"Generalstreik" - Akademie der bildenden Künste besetzt

20. Oktober 2009, 14:05
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    foto: apa/georg hochmuth

    Besetzung in der Säulenhalle der Akademie der bildenden Künste. ÖH und Lehrende wollen die Leistungsvereinbarungen zwischen Uni und Ministerium aussitzen.

Protest gegen Umstellung auf Bologna-Struktur - Rektor auf Seiten der Studenten und Lehrenden

Wien - Der Betrieb an der Akademie der Bildenden Künste in Wien steht still - zumindest vorerst. Vertreter von Österreichischer HochschülerInnenschaft (ÖH) und Senat haben heute, Dienstag, Mittag einen Generalstreik verkündet und die Säulenhalle des Baus am Schillerplatz besetzt. Die Aktion soll zumindest bis Donnerstag dauern, wenn die Leistungsvereinbarungsverhandlungen zwischen Rektorat und Wissenschaftsministerium stattfinden. Der Protest richtet sich gegen die geplante Umstellung der Ausbildung auf die Bologna-Struktur (Bachelor, Master, PhD) und die Abschaffung von Studien.

Die am Montagnachmittag in einer Vollversammlung beschlossenen Maßnahmen werden vom Uni-Senat unterstützt, wie dessen stellvertretende Vorsitzende Sabeth Buchmann betonte. Diese forderte von Akademie-Rektor Stephan Schmidt-Wulffen, dass "nichts anderes" als der zwischen Rektorat und Uni-Vertretern "über Jahre hinweg" ausverhandelte Entwicklungsplan Basis für die Gespräche zwischen Rektorat und Wissenschaftsministerium sein dürften.

Noch am Dienstag werde ein Komitee, das auch die Besetzung durchführe, mit dem Rektorat in Verhandlungen treten, sagte Martina Pfingstl von der ÖH. Konkret fordern Studentenvertreter und Lehrende von Schmidt-Wulffen, bei den Leistungsvereinbarungen "die Position der Akademie zu vertreten und nicht seine Privatansichten" sowie die Aufrechterhaltung aller bestehenden Diplomstudien. In einer Petition sprechen sie sich außerdem für die bedingungslose Abschaffung von Studiengebühren, von Wissensbilanzen und Leistungsvereinbarungen sowie gegen die "Degradierung der Universitäten und Schulen zu arbeitsmarktorientierten Ausbildungsstätten" aus.

Am Mittwoch wieder Betrieb

Schmidt-Wulffen reagierte gelassen. "Ich sehe das sehr entspannt, das ist nicht die erste Demonstration und nicht die erste Besetzung", sagte er. Die Gesellschaft wünsche sich schließlich politisch aktive Studenten, und er gehe davon aus, dass in den Theoriefächern und der Architektur der Lehrbetrieb am Mittwoch wieder aufgenommen werde.

Mit der ÖH habe es schon einige Zeit Gespräche zur geplanten Studienumstellung gegeben. Das Ministerium habe das Tempo in dieser Sache forcieren wollen, "und es ist einsehbar, dass das so nicht akzeptiert wird", zeigte er Verständnis. Zwar sei es logisch, dass das Ministerium eine Umstellung auf die europaweit angewandte Studienarchitektur wünsche, und die derzeitige Sonderstellung der Kunstunis halte er für nicht sehr glücklich, so Schmidt-Wulffen. Doch in die Leistungsvereinbarungen am Donnerstag werde er mit der Überzeugung gehen, "dass ich das im Haus derzeit nicht umsetzen kann und will". Er sei schließlich nicht nur Leiter der Akademie, sondern begreife sich auch als deren Repräsentant. "Es ist wichtig, dass das Haus jetzt mit einer Stimme spricht. Wir müssen schauen, ob die Diskussion in Zukunft Änderungen bringen wird." (APA)

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Posting 1 bis 25 von 44
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Sonnemondsterne
25
22.10.2009, 08:22
Reclaim Your Education!


HEUTE DEMO für alle StudentInnen, Lehrende und SymphatisantenInnen!

Treffpunkt 12:00 Uhr Votivkirche.
Danach direkte Aktion auf der Hauptuni!

