicht zu kratzen.

Das viel stärkere Argument für hohe Studiengebühren lässt sich aus den Vergleichszahlen der OECD zu den gesamten Bildungsausgaben – öffentlich und privat – seiner Mitgliedsstaaten für 2005 herauslesen. Diese liegen in Österreich mit 1,3 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt für höhere Bildung und 5,5 Prozent für alle Bildungseinrichtungen genau im Durchschnitt der EU-19, der westlichen EU-Staaten. Aber der OECD-Durchschnitt liegt mit 1,5 und 5,8 Prozent etwas höher.

Diese Differenz wird vor allem an den drei Ländern Südkorea, Kanada und den USA verursacht, die zwischen 2,4 und 2,9 Prozent des BIP für Hochschulbildung ausgeben – also mehr als doppelt so viel wie Österreich und die meisten anderen Europäer. Auch die nordischen Musterschüler Schweden, Dänemark und Finnland liegen mit 1,7 Prozent des BIP deutlich über Österreich, aber unter den internationalen Höchstmarken.

In den nordischen Staaten ist es die öffentliche Hand, die mehr Geld für Bildung ausgibt. In Nordamerika und Südkorea aber sind es private Gelder, vor allem hohe Studiengebühren, die den Universitäten so großzügige Mittel in die Hand geben. In Österreich kostet ein Student (ohne Forschungsausgaben) im Durchschnitt 10.061 Dollar im Jahr, in den USA sind es 21.588 Dollar.

Nun kann man argumentieren, dass die Amerikaner auch viel mehr für Gesundheit ausgeben und dennoch nicht gesünder sind. Aber für die höhere Bildung trifft das nicht zu. Amerikanische Unis sind einfach besser als die europäischen Massen-Unis, nicht nur Harvard und Princeton, sondern auch die vielen von den Bundesstaaten ausgestatteten öffentlichen Institutionen. Auch der amerikanische Steuerzahler zahlt viel für höhere Bildung, aber drei Viertel kommt aus den Taschen der Studierenden und deren Eltern.

Die Qualität der Bildungssysteme ist der entscheidende Wettbewerbsfaktor des 21. Jahrhunderts. Und gerade für die Zeit nach der Krise wird sich der Spreu vom Weizen trennen: Wo werden die neuen Jobs entstehen, die den schrumpfenden Finanz- und Kfz-Sektor ersetzen können? Wohl dort, wo junge Menschen auf Weltniveau ausgebildet werden. In Österreich ist das leider nur gelegentlich der Fall.

Es wäre illusionär zu hoffen, dass der Fiskus in den kommenden finanziell so schwierigen Jahren die Hochschulbudgets verdoppeln wird. Nicht einmal das nordische Niveau wird angesichts der politischen Realitäten erreichbar sein. Zusätzliches Geld kann nur von denen kommen, die von der Hochschulbildung direkt profitieren.

Studiengebühren von 7000 Euro im Jahr bei gleich bleibender öffentlicher Dotierung würde den Unis einen echten Qualitätssprung ermöglichen – mehr Lehrende, kleinere Lehrveranstaltungen, bessere Ausstattung. Das bringt langfristig mehr Wachstum und mehr Jobs.

Ein guter Teil der Familien könnte sich einen solchen Betrag leisten (in den USA kostet ein Studienjahr oft das Dreifache), und für die vielen anderen wäre dann genügend Geld für langfristige geförderte Kredite und Stipendien da. Und wem immer ein Studium ein eigener Kostenbeitrag nicht wert ist, wie man es ja bereits nach der Einführung der 730-Euro-Gebühr von zahlreichen Studenten gehört hat, hat an der Uni ohnehin nichts verloren.


Die OECD-Zahlen findet man unter:
http://www.oecd.org/document/9/0,3343,en_2649_39263238_41266761_1_1_1_1,00.html


  • Artikelbild
Share if you care.