Rebellen-Präsident organisiert Massaker von Deutschland aus

20. Oktober 2009 14:50

Ignace Murwanashyaka steuert von Mannheim aus die ruandischen Truppen im Kongo - Justiz sieht keinen Grund, aktiv zu werden

Der Befehl ist eindeutig, das Ziel klar: "Die Bevölkerung angreifen, um eine humanitäre Katastrophe zu verursachen." Den Weg dorthin erklärt eine Stimme über Funk: Über "Versorgungsoperationen durch Schläge gegen die Armee, um Munition und Waffen zu erbeuten", sowie "gegen Krankenhäuser und Gesundheitszentren vorgehen, um Medikamente zu erbeuten." Die humanitäre Katastrophe soll in der Demokratischen Republik Kongo ausgelöst werden. Genauer im Osten des Landes, an der Grenze zum Nachbarn Ruanda. Auf ruandischer Seite wurden im Frühjahr 1994 in hundert Tagen fast eine Million Menschen regelrecht abgeschlachtet.

Heute ist der Völkermord, mehrheitlich an der Tutsi-Volksgruppe verübt, auf der anderen Seite Geschichte, in Ruanda herrscht Frieden. Im Kongo aber gärt der lang schwelenden Konflikt zwischen den Volksgruppen der Hutu und Tutsi weiter. Über 1,5 Millionen Menschen fliehen heute im Ostkongo vor den Tätern von damals: Eine Armee von rund 6.000 Menschen, die die Landesgrenze überschritten und sich im Kongo in Form der Miliz FDLR (Forces Démocratiques de la Libération du Rwanda) neu organisiert haben.

Schaltzentrale Deutschland

Die Führung sitzt in Deutschland. Sie operiert aus einem schlichten Mehrfamilienhaus in Bahnhofsnähe in Mannheim, Bundesland Baden-Württemberg, im Südwesten der Bundesrepublik. Das meldet das ARD-Magazin "Fakt" Montagabend. Dort wohnt Ignace Murwanashyaka, "Schaltzentrale" der 4.000 Kilometer entfernten FDLR-Hutu-Rebellen. Die FDLR laut Eigendefinition: "das sein Vaterland und seine Familien verteidigende ruandische Volk, das von
einem tyrannischen und barbarischen Regime in ständiger Bedrohung und Todesangst gehalten
wird". Murwanashyaka ist ihr Präsident und wird von der internationalen Organisation für Verbrechensbekämpfung Interpol (International Criminal Police Organization) wegen einer Reihe schwerer Kriegsverbrechen gesucht. Ruanda verlangt seine Auslieferung.

Codename "Mihigo"

Die Befehle vergibt er via Satellitentelefon. Dann werden im Kongo Menschen ermordet, weil die Stimme aus Deutschland es ihnen diktiert. Die Vereinten Nationen haben Beweise, dass Murwanashyaka der Drahtzieher rund um ein Massaker im Mai dieses Jahres ist, bei dem mindestens 96 Menschen, darunter Babys und Kleinkinder, getötet wurden. 

Das ist kein Geheimnis. Das wissen die Milizen im Kongo, das wissen die Beamten in Deutschland, die laut „Fakt" keinen Grund sehen, Murwanashyaka nicht weiterhin unbehelligt in seinem Mannheimer Haus leben zu lassen. Laut Angaben der Berliner Tageszeitung taz werden ausnahmslos alle FDLR-Entscheidungen in Deutschland getroffen. Wappnen zum Angriff, Zurückziehen, Allianzen mit der kongolesischen Armee - die Fäden zieht Murwanashyaka unter dem Codenamen "Mihigo".

Die FDLR wurde 2000 gegründet, gleichzeittg hievte man den heute 46-Jährigen zu ihrem Präsidenten empor. Weil er "in Hinsicht auf den Genozid eine weiße Weste hat und daher nach außen präsentabel ist", wie die taz schreibt. Die taz zeichnet seinen Lebensweg nach: Murwanashyaka, selbst Hutu-Angehöriger, kommt 1989 nach Deutschland, als Wirtschaftsstudent mit einem Stipendium für die Universität Bonn. Er bleibt hier, verfolgt von hier aus den Genozid in seiner Heimat, heiratet hier eine Deutsche, bekommt mit ihr zwei Kinder. 2001 promoviert er zum Thema „Geldnachfrage in Südafrika", seine Dissertation ist heute im Internet verfügbar. Er engagiert sich als gewählter Deutschland-Vertreter der Hutu-Exilpartei RDR (Sammlung für Demokratie und Rückkehr nach Ruanda), „der ersten politischen Organsiation der nach dem Genozid aus Ruanda geflohenen Täter", aus der später die FDLR hervorgeht, wie die taz schreibt.

