Wir fressen uns zu Tode

22. Oktober 2009, 19:52
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60 Prozent der Österreicher fühlen sich durch die Wirtschaftskrise psychisch belastet, lässt uns eine von Psychologen beauftragte Studie wissen. Hand aufs Herz, selbst wenn Sie uns dafür ohrfeigen wollten, müssen wir, das Wirtschaftsressort von derStandard.at, wohl irgendwo zwischen den verbliebenen 40 Prozent dümpeln. Heute ist der Zeitpunkt des Outings.

Gleich vorweg das Geständnis: Mit Beginn der Krise hat sich ein gewisser Lebensstil in Form von kulinarischen Genüssen eingeschlichen. Erdbeeren, Marzipan, Schokolade mit mindestens 70 Prozent Kakaogehalt und Schweizer Ursprung, gebrannte Mandeln aus Kroatien und belgische Pralinen gehören seither zur Grundausrüstung in der Redaktion. Als kleiner Ausgleich sozusagen für die Widrigkeiten in der Welt. Ein Lehman-Kollaps lässt sich eben mit zartem Keksgeschmack im Mund leichter schultern. Süßes gegen die bittere Realität.

Zigaretten und Alkohol, letzteren natürlich nur außerhalb der Arbeitsstätte, sind wir ebenfalls nicht abgeneigt, kasteien uns aber einigermaßen und sind so wieder nicht repräsentativ für oben angeführte Studie. Demnach sollen Österreicher nämlich vermehrt zu Tschick und Flasche greifen. Letztere ist bei uns grün und trägt den Namen eines – natürlich – französischen Mineralwasser-Abfüllers. Ein gewisses Niveau muss sein. Sicher werden jetzt die Neider aufschreien, "Blasphemiker" werden wir geschimpft werden und als Wichtigtuer abgetan. Sei's drum, aufs Leben im Schlaraffenland werden wir trotzdem nicht verzichten. Soll doch die Finanzbranche kollabieren und der Rest der Welt ausrufen: "Na, Prost, Mahlzeit!" - wir praktizieren es. (Sigrid Schamall)

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