Krise einfach wegwünschen? Das funktioniert nicht.

26. März 2009, 17:09
5 Postings

Noch selten zuvor hat der "Standard" so viele lobende Leserzuschriften bekommen wie nach der Schwerpunktausgabe über "Positives an der Krise" vom vergangenen Wochenende. Offenbar sind viele Menschen sehr erleichtert, wenn angesichts der vielen Negativschlagzeilen einmal etwas Gutes geschrieben wird.

Dahinter aber steht noch eine andere, weit verbreitete Meinung: Die Überbringer der schlechten Nachrichten, also die Medien, sind demnach zu einem Großteil Schuld an der Krise. Bekanntlich ist alles in der Wirtschaft Psychologie. Wenn wir aufhören würden zu jammern, dann würde es und sofort auch besser gehen. Oder noch konkreter: Wenn wir uns alle die Krise wegdenken und so tun als ob es sie nicht gebe, dann würde sie tatsächlich verschwinden.

Verführerisch, dieser Gedanke, aber irreführend. Natürlich sind Märkte und Konjunktur von der Psychologie getrieben, aber das heißt nicht, dass sich die Krise nur in den Köpfen der Leute abspielt. Die Rezession ist real, und rational denkende Menschen sind gezwungen, sich daran anzupassen. Sonst gehen sie mit einem Lächeln auf dem Gesicht unter.

Ein Schock wie der Zusammenbruch des Finanzsystems im vergangenen Herbst löst zwangsweise eine Spirale aus: Die Menschen kaufen etwas weniger, daraufhin reduzieren die Unternehmen ihre Produktion. Das kostet anderen Unternehmen Aufträge und vor allem den Arbeitnehmern Jobs. Wenn die Arbeitslosigkeit steigt, wird mehr gespart und weniger gekauft, und so weiter und so fort.

Jeder einzelne in dieser Kette handelt rational. Es wäre selbstmörderisch für Unternehmen, in der Krise nicht zu sparen. Und viele wissen, dass sie nur durch radikalen Jobabbau die Insolvenz verhindern können.

Bleibt der Konsument. Soll er gegen den Strom schwimmen und jetzt drauf los kaufen, obwohl es im Betrieb immer schlechter geht und rund herum Leute ihren Job verlieren? Das wäre zwar ein Dienst an der Allgemeinheit, aber aus Sicht des Einzelnen ziemlich dumm.

Es ist keine pessimistische Massenpsychose, die die Krise antreibt, sondern der ständige Konflikt zwischen individueller und kollektiver Rationalität. Nur der Staat kann hier durch Konjunkturpakete auf Pump aushelfen.

Deshalb würde es nichts nützen, wenn die Medien - wie etwa in Russland – die Krise totschweigen würden, oder wenn wir uns alle jeden Morgen nach dem Aufwachen sagen würden: "Es ist eh alles ok." Die Krise wird nicht schneller vorüberziehen, wenn wir den Kopf in den Sand stecken. Andererseits: Wenn wir währenddessen etwas mehr Lachen, dann tut alles weniger weh.

  • Artikelbild
Share if you care.