Karzai, Präsident ohne Macht - Abdullah, der zweite Kandidat

20. Oktober 2009, 14:42
3 Postings

Die beiden Kontrahenten um das Präsidentenamt in Afghanistan

Kabul - Hamid Karzai galt lange Zeit als Hoffnungsträger des Westens. Doch der 51-jährige Präsident der Islamischen Republik Afghanistan ist inzwischen vom Volk weitgehend isoliert, und die internationale Staatengemeinschaft steht ihm zunehmend skeptisch gegenüber. Trotz Anschlägen auf sein Leben und wachsender Unzufriedenheit über seine Regierung kämpft Karzai um eine zweite Amtszeit.

Seit Ende 2001 steht der hochgewachsene Paschtune mit der vornehmen Blässe an der Spitze Afghanistans - anfangs von der Bonner Afghanistan-Konferenz unter maßgeblichem Einfluss der USA als Übergangspräsident bestimmt. Nach seinem Triumph bei der ersten freien Präsidentschaftswahl im Oktober 2004 hoffte auch das Volk, dass er den zerrissenen Vielvölkerstaat in eine bessere Zukunft führen wird.

Der Aristokrat aus dem mächtigen südafghanischen Stamm der Popalzai, der neben den Landessprachen Paschtu, Dari und Urdu auch fließend Englisch spricht, schien nach dem Sturz der Taliban besonders geeignet für das schwierige Amt. Karzai, mit einer Ärztin verheiratet, ist westlich orientiert und zugleich in den Traditionen seines Landes verwurzelt. Und der Vater eines Sohnes gehörte nie zu den Warlords, die das Land terrorisierten.

Nachdem Karzai sein Politikstudium in Indien 1983 abgeschlossen hatte, schloss er sich in seiner Heimat dem Widerstand gegen die sowjetischen Besatzer an. Nach der Niederlage der Roten Armee wurde er Außenminister. Als Mitte der 1990er Jahre der Bürgerkrieg ausbrach, legte Karzai das Amt nieder. Er unterstützte die Taliban, von denen er sich bald enttäuscht abwandte. Von da an engagierte er sich im Kampf gegen die radikal-islamischen Kräfte in seinem Land.

Abdullah-Abdullah kennt seinen Gegner im Zweikampf um das afghanische Präsidentenamt gut. Der promovierte Augenarzt war bis 2006 Außenminister im Kabinett Hamid Karzais. Wie sein Konkurrent kann auch der vermutlich 48-Jährige eine Vergangenheit im afghanischen Widerstand vorweisen. Abdullah gehörte zur Nordallianz, die den Vielvölkerstaat 2001 mit Hilfe der US-Truppen von den Taliban befreite.

Der Sohn einer Tadschikin und eines Paschtunen soll liberaler als Präsident Karzai sein. Der in der südafghanischen Provinz und späteren Taliban-Hochburg Kandahar geborene Abdullah will einen Wechsel vom Präsidial- hin zu einem parlamentarischen System. Außerdem hat er der Korruption im Land den Kampf angesagt.

Seine Popularität verdankt der Mann mit dem kurzen Bart nicht zuletzt dem Glanz eines Toten. Er war über Jahre Berater des militärischen Führers der Nordallianz, des 2001 von Al-Kaida ermordeten Nationalhelden Ahmad Schah Massud. Abdullah, Vater von vier Kindern, gilt als weltgewandt. Er spricht neben den Landessprachen Paschtu und Urdu fließend Englisch. (APA)

Share if you care.