Österreichs Subprime-Krise

26. Juni 2009, 11:32
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Gerne wird hierzulande über die sorglose und fahrlässige Kreditvergabe an amerikanische Häuslbauer geschimpft, die ja zur Weltfinanzkrise geführt hat. Aber auch in Österreich haben wir seit Jahren eine Praxis, die in Sachen Verantwortungslosigkeit und unkontrollierbares Risiko es mit der US-Subprimekrise aufnehmen könnte.

Es geht um die Fremdwährungskredite, mit denen sich ein großer Teil der österreichischen Eigenheimbesitzer finanziert hat, um einige Prozentpunkte an Zinsen zu ersparen. Den wenigsten war dabei bewusst, dass sie damit eine massive Devisenspekulation eingehen – eines der riskantesten Investmentbereiche überhaupt und völlig ungeeignet für Menschen mit wenig Wissen über Finanzmärkte und Geldanlage. Die gleichen Kunden würden etwa keine Aktien kaufen, weil dies ihnen als zu gefährlich erscheint.

Lange Zeit waren Yen-Kredite besonders beliebt. Wäre damals der Yen, wie es über die Jahre mehrmals passiert ist, nach oben hin ausgebrochen, dann hätte es zigtausende Privatpleiten in Österreich gegeben. Rechtzeitig wechselten die meisten Kreditnehmer in den Schweizer Franken. Aber auch das hat sich als riskant erwiesen, als der Franken gegenüber dem Euro zulegte, die geschuldete Summe damit deutlich stieg – und die Konstruktion mit den Tilgungsträgern sich als Falle für zahlreiche Familien erwies.

Wer nun in den Euro wechselt oder wechseln muss, der zahlt kräftig drauf. Wer im Franken bleibt, der lebt mit dem Risiko, dass eine echte Krise des Euro, begleitet von einer Flucht der Märkte in den Franken, die Kreditsumme dramatisch erhöht und in vielen Fällen in einen Privatkonkurs mündet.

Noch ist alles recht glimpflich abgelaufen, denn die Währungsausschläge waren bisher eher moderat, aber das Risiko bleibt bestehen. Kein anderes Land in Westeuropa ist dieser Unsitte so verfallen wie wir. Anders als die österreichischen Banken haben deutsche Institute nie Fremdwährungskredite vergeben. Sie wussten, dass das unverantwortlich gegenüber den Kunden ist und die eigene Zukunft aufs Spiel setzt.

Denn ein echter Massenausfall von Krediten würde Tausende Banken und Sparkassen vor allem in Westösterreich zahlungsunfähig machen. Die Menge von Fremdwährungskrediten in Österreich – mehr als 50 Milliarden Euro Volumen, ein Anteil von 17 Prozent an der heimischen Gesamtkreditvergabe und 30 Prozent der Privatkredite - sind ein echtes Klumpenrisiko, das sogar die Stabilität des heimischen Bankensystems gefährden könnte.

Fremdwährungskredite sind der Hauptgrund dafür, dass die Finanzkrise in Mittel- und Osteuropa die österreichischen Banken – Raiffeisen, Erste Bank, Bank Austria - massiv gefährdet. Denn dort sind die lokalen Währungen gegenüber Euro und Franken abgerutscht. Aber die gleiche Unverantwortlichkeit, mit der in diesen Märkten Kredite vergeben wurden, handelten die Institute auch im eigenen Land.

Jahrelang hat die Nationalbank vor dieser Praxis gewarnt, aber sonst nichts getan. Sie und die Finanzmarktaufsicht (FMA) handelten genauso passiv, wie die US-Aufsichtsbehörden gegenüber ihren Subprime-Krediten. Endlich hat die FMA nun eingegriffen und Fremdwährungskredite massiv eingeschränkt – aber nur für die Zukunft. Das hätte schon vor Jahren passieren müssen.

Nun muss man sehen, ob Österreich bei diesem Ausflug in die Welt der Hochspekulation weiterhin mit einem blauen Auge davon kommen. Angesichts der Milliarden, die in der Vergangenheit in Schweizer Franken ausgeborgt wurden, bleiben die Risiken auf Jahre bestehen.

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