GENUG GEREDET - WIR KÖNNEN AUCH ANDERS!

Zeigen wir Hahn, dass wir der gleichen Meinung sind wie die StudentInnen und Lehrende an der Bildenden. Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren sowie unsichere Arbeitsverhältnisse in der Lehre können nicht die Antwort sein - Ausfinanzierung der Universitäten JETZT!

Lasst uns gemeinsam für eine freie, selbstbestimmte und kritische Bildung kämpfen. Weg mit UG09.

Wir sind die Uni!




der schalldämpfer
18
21.10.2009, 00:28
Seien wir realistisch – fordern wir das Unmögliche!

Und wieder mal sinds die Studenten und noch dazu die Künstler. Herrlich… Danke… Weiter so!

Wesentliches (Un)Wesen
60
21.10.2009, 00:41

Man sagt sich, dass dort sehr viele Frauen maßgeblich beteiligt sein sollen.

wunderfizz1000
46
21.10.2009, 10:58
naja irgendwer muss ja die denkleistung in diesem land übernehmen

offenbar bleiben da nur mehr weiblich kunststudentin über! ist mir persönlich gar nicht mal unrecht ...

der schalldämpfer
15
21.10.2009, 08:47

Sowieso. Besonderes Lob den …Innen!

Wesentliches (Un)Wesen
20
21.10.2009, 14:59

Ich find ja "Studierende" ganz prima.

Auch wenn es bisher mindestens drei LeserInnen peinlich zu sein scheint.

m g
04
20.10.2009, 22:20
Verstehe ich völlig

Wer will schon studieren um dann Malermeister genannt zu werden?

symbol mind
00
21.10.2009, 11:17

malermaster!

yomellamo
03
20.10.2009, 22:08
verdammt...

wer soll denn jetzt meine gemälde malen, wenn die streiken?

user 13
04
20.10.2009, 21:21
arbeitsmarktorientierten Ausbildungsstätten

Wie muss man sich das vorstellen, wenn eine Kunstakademie zu einer arbeitsmarktorientierten Ausbildungsstätten degradiert wird?

Maler werden im Zusatzfach Anstreicher unterrichtet?
Bildhauer setzen sich mit der effizienten Herstellung von Natur-Pflastersteinen auseinander?

lessismore
00
22.10.2009, 03:10

"Creative industries".

Veronika Lenz
210
20.10.2009, 20:08

recht haben sie, endlich eine Gruppe mit der nötigen Zivilcourage, die dem geballten Unsinn etwas entgegensetzt
hoffentlich haben sie einen langen Atem, den werden sie brauchen!!
ich halte ihnen die Daumen

neusiedlersee
12
20.10.2009, 18:35
bitte um auskunft

kann mir jemand der studentInnen erklären
(bitte fakten), warum sie gegen die bologna struktur sind?
welche nachteile haben sie?
welche vorteile?
danke!

Der Kreter
 
14
21.10.2009, 11:37
Die Bologna-Reform ist Teil eines europaweiten Umbaus der Universitäten, in dessen Rahmen

a) die Organisationsstrukturen der Unis jenen von Unternehmen angeglichen werden (new public management) b) die Ausbildungsinhalte und -ziele sich an den Wünschen der Industrie orientieren c) der wissenschaftliche/künstlerische Mehrwehrt einer unmittelbaren wirtschaftlichen Verwendung zugeführt werden soll (z.B. in Form von Patenten) d) die Unis Teilnehmer an einem weltweiten tertiären Ausbildungsmarkt werden sollen (->Unigebühren) e) lukrative Betätigungsfelder für Anbieter vornehmlich aus dem Medien- und EDV-Bereich entstehen (SAP, E-Learning Module) sollen.

