Mangelwirtschaft

5. Oktober 2009, 11:44
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Der Titel der besten Band der Welt ist ja für mich schon an wen anderen vergeben. Aber gut, da kommen diese lustigen Iren mit dem Dauerauftrag für Weltverbesserung und Verrockung mal wieder nach Österreich und wollen das Stadion füllen, irgendwann nächstes Jahr. Und ja, die Neugier ist ein Hund, und deswegen schien die Idee, sich dieses Spektakel doch einmal live zu geben, eine supertolle. Der Auftrag: U2-Karten, zwei, Maximal-Preis 100 Euro (schließlich ist man ja nicht Hardcore-Fan und eigentlich sind dafür schon die 100 Euro hart an der Grenze des Erträglichen).

 

Samstag früh, Punkt neun Uhr geht die Mission los. Mit einer Vorahnung des Scheiterns also das vollaufgeladene Handy geschnappt, den Computer hochgefahren. Allein das Einloggen auf der österreichischen Ticket-Verchecker-Seite ist auch eine halbe Stunde vor offiziellem Start schon ein Ding des Unmöglichen. Gleichzeitig das Mobiltelefon quasi ans Ohr getackert. Anruffrequenz pro Minute: gefühlte 300, gezählte 13. Ergebnis: Ich war nicht einmal in der Nähe einer freien Leitung, das Besetztzeichen hingegen war mein bester Freund.

Plan C: Ab zum Libro um die Ecke – mit der naiven Sicherheit, dass die doch in die Ticket-Verteiler-Zentrale reinkommen müssen! Müssen sie nicht können, wusste ich dann wenige Minuten später. Kurz nach neun bin ich bei weitem nicht die Erste mit dieser grandiosen Idee, das Prinzip der Verknappung funktioniert offensichtlich auch in der Überflussgesellschaft prima. Vor mir stehen einige Herren und Damen mit Netbook und ebenfalls am Ohr festgeschnalltem Telefon. Allerdings wesentlich unentspannter als ich – wahrscheinlich echte Fans. Irgendwann ging's dann doch, das Einloggen beim Libro. Hinter mir freut sich eine junge Frau, die auf die nächste freie Leitung bei der Hotline wartet. Vor mir werden die Herren immer nervöser. Karten gibt's hier nicht mehr so viele, Stehplätze sowieso schon aus, der Computer vom Bücherladen zickt herum, derweil probiert es der Kollege daneben noch immer mit dem Netbook.

Um es kurz zu machen: Ich habe kapituliert, meinen Platz in der Schlange zur Verfügung gestellt und auch das Telefon nicht mehr zur Kartenakquise benutzt. Ich muss ja nicht alles sehen. (Daniela Rom)

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