Andritz setzt auf Wasserkraft und Biomasse

20. Oktober 2009, 14:17
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Der börsenotierte Anlagebauer rechnet nicht mit Späteffekten der Krise auf sein Geschäft

Wien - Der börsenotierte Anlagebauer Andritz rechnet nicht mit Späteffekten der Krise auf sein Geschäft. Der steirische Konzern mit Sitz in Graz setzt auf Innovationen in der Wasserkraft und entwickelt eigene Verfahren zur Biomasse-Nutzung. "Wir erwarten nicht, dass wir dramatisch unter das jetzige Niveau fallen", sagte Andritz-Vorstandschef Wolfgang Leitner am Dienstag vor Journalisten in Wien zum Auftakt der "Capital Market Days". Mittelfristig sei er optimistisch, der Konzern will nach dem Wiederanspringen der Konjunktur wieder wachsen.

Die bisher kommunizierten Wachstumsziele der Andritz-Gruppe, nämlich 4,5 Mrd. Umsatz sowie die Erhöhung der Dividenden-Ausschüttungsquote auf rund 50 Prozent, bleiben grundsätzlich erhalten, auf einen Zeitpunkt will sich der Vorstandschef aber nicht festlegen. Der Bereich "Erneuerbare Energie" soll langfristig bei mehr als 50 Prozent am Gruppenumsatz liegen. Der Konzern will sowohl durch organisches Wachstum als auch durch Akquisitionen noch zulegen. Bei den insgesamt rund 13.400 Mitarbeitern (Ultimo Halbjahr 09) werde die starke Basis in Europa zur Produkt- und Verfahrensentwicklung gehalten, in den Emerging Markets soll das bisherige starke Wachstum fortgesetzt werden. Im Zellstoff- und Papierbereich wird krisenbedingt in Nordamerika und Nordeuropa die Mitarbeiterzahl angepasst, so werden etwa Projekt-Mitarbeiter abgebaut. Die etwa 2.600 Mitarbeiter des Konzerns in Österreich konnten gehalten werden, in China werden wieder neue Leute eingestellt.

Andritz geht auf Tour

Mit Investoren und Analysten geht Andritz heuer wieder auf Tour: Bei den bereits fünften Capital Markets Days wird morgen Mittwoch ein Werk von ENCE in Navia (Spanien) besucht, wo Andritz einen Biomasse-Kessel sowie Rückgewinnungskessel geliefert und installiert hat. Beide Kessel erzeugen aus Holzabfällen der Zellstoffproduktion "Grünen Strom", der in das öffentliche Stromnetz gespeist wird sowie die gesamte Anlage mit Strom versorgt.

Die Wasserkraft bleibt für Andritz ein "solider Markt mit exzellentem langfristigen Ausblick". Umsatz und Ergebnis sind auch im ersten Halbjahr 2009 angestiegen. Der Auftragseingang entwickle sich in allen Divisionen weiterhin gut, freut sich der Vorstandschef. In Europa und Nordamerika werden bestehende Wasserkraftwerke modernisiert, in den Emerging Markets neue Kraftwerke gebaut. Auch von den öffentlichen Programmen zur Wirtschaftsbelebung im Bereich der Infrastruktur kann Andritz profitieren.

Bei Verfahren und Anlagen zur Biomasse-Verwertung hofft Andritz insbesondere auf Wachstumstreiber in Nordamerika: Sowohl die USA als auch Kanada geben durch Milliarden-Förderprogramme Impulse. Die Obama-Administration setzt auf "grünen Strom": Während in den USA direkt die Stromproduktion in Zellstofffabriken gefördert wird, werden in Kanada Investitionen staatlich subventioniert. Trotz aktueller Probleme - geringe Projektaktivität im ersten Halbjahr 2009 im Neuanlagen-Geschäft - sieht der Konzern diesen Geschäftsbereich mittel- und langfristig optimistisch. Auf der Südhalbkugel werden riesige Eukalyptus-Plantagen zur Zellstoff-Produktion angelegt. Auch in China und Russland werde mittelfristig ein Ausbau der Zellstoff-Produktionskapazitäten entwickelt.

Zellstoffwerk in Tasmanien

Angesprochen auf den Wirbel um ein geplantes Zellstoffwerk in Tasmanien, das von Umweltschützern heftig kritisiert wird, verweist der Konzernchef auf die ausführlichen australischen Genehmigungsverfahren. Zur Rettung des Tasmanischen Teufels, der wegen einer durch Virus hervorgerufenen Krebsepidemie vom Aussterben bedroht ist, sollten gesunde Tiere helfen, die in die Population eingebracht wurden. Den Lebensraum des Tasmanischen Teufels sieht der Andritz-Manager durch die Fabrik nicht bedroht, der Rohstoff solle aus Plantagen und von den australischen Bundesforsten bezogen werden. Derzeit suche die australische Regierung noch nach Investoren. (APA)

 

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