Kurz: Ziel ist die faktische Vernichtung der Unis und die Umwandlung der Reste in Bildungs Wal Marts (und 1 oder 2 Cartiers).

http://www.heise.de/tp/r4/art... 534/1.html

djah mal
12
21.10.2009, 10:51

bin zwar kein student aber so schwer wars auch wieder nicht den standpunkt der besetzerInnen zu finden:

http://www.malen-nach-zahlen.at/

"Text Pressekonferenz" oder andere statements auf der seite argumentieren die ablehnung recht einleuchtend wie ich finde.

johann potakowskyj
 
03
20.10.2009, 23:04
was wollen sie eigentlich mit einem bachelor of architecture anfangen?

darf der jetzt nur lagerhallen und vogelhäuser entwerfen?

oder vielleicht bechelor of industrial design!
was darf der jetzt?
vorerst einmal taschentücher, grabsteine und fensterkreuze?


und da nenne ich noch angewandte kunstrichtungen. bei den akademischen malern und bildhauern, die ja eh keinen titel brauchen, wird es noch krotesker.

wie wollen sie kreativität den messen?

wie wär's mit einem bachelor of taradiddle!

niewieder nett
 
11
20.10.2009, 21:32

btw bin ich keine studentin auf der akademie. aber auch an mir ist der bologna prozess nicht vorbei gegangen

niewieder nett
 
01
20.10.2009, 21:31
grob gepostet

kritisiert wird:
1. die verkürzung der studiendauer für den bachelor auf (meistens) 6 semester - es wird befürchtet das man dann einfach nicht gut ausgebildet ist
2. das man wegen pkt 1 sowieso einen master machen muss weil man sonst keinen
3. Die Hochschulen erwarten durch die notwendige Akkreditierung ihrer Studiengänge höhere Kosten bei gleichzeitig steigendem Verwaltungsaufwand für die Studiengänge (regelmäßige Prüfungen in jeder Veranstaltung, etc.)
4. es kommt zu einer einseitigen ökonomischen orientierung.dadurch ist die frage ob die wissenschaft und ihre lehre frei bleiben können.

ansonsten googlen sie und machen sie sich ein bild. da gibts tonnen material

neusiedlersee
21
21.10.2009, 00:36
also...

meine tochter hat den bachelor und master gemacht. sie hatte das glück, zusätzlich auch im ausland studieren zu können. nun hat sie einen job im ausland den sie ohne die bologna kriterien nicht bekommen hätte.

also meiner tochter hat bologna gut getan.

Der Kreter
 
04
21.10.2009, 11:49
Geförderte Austauschprogramme gab es früher schon.

Tatsächlich ist die Mobilität der Stundenten im Bologna-System zurückgegangen.

Um welchen Job handelt es sich also, den ihre Tochter ohne die "Bologna-Kriterien" nicht bekommen hätte? Mitarbeiterin in der PR-Abteilung des Wissenschaftsministeriums?

Myname471
01
21.10.2009, 11:38
Was hat denn die Karriere ihrer Tochter

... mit Bologna zu tun? Im Ausland studieren konnte man schon immer.

wolken kratzer
 
26
20.10.2009, 22:53

ganz kurz gefasst:

1) billig-titel in 3 jahren (es droht doch noch die beschränkung des zugangs zu MA nach BA)
2) verschulung komplett
3) bürokratisierung total

eine schrott-idee mehr aus brüssel.

maNishma
03
21.10.2009, 10:41
brüssel oder bologna

hauptsache spanien.

Toni Poster
21
21.10.2009, 10:39
"eine schrott-idee mehr aus brüssel" - sieben gründe warum ich überzeugt bin dass sie nur den müll wiedergeben, auf den sie durch anti-europäische populismusdemagogik reingefallen sind:

1. der bologna prozess wurde nicht in brüssel, sondern in bologna unterzeichnet (wie der name schon sagt).
2. er wurde vom europarat gemeinsam mit der unesco erarbeitet.
3. weder der europarat (nicht= rat der eu) noch die unesco sind teil der eu.
4. der europarat hat seinen sitz in straßburg, nicht in brüssel.
5. die unesco hat ihren sitz in paris, nicht in brüssel.
6. er wurde von 29 europäischen bildungsministern unterzeichnet. (auch österreich, ministerin gehrer, wenn ich mich recht erinnere)
7. die minister stammen allesamt aus regierungen, die demokratisch gewählt wurden, also nicht von einem diktator aus brüssel.

also was verd.mmt noch mal hat der bologna prozess mit BRÜSSEL zu tun? haben sie krone+heute+strache schon so verblödet??

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