Gesundheits- und Trendsport: Slacklinen

20. Oktober 2009, 13:47
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Mit einem Schlauchband Muskulatur und Gleichgewichtssinn trainieren - Einsatz bei Schlaganfallpatienten wird untersucht

Düsseldorf - „Let's slack" - so lautet das Motto einer neuen Trendsportart, die in den 80er Jahren von der Kletterszene im Yosimite Nationalpark in den USA erfunden wurde und seit kurzem auch in Europa begeisterte Anhänger findet: Slacklinen, ein Sport, dem Seiltanz nicht unähnlich, erinnert an die Kunst der Seilakrobatik. Immer häufiger kann man jetzt in Parks Menschen beobachten, die über ein zwischen zwei Bäume gespanntes Schlauch- oder Flachband aus Gummi balancieren. Doch im Gegensatz zum klassischen Seiltanz im Zirkus, wird hierbei die Dynamik des „schlaffen Bandes" - wie der Begriff Slackline übersetzt werden kann - genutzt.

Trendsportart trainiert Muskulatur, Koordination und Konzentration

Slacklinen macht Spaß und ist doch weit mehr als nur eine Fun-Sportart. Das Balancieren auf der cirka 2,5 Zentimeter breiten Slackline bringt erwiesene gesundheitliche Vorteile mit sich. „Durch das Balancieren auf dem nur locker gespannten Band entstehen Schwingungen, die der Körper ausgleichen muss, um nicht herunter zu fallen. Das trainiert insbesondere die Feinmuskulatur rund um die Wirbel", erläutert Constanze Kriebel-Goldmann im Gespräch mit dem Online-Pressedienst humannews. Die beratende Medizinexpertin der BKK Essanelle unterstützt die Prävention durch Sport & Wellness intensiv. Aufgrund dieser positiven Auswirkungen auf den Körper erforschen Studien aktuell die therapeutischen Einsatzmöglichkeiten des Slacklinens bei der Behandlung von unter anderem Schlaganfall-Patienten oder Multipler Sklerose. „Neben der Stimulation der Muskulatur werden auch Gleichgewichtssinn, Reaktionsvermögen, Koordination und Konzentration wirksam trainiert", so Kriebel-Goldmann weiter. Deshalb eignet sich das Balancieren auf der Slackline ideal als Training für Sportarten wie Klettern, Skifahren und Kampfsportarten. Auch Anfänger, Sportmuffel oder ältere Menschen können dabei schnell erste Erfolge erzielen.

Balance ist trainierbar

Etwas Übung ist allerdings nötig, um den Balanceakt zu meistern und sicher auf dem maximal fünf Zentimeter breiten Band zu spazieren. Ein besseres Gefühl für das Seil wird erzielt, indem der Benutzer leicht in die Knie geht. Dadurch sind ähnlich wie beim Roller Bladen oder Skifahren, schnell Reaktionen möglich. Für ein sicheres Schreiten den Blick auf einen Punkt in einiger Entfernung fixieren. „Am besten unternimmt man die ersten Versuche zusammen mit einem Partner. Gemeinsam macht Slacklinen nicht nur mehr Spaß; der andere ist auch eine tolle Stütze bei den ersten Gehversuchen in der Luft", rät die Expertin der BKK Essanelle allen Anfängern. Wichtig für Einsteiger: Mit Lowlines beginnen, die relativ niedrig in Knie- oder in Hüfthöhe über einem weichen Untergrund wie Gras oder Sand gespannt sind. Dabei ist die Verletzungsgefahr am niedrigsten und man braucht nicht viel Ausrüstung.

Seiltanz für jedermann

Jedes gut geführte Sportgeschäft ist inzwischen mit Slacklines ausgestattet: Der Kostenpunkt liegt bei circa 40 Euro für die Grundausstattung. Wichtigster Bestandteil ist die Slackline selbst, die für Anfänger eher breit und straff gespannt sein sollte. Denn je lockerer das Band, desto schwieriger wird das Balancieren. Befestigt wird das Band mit zwei Schlingen an zwei gleich hohen Fixpunkten, also zum Beispiel zwischen zwei Bäumen, dessen Rinde mit speziellen Schonern, alten Teppichen oder Fußmatten geschützt werden sollte. Ein Ende des Bandes wird von einem Karabinerhaken gehalten, das andere durch einen Flaschenzug, eine Spanngurt-Ratsche oder ein Hubzug gespannt. Mit ein bisschen Geduld und Übung kommt man recht schnell zu artistischen Leistungen und spürt den Zauber dieses Sports: Spannung, Bewegung, Konzentration und jede Menge frische Luft. (red)

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    Je lockerer das Band gespannt wird, desto schwieriger wird der Balanceakt.

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