Asylauflagen und Telefonnummern

2000 beantragt Murwanashyaka Asyl in Deutschland - in Form eines Antrags von 25 Seiten, in denen er sich als politisch Verfolgter ausgibt. Nach sechs Wochen genehmigt ihn das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Seither bekommt er 432 Euro im Monat, darf sich laut Asylauflagen allerdings nicht politisch betätigen. Bis zum Frühjahr veröffentliche er nichtsdestotrotz Pressemeldungen auf der FDLR-Website - auf Deutsch, mit seinem Namen und seiner Unterschrift. Bis Anfang September war die Seite laut "taz" auf seinen Namen angemeldet. Heute findet man zwei Handynummern, wenn man Kontaktpersonen sucht. Eine französische und eine deutsche. Wählt man die deutsche Telefonnummer, befindet sich nicht Murwanashyaka am anderen Ende der  Leitung, versichert die Stimme am anderen Ende gegenüber derStandard.at. Dieser sei auch nicht an einer Kontaktaufnahme interessiert, so die Stimme, die anonym bleiben möchte, weiter.

"Keine Beweise für Verbrechen"

Laut "taz" wäre dieser ein Fall für das 2002 in Deutschland eingeführte Völkerstrafgesetzbuch - demnach ist er für seine Verbrechen verantwortlich, ohne sie persönlich begangen zu haben. Murwanashyaka fühlt sich dennoch in Deutschland sicher: „Zwischen 2001 und 2006 reiste er mehrfach zwischen Deutschland und Kongo hin und her", schreibt die "taz". Im Februar 2006, während seiner letzten Kongo-Reise, widerrief das BAMF seinen Asylstatus. Die Behörden hatten sich Informationen über die FDLR beschafft. Folge: Bei seiner Ankunft landete er in Schubhaft. Murwanashyaka klagt und wird anschließend aus der Haft entlassen, weil der Richter befindet, dass die FDLR „keine straff organisierte Einheit" sei, von der es „keine Beweise" gebe, dass sie Verbrechen begehe.

Die Beweise kamen im Juli 2008 in Form eines 28-seitigen Haftbefehls mit sieben Anklagepunkten. Nicht genug, urteilte das Oberlandesgericht Karlsruhe und prüft das Auslieferungsverfahren in zweiter Instanz. Grund: In Ruanda sei ihm kein fairer Prozess garantiert. Verurteilt wurde Murwanashyaka im März 2009, da er 13 Mal gegen seine Aufenthaltsbedingungen verstoßen hatte - er hatte weiter RSR-Presseerklärungen über seine private Mailadresse verschickt. Das Ergebnis: sechs Monate Bewährung. (fin, derStandard.at, 20.10.2009)

Link:

Interpol

Kommentar posten
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Sternchen100
28.10.2009 12:41

Der Mann steht sicher auf der Gehaltsliste der CIA, daher wird er vom US-Hündchen Deutschland gedeckt. Merke: Kriegsverbrechen sind ja Bagatellen, wolange es sich um sozialistische Staaten geht, nicht wahr?

johannes stadler
 
21.10.2009 19:29
unfassbar

das klingt ja nach voller Unterstützung durch die deutschen Behörden.

dass man bei all dem nur Bewährung kriegt ist ein Wahnsinn

alles neu macht der mai
21.10.2009 16:05

das war schon vor monaten in der zeit.

depriemierend, dass sich noch immer nix getan hat.

Lethawae
21.10.2009 15:21

Wer jemals in Mannheim war weiß, daß der Mann gerade seine gerechte Strafe absitzt,

Tino Rossi
21.10.2009 14:16


Mobutu Sese Seko, Bokassa, Idi Amin Dada, Daniel Arap Moi, Robert Mugabe, Sani Abacha...

Die Ausbeuter Afrikas haben ein Gesicht und einen Namen.

Sternchen100
28.10.2009 12:41

USA?

Krawutzikapuzi
21.10.2009 16:15
und haben ofz vorher und nachher unbehelligt jahrzehntelang schön in europa gelebt...

vom anderen Sternli
21.10.2009 12:41
Im Spiegel-online

stand das schon vor über einem halben Jahr.
Soviel zur Aktualität von Fakt.

http://www.spiegel.de/politik/a... 13,00.html

Lichtfreak
21.10.2009 12:30
Das ist rein politisch...

dass der unbehelligt bleibt!

Lilo Wanders
21.10.2009 12:28
Adresse...

Hier nochmal die Adresse des Herrn:

Ignace Murwanashyaka
Galileistrasse 23
68165 Mannheim

Bitteschön :)

Dingsbums1
21.10.2009 12:20
Ist der Artikel seriös recherchiert auf Basis eigener Quellen?

Oder nur die unkritische Wiedergabe eines Fernsehberichtes?

Lilo Wanders
21.10.2009 11:57
Coltan

Die wichtigsten Lagerstätten des Coltan befinden sich in Zentralafrika. Der Coltan-Abbau konzentriert sich dort im wesentlichen auf die Kivusee-Region in der Demokratischen Republik Kongo...()
Im Jahr 2008 wurde weltweit 1.195 t gefördert, dabei entfielen auf Australien 435 t, Demokratische Republik Kongo 383 t..() Auszug aus WIKIPEDIA

NOCH FRAGEN?

