Osteuropa: Erst dunkel, dann hell

6. Juni 2009, 14:30
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Die jüngste Verschärfung der Wirtschaftskrise in Lettland – dem Land droht heuer ein Rückgang im BIP von bis zu 20 Prozent und in den nächsten Tagen eine Abwertung der Währung, nachdem der Internationale Währungsfonds die Auszahlung einer weiteren Kredittranche verweigerte, weil das Budgetdefizit viel zu hoch ist – bringt einige grimmige, aber auch wertvolle Botschaften mit sich:

In den USA mag die Rezession bald zu Ende gehen, aber in Mittel- und Osteuropa (CEE) steht das Schlimmste noch bevor. Es gibt zu viele Unsicherheiten in zu vielen Ländern und vor allem zu viele private und öffentliche Schulden, die zu bedienen die Wirtschaftskraft fehlt. Und so unterschiedlich jedes Land auch sein mag – durch die undifferenzierte Denkweise der Märkte ist die Gefahr einer "Ansteckung" real. Österreichs Banken mögen keine Präsenz im Baltikum haben, aber was in Lettland passiert, hat direkte Auswirkungen auf Ungarn, Rumänien und alle anderen CEE-Staaten.

Die Erfahrung der Balten zeigt die Gefahr von fixen Wechselkursen auf. Diese schaffen kurzfristige Sicherheit, aber wenn es zur Krise kommt, dann werden sie zu Sprengstoff. Länder wie Polen und Tschechien, deren Wechselkurse von jeweiligen Marktkräften bestimmt werden, erweisen sich in der Krise als flexibler und anpassungsfähiger. Wenn es in Lettland zur Abwertung kommt – und dies wird von Tag zu Tag wahrscheinlicher – dann ist im ganzen Baltikum die Hölle los. Eine bessere Option ist der Beitritt zum Euro, wie ihn etwa die Slowakei vollzogen hat. Denn dort ist eine Abwertung nicht mehr möglich. Dafür müssen die Slowaken ihre Löhne reduzieren, wenn sie in Zukunft mit den durch Abwertung begünstigten Polen konkurrieren wollen.

Jedes Wirtschaftswunder hat seinen Preis. Jedes Land, das über Jahre hinweg weit überdurchschnittliche Wachstumsraten erzielt, wird irgendwann Opfer einer spekulativen Blase oder zumindest einer Korrektur. Wer immer einmal als Tigerstaat bezeichnet wird – ob die Ostasiaten, Irland oder die Balten – muss damit rechnen, dass auf die Party der Crash folgt. Tiger sind schließlich unberechenbar.

Aber ein solcher Crash ist nicht das Ende der Welt. Bisher haben sich die meisten dieser Staaten wieder erholt und an frühere Wachstumsraten – wenn auch etwas gedämpfter – angeknüpft. Die Blondinen-Parade in der lettischen Hauptstadt Riga vergangene Woche war kein so falsches Zeichen: Wenn das Gewitter vorübergezogen ist, dann hat Osteuropa wieder eine helle Zukunft.

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