Sternchen100
28.10.2009 12:43

Die USA mit ihrem Sklaven EU sind somit scharf auf Coltran, daher darf mit der Bevölkerung gemacht werden, was immer dieser Kerl will.

Tino Rossi
21.10.2009 14:21

Wikipedia, das ist ja wirklich eine wissenschaftliche Quelle...

Aber vermutlich meinen sie mit ihrem verwirrten posting, dass die Regierungen Zentralfrikas wohl nicht den Marktwert von Coltan kennen ?!?

Sie denken, da in Afrika regieren ja eh nur Leute, die keine Ahnung haben wie sie über den Tisch gezogen werden ? Alles Blossfüssige die Coltan gegen Glasperlen tauschen, ist das Ihre Sicht der Dinge ?

Und vermutlich halten sie sich selbst für gebildet, aufgeklärt und antiras*****sch, nicht wahr ??

Searles
 
21.10.2009 14:58

Ich wundere mich jedesmal ueber Leute, die auf Fakten wie Export/Importzahlen mit "Wikipedia ist keine wissenschaftliche Quelle" antworten.

Tino Rossi
21.10.2009 15:06

Dann schreiben Sie doch selber einen Artikel in Wikipedia über diese problematik. Für einen Wissenschafter wie Sie sicher kein Problem.

Lilo Wanders
21.10.2009 17:59

Sind Sie das Herr Murwanashyaka, oder ein Untergebener von Ihnen..hm, lasse mich nicht auf solches Niveau herab :-)

Hier eine fundiertere Quelle, etwas älter aber sehr interessant.

http://www.labournet.de/branchen/... kongo.html

Mario Coiffure
 
21.10.2009 11:27
der traum vom warmen eislutscher

großzügig sollen asylregelungen sein, aber keine bösewichte beschützen.

behördliche oder gerichtliche schuldbefunde soll man ignorieren dürfen, wenn sie ungerecht hart sind (zogai), und gerichtliche verfahrenseinstellungen mangels beweisen, wenn sie ungerecht milde sind (murwanashyaka).

und RE auslieferung: ein faires verfahren soll den beschuldigten garantiert sein, doch missetäter dürfen dadurch auch nicht begünstigt werden.

Mostbluzer
21.10.2009 10:22
ruanda, kongo usw

ist ein wichtiger dt. bezugspunkt in afrika, dank der ressourcen. ist die bundeswehr immer noch im kongo, eigentlich, offiziell meine ich?

der massenmörder ist zu wichtig dort, um in einzukerkern. der steht quasi unter staatsschutz. solange er die chance hat dort an die macht zu kommen, ist es egal ob er 1 oder 1 mio menschen am gewissen hat. so ist weltpolitik, auch die deutsche.

insertnamehere
 
21.10.2009 12:39
"solange er die chance hat dort an die macht zu kommen"

Er und seine laut Artikel 6.000 Kämpfer, wohlgemerkt. Mit denen er in dem 66 Mio Land als Ausländer an die Macht kommt.

Vielleicht sollten Sie Ihren Satz umformulieren auf "solange er die Chance hat, ein zweiter und beeindruckenderer Alexander der Große zu werden". ;-)

Mostbluzer
03.11.2009 14:24
macht und kriege mein guter

werden heutzutage nur selten mit soldatenheeren gewonnen und geschlagen.

alkaida kämpft mit 100 kriegern, laut us generälen.

die taliban sind wenige tausend.

die ruanda massaker wurden von aufgestachelten bevölkerungen durchgeführt. sie könnten nie 100.000e töten binnen wochen, mit einer armee.

in kenia kamen hunderte binnen tagen ums leben (kurz vor obamas besuch im wahlkampf - aufgrund einer sms kampagne, .... wer glaubens, wer hinter sowas steht, ein afrika. oppositioneller??)
heute werden kriege mit SMS/facebook u.a. durchgeführt, im iran klappte es halt nicht. vor ein paar jahren kaufte man noch studenten und schenkte ihnen ein leiberl ... in orange.

mika33
21.10.2009 10:02
Woher nimmt er das Geld um ständig in den Kongo zu fliegen?

01052004
21.10.2009 14:07
ganz einfach:

drogenhandel, handel mit blutdiamanten, waffenhalndel, prostitution...

und vielleicht auch das eine oder andere dollar/eurobündel von amerikaner, russen, chinesen...

das bisherige vorgehen der bundesrepublik ist hier bestenfalls als "peinlich" zu bezeichnen"...oder gibts einen geheimdeal bezüglich irgendwelcher benötigter ressourchen für deutschland, daß für den kriegsverbrecher eigene regeln gelten???

Schnapphahn
21.10.2009 14:05
Hartz IV?

Konversationslexikon
21.10.2009 10:01
Was jetzt?

"Die Vereinten Nationen haben Beweise..." - "weil der Richter befindet,...„keine Beweise" gebe" - "Die Beweise kamen im Juli 2008..."

Gibt´s jetzt Beweise oder nicht?

Wenn ja, dann sollte sich mehr, als eine Bewährungsstrafe, ausgehen.


PS.: Schwacher Artikel!

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